Viele Baustellen im Waldhägenich

Viele Baustellen im Waldhägenich

Von Sarah Reith

Bühl - Im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Waldhägenich gibt es derzeit einige Baustellen - zumindest im übertragenen Sinne. Der Schutzgebietsbetreuer Joachim Doll hört auf. Es gibt noch keinen Nachfolger, die Steinkauzpopulation in dem Gebiet ist extrem gefährdet, und es gibt Probleme mit Vermüllung sowie unerlaubtem Pflanzensammeln.



Das Schutzgebiet war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates: Dieser sollte Kenntnis vom Geschäftsbericht 2018 der städtischen Naturschutzstiftung Waldhägenich nehmen. Schutzgebietsbetreuer Doll nahm an der Sitzung allerdings nicht teil - er habe derzeit Urlaub, hieß es auf Nachfrage von Verwaltungsseite. Wie aus dem schriftlich vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, wird Doll, der 25 Jahre lang Schutzgebietsbetreuer war, die Stiftung zum 31. März verlassen. Er habe gekündigt, bestätigte Stadtpressesprecher Matthias Buschert im BT-Gespräch. Warum er sich dazu entschieden habe und wo er künftig arbeiten werde, "wissen wir nicht". Die über die Naturschutzstiftung finanzierte Halbtagsstelle solle nachbesetzt werden. In welcher Form dies geschehe, sei noch offen. Natürlich sei das Ziel, dass der Nachfolger noch von Doll eingearbeitet werden könne. Ob dies gelinge, "hängt davon ab, wie schnell wir jemanden finden".

Die Situation löste im Gemeinderat Irritation aus. Es werde "höchste Zeit, die Stelle neu zu besetzen", kritisierte etwa Thomas Wäldele (GAL), der bedauerte, dass die Stadt keine Möglichkeit gefunden habe, Doll zu halten. Ähnlich äußerten sich auch Barbara Becker (SPD), Ludwig Löschner (GAL) und Yvonne Zick (Freie Wähler). Der Ranger habe sich sehr gut im Waldhägenich ausgekannt, dieses Wissen gehe nun verloren, wenn er niemanden mehr einarbeiten könne, so Zick. Georg Feuerer (CDU) und Lutz Jäckel (FDP) sprachen dem Abwesenden Dank für dessen Engagement aus. Auch Jäckel betonte, wie wichtig es sei, die Stelle zu besetzen und so auch die Führungen und andere Veranstaltungen im Gebiet (allein 2018 waren es 27) fortzusetzen.

Der bald fehlende Ranger ist allerdings nicht das einzige Problem, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. So bereitet die niedrige Steinkauzpopulation Sorgen. Eigentlich ist der nordöstliche Bereich des Waldhägenich ein Steinkauzgeb iet, das seit vielen Jahren vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Ranger gemeinsam betreut wird. Doch die Situation für den Vogel, von dem es im Gebiet ohnehin nicht mehr viele Exemplare gibt, verschlimmert sich stetig. Immer mehr alte, hochstämmige Obstbäume werden gefällt. Meist ist der Grund laut Bericht, dass sie "bei der Bewirtschaftung mit immer größeren Maschinen im Weg" sind. Der Steinkauz braucht die hohlen Stämme alter Bäume, um tagsüber zu ruhen und um zu brüten. Über die Jahre wurden im Gebiet etwa 30 Steinkauzröhren an geeigneten jüngeren Bäumen aufgehängt, im Dezember des Berichtsjahrs kamen nochmal zehn dazu. Dennoch ist der Bestand an Steinkäuzen "hochkritisch", wie es in dem Bericht heißt, zumal im vergangenen Winter ausgerechnet der Streuobstbaum, in dem im Sommer die einzige Brut stattgefunden hatte, gefällt wurde. Hinzu kommt, dass immer mehr Äcker zusammengelegt bewirtschaftet werden, weil die Landwirte einen hohen Kostendruck haben. Der Vogel benötigt aber eine kleinparzellierte Landschaft und hin und wieder Brachflächen, um immer Nahrung zu finden.

Auch ansonsten gibt es im Gebiet einige Probleme: freilaufende Hunde, Hundekottüten aus Plastik, die gefüllt in die Natur geworfen werden, anderer Müll, Grünschnittablagerungen. Und immer mehr Personen sammeln unerlaubt im Naturschutzgebiet Pflanzen. Barbara Becker zeigte sich im Gemeinderat fassungslos im Angesicht solcher Verhaltensweisen. "Wir haben hier ein Problem, das sollten wir angehen", forderte sie. Gerade vor diesem Hintergrund sei ein Ranger, der für Ordnung sorge, auch künftig dringend nötig.

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