Konzentration in Gernsbach geplant

Konzentration in Gernsbach geplant

Von Ulrich Jahn

Gaggenau/Gernsbach - Wer noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten und vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, wird von der Existenz vermutlich nichts wissen. In Gaggenau gibt es eine Außensprechstelle der Bewährungshilfe. Aber nicht mehr lange. Der Standort soll aufgegeben werden. Stattdessen will man sich im Murgtal auf Gernsbach konzentrieren.

Ein Grund dafür ist, dass in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Klienten landesweit gravierend zurückgegangen ist, auch im Amtsgerichtsbezirk Gernsbach. Dies erklärt Jörg Münch, Einrichtungsleiter der Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg (BGBW), Einrichtung Karlsruhe, auf BT-Anfrage. In Gernsbach verfügt man im Gebäude des Amtsgerichts über einen kleinen Raum. Spätestens bis Mitte 2019 komme ein weiterer Raum hinzu, so Münch. In diesem befand sich bis vor kurzem das Notariat.

Die BGBW sieht in diesem Standort einige Vorteile, insbesondere wegen der Nähe zum Amtsgericht und dem Richter. Für Gernsbach würde auch die gute Verbindung mit der Stadtbahn sprechen. Zudem sei man näher am hinteren Murgtal - auch wenn es dort vergleichsweise wenige Klienten gebe. Nur falls "triftige Gründe" dafür sprechen würden, sei es denkbar, vielleicht nach Gaggenau zurückzukehren, betont Münch. Ansonsten solle es bei der Außenstelle Gernsbach bleiben.

Die Bewährungshilfe orientiert sich am Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Baden-Baden. Dieser umfasst den Stadtkreis Baden-Baden, den Landkreis Rastatt und den Amtsgerichtsbezirk Achern. In der Kurstadt befindet sich auch die zentrale Außenstelle der BGBW mit kleineren Außensprechstellen in Rastatt, Durmersheim, Bühl, Achern, Gaggenau und Gernsbach. Schon wegen der räumlichen Nähe werden Gaggenau und Gernsbach zusammengefasst.

Richter: Entscheidung nicht sachgerecht

Auf wenig Gegenliebe stößt diese Fusion bei Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch. "Ich finde die Entscheidung nicht sachgerecht", sagt der Richter am Amtsgericht Gernsbach, der auch Vorsitzender des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege Baden-Baden/Rastatt ist. Die Außensprechstelle der Bewährungshilfe in Gaggenau bestehe seit Jahrzehnten. Bis 2015 war sie in der Hauptstraße 55 angesiedelt und wurde dann in die August-Schneider-Straße 4 verlegt. Dank der tatkräftigen Mithilfe von Oberbürgermeister Christof Florus sei es damals zum Abschluss eines Mietvertrags zwischen dem Bezirksverein für soziale Rechtspflege und der Stadt Gaggenau zu sehr günstigen Konditionen gekommen. Laut Koch werden in Gaggenau aktuell rund 50 Klienten von Bewährungshelfern an verschiedenen Sprechtagen betreut. Daneben seien ehrenamtliche Bewährungshelfer für weitere Klienten dort tätig.

Die Aufrechterhaltung des Sprechbetriebs in den Räumen des Amtsgerichts Gernsbach ist laut Koch für die Probanden "suboptimal" - das Gerichtsgebäude liegt am Ende des Stadtbuckels auf einem Berg. Ihm gehe es nicht nur um eine Hilfe für die Straffälligen, die regelmäßigen Kontakt zum Bewährungshelfer halten müssen, sondern auch um Erleichterungen für die Opfer von Straftaten, die für ein gesetzlich vorgesehenes "Täter-Opfer-Ausgleichsgespräch bisher nur zur Sprechstelle der Bewährungshilfe in Gaggenau kommen müssten.

Der Richter vermutet, dass sich der BGBW unter anderem an der Nähe der Außensprechstelle zu dem im selben Anwesen bestehenden örtlichen Sozialen Netzwerk, unter anderem "Bad Boyz Club" und "Sozialer Kraftsportverein", störe.

Dagegen verweist Jörg Münch darauf, dass es am Standort Gaggenau unter anderem keine EDV und somit keine Vernetzung in dem Büro gebe. Gespräche würden dort noch auf Papier dokumentiert und müssten später in den Rechner übertragen werden. Ansonsten seien unter anderem "interne Gründe" mit ein Grund für den Rückzug aus Gaggenau.

Richter Koch hofft, dass Oberbürgermeister Florus in der Angelegenheit etwas erreicht und die Außenstelle in Gaggenau, vielleicht in anderen Räumen, erhalten bleibt. Doch Jörg Münch sieht Gernsbach "nicht als Testlauf", sondern eher als Dauerlösung an.

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