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E-Mobilität sucht Schülerströme
E-Mobilität sucht Schülerströme
08.11.2018 - 07:13 Uhr
Von Stephan Juch

Gaggenau - Elektromobilität ist derzeit in aller Munde. An der Carl-Benz-Schule in Gaggenau ist das schon seit 2009 der Fall, als man im Rahmen von Schülerprojekten wie E-Tankstelle und E-Buggy künftige Entwicklungen aufgegriffen hatte. Viele weitere Aktivitäten in diese Richtung folgten, etwa das Motor-E-Cycle. Seit diesem Schuljahr gibt es einen Schulversuch zur Elektromobilität an der Fachschule für Technik - Kraftfahrzeugtechnik. Dieser läuft allerdings noch nicht so, wie man sich das vorgestellt hat.

Das betonte Landrat Jürgen Bäuerle in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schulen und Kultur. In dieser beschäftigten sich die Kreisräte mit dem aktuellen Sachstand. Seit dem Schuljahr 2018/19 werden in den beiden Jahrgangsstufen der Fachschule für Technik - Kraftfahrzeugtechnik mit je sieben Wochenstunden gezielt Inhalte zur Elektromobilität vermittelt. Dabei werden drei Pflichtstunden und vier Stunden aus dem Wahlpflichtfach zugunsten von Inhalten zur Elektromobilität umgewidmet. Dies findet in Abstimmung mit dem Kultusministerium statt.

Dessen Chefin Dr. Susanne Eisenmann versicherte bei einem Besuch an der Carl-Benz-Schule im September, dass das Land den Spielraum habe und auch nutzen werde, die Schule als Fachschule für Elektromobilität zu unterstützen. Schließlich werde damit ein Zukunftsprojekt betrieben, das zu denen gehöre, die Baden-Württemberg brauche, betonte die Kultusministerin.

Man benötige aber noch Zeit, um das Interesse am Projekt so richtig zu wecken, erklärte Landrat Bäuerle am Dienstag. Die Schülerzahlen, die das Bildungsangebot an der Carl-Benz-Schule bisher nutzen, lassen zu wünschen übrig. Laut Mitteilung des Schulträgers profitieren sie noch nicht von der Ausweitung des Unterrichts auf Inhalte zur Elektromobilität: Zum Schuljahr 2017/2018 starteten acht Schüler in der Eingangsklasse; im laufenden Schuljahr wird diese (trotz zunächst 17 Bewerbern) erneut nur von acht Schülern besucht. Gefordert ist eine Mindestschülerzahl von 16 in der Eingangsklasse. Um dies zu erreichen, wird die Eingangsklasse der Fachschule für Technik - Kraftfahrzeugtechnik derzeit gemeinsam mit den Schülern des ersten Jahrgangs der Fachschule für Technik - Maschinentechnik unterrichtet. Mit dieser schulorganisatorischen Maßnahme wird die Hoffnung verbunden, eine mögliche Beendigung des Schulversuchs zur Elektromobilität vermeiden zu können.

Jürgen Bäuerle zeigte sich im Ausschuss für Schulen und Kultur zuversichtlich: Er sei überzeugt davon, dass der Schulversuch noch einschlagen wird, nicht zuletzt wegen des steigenden Bedarfs für die Wartung und Reparatur von Elektrofahrzeugen. Diese Meinung vertrat auch Eisenmann bei ihrem Besuch, die deshalb auf einen zeitlichen Spielraum für das Erreichen der Mindestschülerzahl verwiesen hatte. Der Landrat hat bereits Gespräche mit größeren, im Landkreis Rastatt ansässigen Unternehmen geführt. Dabei habe sich gezeigt, dass das Thema Elektromobilität für die Industrie von großer Relevanz sei. Das notwendige Personal rekrutiere sich aber nahezu ausschließlich aus Ingenieuren und somit aus akademisch ausgebildeten Fachkräften.

Teilzeit-Bildungsgang: Ansatz wird eingestellt Bei großen Industrieunternehmen bestehe somit derzeit kein nennenswerter Bedarf an Absolventen der Fachschule für Technik. Daher wird der speziell auf die Beschäftigten von größeren Unternehmen ausgerichtete Ansatz, die Fachschule für Technik - Fahrzeugtechnik als dreijährigen Teilzeit-Bildungsgang anzubieten, nicht weiter verfolgt. Ein größerer Bedarf für eine Weiterbildung zum Techniker mit Fokus auf die Elektromobilität wird bei Kraftfahrzeugwerkstätten vermutet, weil der Anteil von E-Automobilen weiter zunehme. Zudem spielen laut Bäuerle im eher handwerklichen Umfeld hochschulische Qualifikationen keine so wesentliche Rolle wie in der Industrie.

Daher hat das Landratsamt Rastatt Kontakt mit der Innung des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes aufgenommen. Ziel sei es, auf das Bildungsangebot aufmerksam zu machen und bei Bedarf die Beschäftigten von Kfz-Werkstätten für eine Weiterbildung an der Fachschule für Technik - Kraftfahrzeugtechnik an der Carl-Benz-Schule in Gaggenau zu gewinnen.

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