Ein Ort der Trauer und des Trostes

Pfarrer Wolf-Dieter Geißler segnet die erweiterte Grabstätte für Regenbogenkinder.  Foto: Fischer

Bühl (efi) - "Von Euch wird eine Spur bleiben" steht auf dem Granitstein der Frühchengrabanlage auf dem Bühler Stadtfriedhof, der von zwei hohen Edelstahlsäulen flankiert wird. Gestern wurde die im Dezember 2013 angelegte Ruhestätte für Regenbogenkinder durch zwei Stelen erweitert und durch Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler gesegnet.

Der Initiator der Grabanlage, der FDP-Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende Lutz Jäckel, blickte auf deren Entstehungsgeschichte zurück. Der FDP-Stadtverband war 2013 angetreten, um verwaisten Eltern einen Ort für ihre Trauer zu geben. "Die Idee entstand nach einem Besuch von mir mit dem Technischen Ausschuss auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe", erinnerte sich Jäckel. Nach der Schließung der Bühler Geburtenstation finde das Projekt mittlerweile auch Unterstützung der Kliniken in Baden-Baden und Achern. "Das war nicht einfach", merkte der FDP-Stadtrat an. Er dankte insbesondere Pastoralreferent Heribert Scherer, Pfarrer Götz Häuser, der Künstlerin Eva Schniedertüns-Gornik, die die Anlage gestaltet hat, der Familie Mechler, der Stadt und Friedhofsverwaltung für die stets offenen Ohren sowie allen Förderern und Spendern des Projekts.

OB Hubert Schnurr stellte heraus, dass die vor fünf Jahren geschaffene Ruhestätte von betroffenen Eltern so stark angenommen werde, dass sie jetzt vergrößert werden musste. Er sagte allen Dank, die dazu beitragen, sie zu pflegen.

Die Stelen seien errichtet worden, um der Trauer, Wut, Verzweiflung und der Liebe einen Platz zu geben, sagte Kirchengemeinderätin Elien Rouw, die in Vertretung von Pfarrer Götz Häuser sprach. "Hier ist ein tastbarer, greifbarer Platz, wo Menschen, die diese Regenbogenkinder im Herzen tragen, hingehen können, innehalten können, vielleicht auch ihr Herz ausschütten können und vielleicht etwas spüren von diesem Gott, der diese Kinder und ihre Eltern in seiner Hand bergen möchte", sagte die Vorsorgeärztin für Säuglinge und Kleinkinder.

Mit den Worten "Das Leben geht weiter" verknüpfte Pfarrer Geißler die Symbolik der Stätte mit der "großen Trostbotschaft des Glaubens". Er erinnerte an die erbarmungslose Situation von Eltern, die sich auf ihr Kind gefreut haben und nach einer Totgeburt "im Nebel der Trauer und Verzweiflung" stünden. Es sei gut, dass es einen Ort für diese Trauer gebe, um "Kraft zu bekommen, das Leben weiterleben zu können", erklärte der katholische Geistliche. "Wir sind froh und dankbar, dass es diese Einrichtung gibt".

Die Frühchengrabstätte wirkt nicht nur durch den zentralen Stein, sondern auch durch die Anordnung verschiedener Elemente. Auf der Spitze des rund einen Meter hohen Pilasters ruht ein Würfel mit einem Regenbogensymbol. Auf ihm sitzt ein kleiner Teddybär. Gegenüber dem Granitstein steht eine gelbe Sitzbank. Von dort verläuft einige Meter ein bogenförmig mit Steinplatten befestigter Weg zu dem kunstvoll gestalteten Stein. Die Säulen links und rechts des Granitsockels sind mit Steinen bestückt, deren Mitte kreisrund ausgestanzt ist. Angehörige hinterlassen dort Engel- und Tierfiguren, Kleinkindsymbole und Lichter. Etwa alle drei Monate werden nach Erfahrungen von Lutz Jäckel und der Familie Mechler totgeborene Kinder bestattet.

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