Senioren fühlen sich von der Stadt übergangen

Die 'Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum' wendet sich gegen die vorgesehene Versiegelung des Kifaz-Gartens. Foto: privat

Bühl (jo) - Die Menschen, die in der Seniorenwohnanlage St. Elisabeth in der Heidlauffstraße leben, verfolgen mit Unverständnis und Sorge die veränderte Entwicklung auf dem benachbarten Gelände des Kinder- und Familienzentrums (Kifaz). Sie wenden sich gegen den geplanten dreistöckigen Schulneubau, weil dieser die letzte Grünzone im Nahbereich zerstören würde. Zusammengeschlossen haben sie sich als "Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum".

Bislang sind die Eigentümer und Mieter davon ausgegangen, dass auf dem Nachbargrundstück entsprechend der Campus-Wettbewerbsplanung nicht mehr als ein eingeschossiger Pavillon für Mensa und Schülercafé entsteht. Mitte Mai segnete der Gemeinderat indes einen Vorentwurf des Stuttgarter Architekturbüros Plan7 ab, der vielmehr einen Neubau mit zwei zusätzlichen Obergeschossen für Klassenräume und Lernateliers vorsieht. Die Bewohner von St. Elisabeth fühlen sich übergangen. Doris Braszus vom Sprechergremium der Initiative sagte bei einer Pressekonferenz in der Wohnanlage: "Wir wünschen uns eine Bürgeranhörung, damit wir unsere Anliegen vortragen können." Gleiches wird auch in einem Brief an den OB eingefordert - und zwar vor einer Beschlussfassung der Pläne durch den Gemeinderat. In den Schreiben heißt es: "Unsere Anliegen als Anlieger und Eigentümer wurden nicht berücksichtigt."

"Wir versuchen zu vermeiden, was zu vermeiden geht", erklärte Wolfgang Flösser, einer der Wohnungseigentümer, das Ziel, die Bebauung gestalterisch so weit zurückzudrängen, dass noch eine grüne Kulisse erhalten bleibt. Man suche dazu das Gespräch mit der Stadt, an eine mögliche Klage im weiteren Verfahren denke man derzeit nicht.

Viele Wohnungen mit Balkonen sind auf die Seite zum Kifaz ausgerichtet, was ein Stück "Lebensqualität für den Lebensabend" darstellt. Die Bewohner erfreuen sich am alten Baumbestand, am Vogelgezwitscher und am Anblick von Kindern, die im Garten spielen. Jetzt drohe ein "Betonklotz" - drei Stockwerke hoch und fast unmittelbar an der Straße angrenzend.

Doris Braszus, die 93-jährige Sprecherin, ist entsetzt. Das propagierte Campus-Projekt stimme nicht mit dem "naturzerstörenden Bauvorhaben" überein, das die Stadtverwaltung jetzt plane. Zielstrebig mobilisierte sie Unterstützer für ihren Protest gegen dieses "undemokratische Vorgehen", wie sie es empfindet. Am 29. Juni gründete sich die Bürgerinitiative aus Anwohnern und Mitarbeitern angrenzender Betriebe. Wolfgang Flösser und Sieglinde Maier sind deren weitere Sprecher nebst Braszus.

Gegen das Bauvorhaben und für die Forderung einer Bürgeranhörung werden Unterschriften gesammelt. 75 seien es bislang, informierte Regina Sackmann. Die Unterstützerlisten sollen Oberbürgermeister Hubert Schnurr vor der Ratssitzung am 25. Juli übergeben werden, wenn das Bauvorhaben voraussichtlich auf der Tagesordnung steht. Die Vertreter der fünf Ratsfraktionen wurden bereits für heute in die Wohnanlage eingeladen.

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