Zeit der Erholung für Leib und Seele

Zeit der Erholung für Leib und Seele

Von Edith Fischer

Bühl - "Wer die Kartage und das Osterfest bei uns in der Gemeinschaft verbringt, der erlebt eine Zeit der Erholung für Leib und Seele", ist Magdalena Glaser überzeugt. Als Leiterin des Gästehauses der Dominikanerinnen im Kloster Neusatzeck begleitet sie seit Jahren die zu Ostern angebotenen Freizeiten. Zwischen 15 und 20 Menschen kommen in der Regel von Mittwochabend bis Montagnachmittag zusammen, um gemeinsam das Fest der Auferstehung zu feiern und Kraft zu tanken für den Glauben und den Alltag. Glasers Erfahrung: "Sie reisen beseelt nach Hause."

Gastfreundschaft besitzt eine gewachsene Tradition bei den Dominikanerinnen. Seit über 120 Jahren heißt das Kloster hoch oben über Neusatz Gäste willkommen und bietet sich als Herberge, Seminar-, Tagungs- und Meditationsort an. Das Interesse, einen Kurzurlaub oder eine Auszeit dort zu verbringen, ist mit den Jahren gestiegen, berichtet Magdalena Glaser von knapp 4 000 Übernachtungen und rund 1 400 Gästen im Jahr.

Vor allem ältere Menschen über 65 finden Gefallen an den Osterfreizeiten, Alleinstehende wie Ehepaare. Immer wieder melden sich Stammgäste an, erzählt Schwester Maria Agnes, die gemeinsam mit dem Klosterspiritual Gabriel Maiwald und Magdalena Glaser die Teilnehmer an allen Tagen begleitet. Diese reisen aus ganz Deutschland an, mehrheitlich sind sie aber in Baden-Württemberg zuhause, hin und wieder kommen sie auch aus der Region. In einer Zeit, in der nicht mehr überall Oster-Gottesdienste gefeiert werden, entstehe bei Menschen ohne familiäres Umfeld das Bedürfnis, diese Zeit in Gemeinschaft zu verbringen und das Fest der Auferstehung zu feiern, mutmaßt Pfarrer Maiwald. "Es kommt vor, dass einige Teilnehmer nach der Freizeit die Kontakte weiterpflegen und sich Freundschaften entwickeln", hat Magdalena Glaser beobachtet. Dass die Gäste sich wohlfühlen, sei spürbar. Die tolle Aussichtslage des Klosters mit Kräuter- und Bibelgarten sowie die naturnahe Umgebung, die zu Wanderungen und Spaziergängen einlädt, würden ebenso dazu beitragen "wie die hervorragende Küche", schwärmt die Leiterin des Gästehauses.

Wer die Osterfreizeit mit Vollpension gebucht hat, erwartet ein mehrtägiges Programm mit unterschiedlichen Inhalten, das die Organisatoren als Angebot verstehen. "Die meisten Teilnehmer machen alles mit", erzählt Glaser. Sie würden die Zeit aber auch nutzen, um zur Ruhe zu kommen. Es besteht die Möglichkeit, an den Gottesdiensten und Gebeten der Schwesterngemeinschaft teilzunehmen. Vorträge, Filmvorführungen, kleine Ausflüge, das kreative Gestalten einer Osterkerze oder Zeiten der Stille und Meditation ergänzen den Tagesablauf, der um 7.30 Uhr mit dem Morgengebet beginnt.

Der Gründonnerstag dient der Einführung in "die heiligen drei Tage". Pfarrer Maiwald, seit Juli 2018 Spiritual des Klosters und Nachfolger von Dr. Udo Hildenbrand, erläutert am Nachmittag, wie das jüdische Paschafest gefeiert wird, bevor sich die Teilnehmer zum gemeinsamen Brotbacken treffen.

Der Karfreitag wird als "Zeit der Stille" verstanden. In der Klosterkirche St. Agnes wird gemeinsam der Kreuzweg gebetet, die Liturgie widmet sich dem Leiden und Sterben Christi. Besinnung und Meditation bestimmen weitgehend den Samstag, bevor in der Osternacht die Auferstehung gefeiert wird. "Aus Trauer wird Hoffnung und Freude", beschreibt Glaser die Botschaft, die auch symbolhaft ausgedrückt wird. Schwester Agnes dekoriert in der Nacht den Speisesaal. Die Gäste werden mit Blumen, besonderen Tischdecken, Servietten, gefärbten Ostereiern und einem üppigen Frühstück überrascht.

Selbst das Essen ist auf Ostern abgestimmt. Nach einem einfachen, fleischlosen Gericht am Freitag werden am Sonntag ein Festtagsessen und Torten serviert, zur Osteragape wird Sekt ausgeschenkt. Wer möchte, kann sich am Sonntagmittag einem gemeinsamen Spaziergang nach Maria Linden in Ottersweier anschließen.

Wenn die Gäste am Montag "beseelt" und entspannt das Gästehaus verlassen, haben sie die Tage gemeinsam und in harmonischer Atmosphäre "mit allen Sinnen erlebt", beschreibt Glaser das Hauptanliegen der österlichen Kloster-Freizeit.

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