Vimbucher wollen mitreden

Vimbucher wollen mitreden

Von Judith Feuerer

Bühl - Auf überwältigende Resonanz stieß am Mittwochabend die erstmalige Bürgerbeteiligung in Vimbuch. Über 180 Teilnehmer kamen in die Tullahalle, um "Vimbuch neu zu denken". Eine Zahl mit der weder Ortsvorsteher Manuel Royal noch Moderator Fridolin Koch vom Freiburger Verein "SPES Zukunftsmodelle" gerechnet hatten.

So mussten noch weitere Stühle aufgebaut werden. "Wir wollen mit voller Kraft voraus", machte Ortsvorsteher Royal gleich zu Beginn deutlich, dass die Mitwirkung der Bürger bei dem Prozess gefordert sei. "Wir wollen gemeinsam mit Ihnen an der Zukunft Vimbuchs arbeiten", verwies er darauf, dass die Veranstaltung deshalb keine "Präsentation beinhaltet und dann gemotzt werden kann". So einfach gehe es ab jetzt nicht mehr, "es beginnt heute eine neue Zeit". Die drei Ortschaftsräte Patric Kohler (CDU), Stefanie Stedry (SPD) und Frank Kistner (FW) resümierten zunächst die Hintergründe des Bürgerbeteiligungsprozesses. "Wir wollen das Schwarmwissen nutzen", erklärte Kohler, dass es für den Ortschaftsrat auch darum gehe zu erfahren, "ob unsere Gedanken auch Eure Gedanken sind". Mit Blick auf das frei werdende Feuerwehrgerätehaus und den leeren Bauhof bestünde in diesem Gebiet am Sandbach die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen.

Doch nicht nur die Meinung zu einem neuen Ortszentrum war gefragt, vielmehr wolle man auch wissen, was die Bürger über Verkehr, Wohnraum, das Miteinander im Ort und das kulturelle Angebot denken. "Das Dorfleben soll für alle Generationen attraktiv sein", verwies Stedry unter anderem auf die Notwendigkeit, dass ältere Menschen am vertrauten Wohnort bleiben können.

Um die Stärkung der Bestandsgrundlage der Vereine ging es Frank Kistner, der unter anderem daran erinnerte, dass Vimbuch keinen Festplatz besitzt. Sichtlich beeindruckt von der großen Zahl interessierter Vimbucher war Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der die Bedeutung der Bürgerbeteiligung betonte und sich für Vimbuch einen ähnlich erfolgreichen Verlauf wie in Altschweier, Eisental und Weitenung wünschte. 50 000 Euro sind für den Prozess und die ersten Planungen im Haushalt eingestellt.

Am Mittwoch ging es Fridolin Koch, der über den Verein SPES den Prozess begleitet, vor allem darum zu erfahren, warum sich die Vimbucher in ihrem Ort wohlfühlen und was sie brauchen, um sich auch künftig wohlzufühlen. Aufgeteilt in sechs Gruppen waren die Besucher aufgefordert, an Stellwänden dazu Rückmeldungen zu geben, die von Mitarbeitern der Stadtverwaltung aufgenommen wurden.

Die gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung, Kindergarten und Schule wurden ebenso genannt wie die Nähe zu Bühl, das intakte Vereinsleben, die gute Dorfgemeinschaft und die Nähe zur Natur. Noch wohler würden sich viele fühlen, wenn es weniger Verkehr und Lärm geben würde, der ÖPNV ausgebaut wird, der Hochwasserschutz verbessert, Grünanlagen stärker gepflegt und ein Begegnungszentrum für Jung und Alt geschaffen würden. Weiter gewünscht wurden eine Kneipe und Barrierefreiheit im Ort. Auch Hundekot und Krähenplage wurden thematisiert.

Differenzierter wurde in der zweiten größeren Runde gefragt. Dabei ging es um die Themen Verkehr/Mobilität sowie um altersgerechtes Leben/Attraktivität für Familien und um die Frage nach Begegnungsmöglichkeiten. Auch wenn es angesichts der zahlreichen Teilnehmer und der damit verbundenen Geräuschkulisse etwas schwierig war, wurde an den Wänden fleißig gearbeitet. Zum Thema altersgerechtes Wohnen klang immer wieder der Wunsch nach Barrierefreiheit an, nach Angeboten für Ältere sowie nach einem Mehrgenerationenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. Für Familien und junge Menschen wurden Themen wie Betreuung, Aufenthaltsplätze und bezahlbarer Wohnraum angesprochen.

Beim Thema Verkehr wurde über Verbesserungen im ÖPNV wie bessere Taktung, mehr Bushaltestellen und kostenlose Schülertransporte diskutiert. Die Teilnehmer wünschten sich auch beleuchtete Radwege, Sanierung von Wegen sowie vor allem verkehrsberuhigende Maßnahmen und Verkehrskontrollen.

Immer wieder zu vernehmen war der Wunsch nach einem Zentrum, in dem sich Vereine ebenso treffen können wie die Generationen zu Spielen und Austausch. Daneben wurde mehr Wertschätzung für das Ehrenamt gefordert. Abgefragt wurden aber nicht nur Wünsche, sondern auch, welchen Beitrag jeder einzelne leisten könne. Auch hier gab es viele Antworten: von Fahrgemeinschaften über Alltagshilfe leisten und Veranstaltungen besuchen bis hin zu aktivem Engagement in den Vereinen.

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