Ins frühere Sägewerk-Gelände kommt Bewegung

Ins frühere Sägewerk-Gelände kommt Bewegung

Von Joachim Eiermann

Bühl - "Der Platz ist uns seit 25 Jahren ein Dorn im Auge", sagt Altschweiers Ortsvorsteher Manfred Müller. Die Rede ist vom Durst-Gelände - eine Einöde aus Stellplätzen und Gestrüpp, mitten im Ortszentrum, an die Bühlot angrenzend. Lange hing man im Ort Überlegungen nach, hier einmal einen Festplatz einzurichten. "Doch das will heute niemand mehr", gibt Müller die Stimmung im Dorf wieder. Die Vorstellungen seien inzwischen andere.

Nun kommt Bewegung in die Sache. Mit dem jahrelangen Stillstand nach Abriss des Sägewerks Durst, der 2015 nur durch den Bau eines unterirdischen Regenüberlaufbeckens unterbrochen wurde, ist es bald vorbei. Im Sommer oder Herbst dieses Jahres werden Tiefbauspezialisten anrücken, um die Bühlot in einem Abschnitt von etwa 150 Meter Länge um- und auszubauen. In diesem Zusammenhang wird auch der Platz neu angelegt.

Ziel des Bühlot-Ausbaus ist ein Hochwasserschutz der Kategorie HQ 100, also für ein Ereignis wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt. Viviane Walzok, Geschäftsführerin des Zweckverbands Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl, breitet in ihrem Büro die Detailpläne für den 1,6 Millionen Euro teuren Gewässerumbau aus. Die Hoffnung, dass die schon längere Zeit vorliegende Planung alsbald realisiert werden kann, hatte kürzlich die grüne Landtagsabgeordnete Beate Böhlen mit der Ankündigung genährt, dass 1,3 Millionen Euro aus dem Landesförderprogramm "Wasserwirtschaft und Altlasten" nach Bühl fließen werden.

Ganz sicher kann sich Walzok jedoch erst dann wähnen, wenn der ministerielle Förderbescheid aus Stuttgart im Bühler Rathaus vorliegt. Sodann sollen die Arbeiten unverzüglich öffentlich ausgeschrieben werden, kündigt sie an. Das Land kommt für etwa zwei Drittel der Kosten auf.

Ökologie und Optik verbinden

Mit dem Geld soll nicht nur die Bühlot unterhalb der Rathausbrücke für das nächste Jahrhunderthochwasser fit gemacht werden, der Zweckverband will im Gewässer und am Ufer auch etwas für die Ökologie und die Optik tun. So kündigt die Geschäftsführerin an, dass die neuen Ufermauern mit Nistmöglichkeiten für Wasseramsel und Gebirgsstelze versehen werden. Auf der Uferseite zur L83 hin ist eine Böschung mit fünf Bergahornbäumen geplant. Gegenüber, zum Platz hin, soll nach Abschluss der Bauarbeiten eine Magerwiese angelegt werden. Als Ruhezone für Fische ist am Ausbauende der nördlichen Ufermauer eine Vertiefung im Gewässer (Kolk) vorgesehen - auch dies eine landschaftspflegerische Maßnahme.

Gezählt sind die Tage des alten Stauwehrs aus der Zeit von 1948. Es gab einige Stimmen im Ort, das Relikt zu erhalten. Die Entscheidung, es aufzugeben, fiel letztlich im Ortschaftsrat und war nicht unumstritten. Das Bauwerk, das kein per Gesetz geschütztes Kulturdenkmal darstellt, wird zusammen mit dem 1,10 Meter hohen Absturz und der Fischtreppe abgebrochen. Errichtet wird eine Sohlengleite mit Blocksteinen wie am Hessensteg und am Oberen Mühlenweg, 27 Meter lang und mit flacher Neigung.

Nicht länger wird die Bühlot im Untergeschoss des früheren Sägewerks "verschwinden", wo die Kraft des Wassers einst die Maschinen antrieb. Viviane Walzok kündigt eine komplette Öffnung des Bachlaufs an, wenn das alte Gemäuer auf 48 Meter Länge beseitigt werde. Der in diesem Bereich ursprünglich angedachte Fußgängersteg zum Sträßchen "An der Bühlot" ist gestrichen.

Arbeitsgruppe ist gefordert

Der vordere Teil des Dorfplatzes zur "Bühler Seite" hin erhält eine Schotterdecke, sei somit multifunktional nutzbar, kündigt die Zweckverbands-Geschäftsführerin an. Wie der Platz letztlich ausgestaltet wird, darüber wird sich eine Arbeitsgruppe aus Altschweier im Zusammenhang mit dem vom Land geförderten Projekt "Schwerpunktgemeinde" befassen. "Wir werden das Thema Ende Sommer angehen", lässt der Ortsvorsteher wissen. Bis Ende 2020 müsse der Platz fertiggestellt sein, denn zu diesem Zeitpunkt laufe das Förderprogramm aus.

"Alle, die ein Interesse daran haben, sollen sagen, wie sie sich den Platz vorstellen." Manfred Müller schwebt eine Kombination vor, die weiterhin das Parken ermöglicht, aber auch eine Grünzone zum Verweilen bietet mit Sitzbänken, Spielgerät et cetera. Allerdings seien die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. "Auf einem Regenrückhaltebecken lassen sich halt keine großen Bäume pflanzen", so Müller. Und die größte Beeinträchtigung, der Verkehrslärm der L83, werde bleiben. Die Ufergestaltung des Zweckverbands bewertet der Ortsvorsteher jedoch als "richtig gute Sache", die auch optisch eine Aufwertung fürs Dorf bringe.

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