Vom Barock in die Neuzeit

Vom Barock in die Neuzeit

Von Thomas Senger

Gaggenau - Eine Zeitreise vom dörflichen Barock in die urbane Neuzeit - auf einer Luftlinie von nur 1100 Metern oder in einer kleinen Radtour von zehn Minuten - die unternahmen Leser des Badischen Tagblatts im Rahmen der Aktion "BT öffnet Türen".

Genau genommen sind es mehr als "nur" rund zweihundert Jahre, die bei der Besichtigung der Kirchen St. Laurentius in Bad Rotenfels und St. Marien in Gaggenau durchmessen wurden. Denn das Wahrzeichen der heutigen Laurentiuskirche - 250 Jahre alt wurde sie im vergangenen Jahr - ist teilweise noch viel älter: Der viereckige untere Teil des Turms stammt noch aus dem Mittelalter. Dieses und noch mehr wusste Brigitte Heck den Teilnehmern anschaulich zu erläutern. Die neobarocken Altäre aus der Zeit um 1900 herum beschrieb sie ebenso verständlich wie die Legende um den Kirchenpatron Laurentius - dessen Todes- und Gedenktag übrigens der heutige 10. August ist.

Wie anders demgegenüber ist St. Marien. Keine Spur der barocken Pracht - und doch ist das Ensemble zwischen Bismarck- und Jahnstraße viel mehr als nur "kalter Beton", sondern zeugt von einer durchdachten Architektur, von wohlüberlegter Grundkonzeption und feinsinniger Symbolik. Andreas Merkel ging nicht nur auf die Vorgeschichte und das geistige Umfeld ein, die letztlich zur Weihe der Kirche 1968 führten, also vor fünfzig Jahren. Eloquent und fundiert erläuterte er die mathematischen Gestaltungsraster. Weder Bilder, noch barocke Selbstverliebtheiten sollen von der Konzentration auf den Glauben, auf die Selbstreflexion ablenken. Und doch spielt auch in St. Marien beispielsweise in der Gestaltung der Fenster und Türen die Farbgebung eine wichtige Rolle.

Ein Besuch des markanten Glockenturms und die grandiose Aussicht von dort über die Stadt bis weit in die Rheinebene hinein oder das Murgtal hinauf waren der Schlusspunkt der rund zweistündigen Leseraktion -bei der die kühle Erfrischung, die Elisabeth und Marcel Krämer im Innenhof von St. Marien bereithielten, gerne angenommen wurde.

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