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Zu 99 Prozent sicher zu sein, reicht nicht aus
14.09.2017 - 00:00 Uhr
Von Mirjam Hliza

Au am Rhein - Bernd Ernst sitzt auf seiner Terrasse in Au am Rhein, vor ihm steht der Laptop auf dem Tisch. "Pilzvergiftung in Frankfurt", liest er laut vor und klickt einen der vielen Artikel im Internet über die Vergiftung eines Vaters und seiner drei Kinder an. Alle haben sie den Grünen Knollenblätterpilz gegessen. Der ist hochgiftig. Ernst seufzt. "Wenn man einen Pilz isst, muss man sich zu 100 Prozent sicher sein, welcher es ist", betont er. Diesen Grundsatz, den der 68-Jährige auch selbst beherzigt, legt er stets anderen Sammlern nahe. Denn seit mehr als 30 Jahren arbeitet Ernst ehrenamtlich als Pilzberater.

Viel Wissen über Pilze stammt aus seinem Elternhaus. Sein Vater habe oft die "gängigen Pilze" gesammelt, erzählt er. Er habe ihn als Kind dabei begleitet, interessierte sich immer mehr für die Gewächse. Schließlich beschloss Ernst, Kurse an einer Pilzlehrschule in Hornberg im Schwarzwald zu belegen. Das war in den 80er Jahren. Dort legte er dann eine Prüfung ab, seitdem darf er als Pilzberater tätig sein.

"Die Prüfung war nicht leicht", resümiert Ernst. Sie gliederte sich in einen theoretischen Teil und in eine Pilzberatung. "Der Prüfer kommt dann mit einem Körbchen voller Pilze zu einem und fragt, was man davon essen kann. Und dann muss man die Giftpilze finden." Das seien allerdings solche, die man nicht so einfach erkennen könne.

In regelmäßigen Fortbildungen bringt sich der Pilzexperte seitdem auf den neuesten Stand. Doch alle Pilze - allein in Europa gibt es mehrere Tausend Arten - kennt auch der 68-Jährige nicht. "Man kann nicht jeden kennen", betont er. Und gerade deshalb gelte seine "Regel Nummer eins": "Einen Pilz, den man nicht kennt, den isst man nicht." Dabei reiche es nicht, sich zu 99 Prozent sicher zu sein. "Es müssen immer 100 Prozent sein."

Wenn sich Sammler unsicher sind, dann hilft Ernst weiter. Ein bisschen Ahnung sollte man aber trotzdem haben und keinen Korb voller Pilze, die einem unbekannt sind, vorbeibringen. Denn ein "Pilzsortierer" sei er nicht, sagt Ernst. Ohnehin kommt zu dem Experten meist Stammkundschaft - rund 20 Personen - die meist wisse, was sie aus dem Wald mitgenommen hat.

"Wichtig ist, dass die Pilze nicht abgeschnitten werden", unterstreicht der 68-Jährige. Stattdessen solle man sie ganz vorsichtig aus der Erde ziehen, um sie eindeutig identifizieren zu können. Das kann schließlich lebenswichtig sein, denn manche Exemplare sind so giftig, dass deren Verzehr tödlich ist. Einige wirken sich auf den Magen-Darm-Trakt aus, führen zu Erbrechen oder Durchfall. Andere haben Auswirkungen auf die Wahrnehmung. Der Grüne Knollenblätterpilz macht sich erst nach bis zu 24 Stunden bemerkbar, er vergiftet die Leber. Oft sei eine Lebertransplantation noch die einzige Möglichkeit, um zu überleben.

Besonders gefährlich ist das Pilzesammeln, wenn man nicht aus der Gegend kommt und nicht weiß, dass es dort giftige Doppelgänger gibt. Überhaupt empfiehlt Ernst, sich langsam an das Hobby ranzutasten. Selbst innerhalb einer Sorte könne es große Unterschiede geben, etwa bei der Farbe. Die Natur sei eben facettenreich. "Beginnen kann man zum Beispiel mit dem Röhrling. Über Pilzberater sollte man sich dann weiterbilden", rät Ernst. Jahr für Jahr könne man ein paar neue Sorten dazulernen.

Laien rät er davon ab, Pilze nur durch ein Buch oder durch eine App zu bestimmen. "Ich kenne keine App, die gut ist", bringt es Ernst auf den Punkt. Oft verstehe ein Laie nicht, was beispielsweise "freistehende Lamellen" bei einem Pilz seien. Wie also solle man da diese Fragen, die zur Bestimmung des Pilzes benötigt werden, richtig beantworten? Manche Bücher seien zwar für Anfänger gut, aber trotzdem solle man zusätzlich einen Pilzberater aufsuchen.

Ernst selbst besitzt ein ganzes Regal voller Bücher über Pilze. "Trotzdem sind darin nicht alle aufgelistet." Teilweise handelt es sich um Spezialbücher, die sehr teuer sind. Schließlich muss der Druck perfekt sein, und die Seiten aus hochwertigem Papier bestehen, damit man die Abbildungen richtig erkennt. Früher hat er die Pilze zudem unter dem Mikroskop bestimmt. Manchmal Tag und Nacht, bis er wusste, wie das Exemplar hieß.

Über seltene Sorten freut sich Ernst heute noch. Denn auch er sammelt Pilze. "Aber nur ein paar Ausgesuchte", verrät er. Oft sei er im Wald, suche Pilze, lasse sie dann aber stehen und gehe mit leeren Taschen nach Hause.

Im Vergleich zu früher ist es mittlerweile recht voll im Wald. "Die Zahl der Pilzsuchenden hat gewaltig zugenommen." Der 68-Jährige sieht das mit gemischten Gefühlen. Denn nicht alle Waldbesucher verhalten sich so, wie man sich das wünschen würde. Pilze gehören zum Wald, appelliert Ernst an Sammler, giftige oder ihnen unbekannte Exemplare nicht einfach niederzutreten. Denn alle Pilze haben eine Funktion im Wald, leben in Symbiose mit Bäumen und gehören zur Natur.

Bernd Ernst ist erreichbar unter (07245) 4789. Wer grundlegende Infos über Pilze sucht, kann sich den Leitfaden von Horst Krisch, einem Bekannten von Ernst durchlesen. Er ist vor allem für Anfänger hilfreich.

pilztag.de/Downloads/ Horst_Krisch_Faszination_ Pilze.pdf

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