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Jugend politisch aktiv
Im Plenum treten die Jugendlichen mit den Landtagsabgeordneten ins Gespräch und stimmen für oder gegen bestimmte Thesen. Foto: LRA
14.11.2017 - 00:00 Uhr
Rastatt (for) - Rund 150 Schüler aus elf Gemeinschafts-, Real- und Werkrealschulen im Landkreis Rastatt hatten bei der gestrigen Jugendkonferenz im Rahmen der landesweiten Aktion "Was uns bewegt" die Gelegenheit, sich mit Politik auseinanderzusetzen. Im Kreistagssaal des Landratsamts konnten die Jugendlichen ihre Anliegen im Plenum vortragen und mit den Landtagsabgeordneten darüber diskutieren.


Nach der Premiere im November 2014 organisierte das Kreisjugendamt nun die zweite Jugendkonferenz. Unter der Moderation von Kai Vorberg hatten Schüler zwischen 14 und 17 Jahren die Chance, ihre Wünsche vor den Landtagsabgeordneten Sylvia Felder (CDU), Tobias Wald (CDU), Thomas Hentschel (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Landrat Jürgen Bäuerle darzulegen und mit ihnen ins Gespräch zu treten. In mehrere Workshops eingeteilt, erarbeiteten sie zunächst Thesen zu "Gesellschaft", "Schule", "Jugend und Politik", "Umwelt und Verkehr" sowie "Freizeit und Medien". Unterstützt wurden die Gruppen durch jeweils einen Abgeordneten, mit dem sich die Jugendlichen austauschen konnten. Am Mittag versammelten sich alle Beteiligten, um im Plenum ihre Anliegen vorzutragen.

"Intoleranz durch Unwissenheit" lautete die These der ersten Gruppe zum Themenbereich "Gesellschaft". Die Jugendlichen bezogen sich dabei auf die ihrer Meinung nach oft negativen Einstellungen zu Flüchtlingen und dem Islam. Das Problem sei, dass viele Menschen einfach zu wenig oder falsch über diese Themen informiert seien.

Sie forderten außerdem höhere Löhne in sozialen Berufen. Die Arbeit von Altenpflegern, Krankenschwestern oder Erziehern sollte mehr wertgeschätzt werden.

Im Bereich "Schule" wurde der Wunsch nach mehr Unterstützung bei Alltagsfragen und praktischen Dingen laut. Das Schreiben von Bewerbungen, Steuerberechnungen oder die Regelung von Brutto und Netto würden im Unterricht zu kurz kommen.

Auch die Digitalisierung von Schulen war ein heißes Thema in der Diskussionsrunde. Wichtig sei, bei Schulen zu differenzieren, so Felder. "Grundschüler sollen auch zukünftig mit Büchern in Kontakt treten", erwiderte sie in Bezug auf den Wunsch, überall Tablets einzuführen.

Als "ausbaufähig" bezeichnete die Gruppe für "Umwelt und Verkehr" das öffentliche Verkehrsnetz. Demnach müssten die Fahrzeiten vor allem in den ländlichen Gebieten nutzerfreundlicher gestaltet werden. Das Problem von Zugverspätungen und überfüllten Bussen kennt auch Bäuerle. Seiner Meinung nach ist der Landkreis im Vergleich zu anderen Regionen aber relativ gut ausgestattet. In Bezug auf den Umweltschutz betonte Felder, dass nicht nur die Politik, sondern jeder Einzelne dafür verantwortlich sei. So müsse für eine kurze Strecke nicht unbedingt ein motorisiertes Fortbewegungsmittel genutzt werden. Dieser Meinung ist auch Hentschel, der Umweltschutz als großes, übergreifendes Zukunftsthema ansieht.

Ein großes Problem ist für viele Jugendliche die oft komplizierte Art und Weise, wie Politik dargestellt wird. Unverständlichkeit führe zu Desinteresse. Durch kurze Videos in einfacher und verständlicher Sprache könnte dem entgegengewirkt werden.

Landrat Jürgen Bäuerle rief in diesem Zusammenhang zur politischen Beteiligung auf. Nur darauf zu warten, bis Informationen zu einem gelangen, sei der falsche Weg. Deshalb legte er zum Abschluss jedem ans Herz, auch selbst die Offensive zu ergreifen, beispielsweise durch das Lesen von Zeitungen oder den Besuch von Gemeinderatssitzungen.

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