Der Käsekuchen-König von Berlin

Der Käsekuchen-König von Berlin

Von Sabine Zoller

Berlin/Gernsbach - Thomas Neuendorff versteht sein Handwerk. Der Bäckermeister aus Berlin-Brandenburg hat ja schließlich den Feinschliff zum Handwerk bei Bäckermeister Eckard Häfele in Gernsbach erlernt.

Das war vor fast 30 Jahren. "Ich kam als junger Bursche nach Gern sbach in den Schwarzwald, weil mir die Bäckerei Häfele nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch noch kostengünstig ein kleines Haus als Wohnung zur Verfügung stellte", erinnert sich der erfolgreiche Unternehmer aus Berlin, der mittlerweile als Käsekuchen-König ein Sortiment von über 50 verschiedenen Käsekuchen-Variationen anbietet.

Der außergewöhnliche Käsekuchenbäcker legt nicht nur Wert auf ausgesuchte Zutaten und frische Eier aus seiner Region, sondern tüftelt auch gerne an ausgefallenen Rezepturen, die dann passend zur Beerenfrüchte-Saison etwa eine Himbeer-Champagner-Torte entstehen lassen. "Oftmals sind es Kundenwünsche, die mich zu neuen Kreationen inspirieren", erklärt der Käsekuchenspezialist, der nach einem Auftrag aus Saudi-Arabien die eigens dafür kreierte "Kasida"-Käsekuchentorte, gefüllt mit Pistazien und Datteln, ebenfalls in seinem Geschäft präsentiert - mit dem klingenden Namen "Dreikäsehoch". Kasida ist der arabische Ausdruck für "Gedicht". Und so ist es kaum verwunderlich, dass der eloquente Bäckermeister mittlerweile eine große Fangemeinde in und um Berlin herum mit seinen Käsetorten versorgt.

"Erfolg macht Laune", sagt Neuendorff und lacht. "Daher bin ich besonders stolz, dass mein 13-jähriger Sohn Nuri nun auch in meine Fußstapfen steigen und das Bäckerhandwerk erlernen will." Um seinem Sprössling mehr über seinen Werdegang und Wanderjahre im Schwarzwald zu zeigen, gab es im vergangenen Sommer eine Reise zum einstigen Arbeitgeber Häfele in Gernsbach.

Die Bäckerei blickt auf eine alte Familientradition zurück. Seit 1903 wird in der Schlossstraße gebacken - und das bereits in vierter Generation. Mittlerweile wacht Stefanie, die 27 Jahre junge Bäckermeisterin und Enkelin des verstorbenen Altmeisters, über die Rezepturen und fertigt nach wie vor das beliebte "Häfele Hausbrot", das aus 15 verschiedenen Saaten und Getreiden besteht. Mit Anita Häfele, der Inhaberin der Bäckerei, und ihrer Tochter Ulrike Stößer hat sich bis heute nichts am familiären Umfeld geändert - und daher war die Freude über den Besuch des einstigen Gesellen besonders groß.

Der beste "preußische Brezelbäcker"

Die gastfreundliche Art der Gernsbacher hat zudem dazu beigetragen, dass einst geschlossene Freundschaften bis heute bestehen. "Damals besuchten mich viele Freunde aus Brandenburg an der Murg. Heute hat sich das geändert und viele reisen aus dem Süden nach Berlin, um dort das ,Dreikäsehoch' zu besuchen", erklärt Neuendorff mit seiner unbekümmerten Art und dem preußischen Dialekt, der damals des Öfteren Dorfgespräch war. Gerne erinnert er sich an das Erlernen neuer Fertigkeiten - insbesondere an das berühmte "Brezel schlingen" per Hand. "Das Einschieben in den Ofen mit der in Lauge getauchten Brezel durch den Schlagschieber hat mich anfangs öfter ins Schwitzen gebracht. Aber der Altmeister stand beobachtend hinter mir und gab die passenden Anweisungen - und so war ich nach einer gewissen Lernphase sehr glücklich, das auch ohne fremde Hilfe zu beherrschen", erklärt Neuendorff nicht ohne Stolz. Und zeigt seinem Sohn vor dem Häfele-Ofen, dass er bis heute nichts verlernt hat.

Am Ende seiner Gernsbacher Zeit bescheinigte der "alte Häfele" dem Gesellen gar, der beste "preußische Brezelbäcker" zu sein. Dass ein Gebäck Emotionen weckt, beweist dieses Erlebnis auf ganz besondere Weise. Zwar gibt es heute bei Neuendorff in Berlin keine Brezeln, dafür aber hat er sich mit seinem Team von 60 Mitarbeitern auf Käsekuchen spezialisiert und einen Online-Shop für den Versand eröffnet, in dem vielleicht schon bald ein Schwarzwälder Käsekuchen zu finden sein wird.

zurück
1