"Hubsi" und "Jogi" ins Joch gelegt

'Hubsi' und 'Jogi' ins Joch gelegt

Bühl (wv) - "Drin im Saal und uff der Schtroß isch der Spaß der Narre riesegroß": Dies weissagte Georg Friedmann für die in diesem Moment von ihm gestartete Kampagne 2019. Der Vizezunftmeister der Narrhalla leitete - für ihn eine Premiere - am Samstag die Entmachtung der Zwetschgenstadtregierung ein. Weitere Premiere: Die Narrhalla Bühl 1826 ließ erstmals eine eigene Tanzgarde aufmarschieren.

Mit aufmunterndem Tschingbummundtrara hatte die Stadtkapelle Bühl, dirigiert von "Vizevize" Jürgen Held, den närrischen Lindwurm vom Johannes- zum Marktplatz geleitet. An dem von der Narrhalla federgeführten Sturm aufs Rathaus nahmen Abordnungen (fast) aller Bühler Fastnachtsvereine teil. Mit Geschick meisterten die Bühler Lichtputzer, die als Rosse die Kutsche zogen, den Slalom durch die Pollerbarriere des Marktplatzes. Die am Rathaus wartenden Stadtspitzen, Oberbürgermeister Hubert "Hubsi" Schnurr und Bürgermeister Wolfgang "Jogi" Jokerst, nahmen es mit Gelassenheit, dass Narrhalla-Schergen sie ins Joch legten.

Massen an Maskierten quollen in den zum Narrenhaus aufgewerteten Ratssaal des Gemeinderates. Moderator Friedmann hieß sie gereimt willkommen zur "bunten Fastnachtsschau im Friedrichsbau". Die Minis der Bühler Hexenzunft wirbelten durch den Saal. Ausgerechnet diese Jüngsten verkündeten: "Wir feiern schon so lange Fastnacht in Bühl." Von Hendrik Berger vorantrompetet, begeisterte die Bühler Hexenmusi mit einem phonstarken rhythmisch-melodischen Feuerwerk, das durch Balletteinlagen der Register auch optisch echt was hermachte.

Im Plädoyer für die Entmachtung von "Hubsi und Jogi" führte Friedmann dunkle Machenschaften und Ungeschicklichkeiten der Stadtverwaltung bei der Entfernung des Narrenbrunnens an. Doch die Fastnachter hätten die Wiedergeburt ihres Wahrzeichens erkämpft: "Nach langem Ringen und Zwingen können wir seit 11.11. wieder um den Narrenbrunnen springen!" Friedmann wandte sich an den OB: "Sollte ich den Stadtschlüssel nicht freiwillig bekommen, so wird er Dir ganz einfach weggenommen."

Zwangsmaßnahmen brauchte es nicht, aber eine Verteidigungsrede. Nach einem zweifach donnernden Helau (nach Protesten auf fünffach aufgestockt) tat "Hubsi", auch für "Jogi" sprechend, kund: "Au 2018 henn mir es Euch nit recht kinne mache. Wenn ,s nit so truurig wär', könnt merr driwwer lache. Der Jogi und ich schufte gern für unsere Stadt und henn's desdrumm no long nit satt. Trotzdem mache mir zwei mol gern ä kurze Paus', und überlasse Euch für d' Fastnacht gern unser Rathaus."

Die - vermutlich - seit 1826 erste Tanzgarde der Narrhalla legte bei ihrem Gardemarsch-Debüt eine flotte, gut abgezirkelte Sohle aufs Parkett, trainiert von Evelin Autenrieth. Das Jubiläum "22 Jahre Widdenunger Sondbachdeifel" beleuchtete deren Oberzunftmeister Christian Müller polyglott in Deutsch und Widdenungerisch, wünschte allen eine gute Kampagne: "Ob Sonne, Schnee oder Regen, die Fastnacht ist ein wahrer Segen!" Die "Danzenden Deifel" überbrachten poppig-knackige Jubiläumsgrüße. Dem fügte die "Blaue Garde" des "Feurio Vimbi" temperamentvoll die Erkenntnis hinzu: "Wir sind vom Leben gezeichnet, wir sind so schön kaputt." Kaputt wurde angesichts der Mädels als glatt gelogen enttarnt.

Sodann gab Friedmann den Start frei für den Sturm auf die städtischen Gläser. Für OA Schnurr (OA = Ober-Anzapfer) gab's kein Geeiere und kein Gemeiere mehr: Er trieb den Zapfhahn - wie siegbert-geölt - mit nur einem einzigen Hammerschlag ins Fass. Der Kampagneneröffnungsgerstensaft floss ungehemmt in Gläser und Kehlen.

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