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"Im Murgtal wird einmal mehr Automobilgeschichte geschrieben"
Visualisierung der Oberleitung für Lkw auf der B 462 in Höhe der Einfahrt Gaggenau-Ost. Der elektrifizierte Abschnitt in Höhe Ottenau geht bis zum Amalienbergparkplatz.  Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg
08.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - Auch nach der Vorstellung der Planungen für das Projekt "eWayBW" am Donnerstagabend im Gaggenauer Rathaus gibt es Skeptiker und Befürworter. Deutlich wurde dies bei den Beiträgen und Fragen nach den Ausführungen der Vertreter des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg.

Eine Frage, die von mehreren Skeptikern aufgeworfen worden war, konnte geklärt werden. Das Land übernimmt auf jeden Fall den Rückbau der Infrastruktur nach Abschluss der dreijährigen Pilotphase, sofern nicht ein Weiterbetrieb erfolgt. Das erklärte Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium und ständiger Vertreter von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Auf Kritik stießen unter anderem auch die Kosten in Höhe von 17,6 Millionen Euro für das Pilotprojekt. "Solche Konzepte kosten Geld. Falls die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, werden die uns die Bude einrennen", prognostizierte Lahl.

Marcel Zembrot vom Verkehrsministerium ging in seinem Vortrag und einer begleitenden Powerpoint-Präsentation schwerpunktmäßig auf Kritikpunkte und Fragen ein, die in der Gemeinderatssitzung im Juli aufgekommen waren.

Das ist doch der komplett falsche Ansatz!

Laut Zembrot sind treibhausgasarme oder -neutrale Antriebstechnologien bei schweren Nutzfahrzeugen dringend erforderlich. Die verschiedenen Ansätze bei den Herstellern seien noch nicht marktreif. "eWayBW" diene der ergebnisoffenen Evaluierung der Oberleitungs-Lkw unter realen Einsatzbedingungen.

Warum im Murgtal?

Die Spedition Fahrner in Kuppenheim hatte die B462 vorgeschlagen, weil es regelmäßigen Lkw-Verkehr zwischen den Papierfabriken in Obertsrot/Hilpertsau und dem Logistikzentrum in Kuppenheim gibt und große Mengen transportiert werden. Eine vergleichbare Strecke sei, so Zembrot, in Baden-Württemberg nicht zu finden gewesen. Auch bei Rückbau sei der erwartete Erkenntnisgewinn so hoch, dass die Wirtschaftlichkeit gegeben sei.

Was haben wir im Murgtal davon?

Das Murgtal wird Schaufenster für eine neue Mobilität. In Obertsrot verbessere sich die Lärmsituation auf jeden Fall.

Warum kein Planfeststellungsverfahren?

Für die Testphase sei dies aus verschiedenen Gründen nicht notwendig. Das Ministerium sagt zu, dass, sofern die Oberleitungen nach Ende des Pilotprojekts dauerhaft bestehen bleiben, ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird.

Wie wird die Maßnahme umgesetzt?

Die Ausschreibung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Vorgesehen sind fünf Bauabschnitte, passende Arbeiten sollen von zwei Kolonnen parallel ausgeführt werden. Alle Anschlussstellen würden dauerhaft zur Verfügung stehen. Verkehrskritische Arbeiten im Abschnitt bei Ottenau sollen in den Sommerferien ausgeführt werden, Vollsperrungen, wenn möglich, nur nachts erfolgen.

Nach Angaben von Zembrot wird die B462 die erste elektrifizierte Bundesstraße weltweit: "Im Murgtal wird einmal mehr Automobilgeschichte geschrieben." Die Bundesstraße sei "als Versuchsstrecke hochgradig geeignet". Er betonte, dass mit dem Forschungsprojekt keine zusätzlichen Lkw, sondern andere Lkw, leiser und schadstoffarm, unterwegs seien.

Auf eine Frage, ob denn Strom aus regenerativen Quellen verwendet wird, sagte Zembrot, dass nur diese Quelle sinnvoll sei. Falls der Strom aus Kohlekraftwerken komme, müsse das Projekt sofort eingestampft werden. Man werde den Strom unter anderem von den Stadtwerken Gaggenau beziehen.

Zum Thema Lärm meinten die Experten, dass es in Obertsrot garantiert Verbesserungen geben werde. Auf der Bundesstraße würden die Abrollgeräusche gleichbleiben. In Ottenau werde der Lärm an verschiedenen Stellen, auch im Ort, gemessen.

Im Rahmen des Pilotprojekts kämen fünf Lkw zum Einsatz. Dies reiche für die täglich 64 Umläufe aus. Sie hätten ein Gesamtgewicht von maximal 42 Tonnen.

Zu den laufenden Kosten konnten die Vertreter des Ministeriums nichts sagen, räumten aber ein: "Forschung wird nie wirtschaftlich sein."

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