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Riesenpuzzle vom Kostüm bis zur Nilpferdgarage
25.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Die Fieberkurve steigt, die Liste der vielen Dinge, die abgearbeitet werden müssen, ist lang, die Arbeitstage noch länger: Die Vorbereitungen für das Jubiläums-tête-à-tête in Rastatt sind längst in der heißen Phase angelangt: Kommenden Dienstagabend, 29. Mai, wird Deutschlands größtes Straßentheaterfestival zum 13. Mal eröffnet - fast auf den Tag genau 25 Jahre nach der Erstauflage 1993.

Sechs Abende und fünf Tage lang soll es die Barockstadt wieder verzaubern und in eine faszinierende Bühne verwandeln. Angesichts von 46 professionellen Künstlergruppen aus 16 Nationen, die 270 Shows im Gepäck haben - davon 16 Premieren -, also wieder ein "Riesenpuzzle", das es zusammenzusetzen gilt, wie es die künstlerischen Leiterinnen Kathrin Bahr und Julia von Wild nennen. Erst mal die Festivalzusammenstellung - die mit Erstellen des Programmhefts im März abgeschlossen war -, nun die organisatorische und produktionstechnische Umsetzung. Das fängt mit den Spielortaufbauten an und hört mit dem Künstlercatering noch lange nicht auf.

Die Anlieferung der benötigten Technik zu bestimmten Zeitpunkten koordinieren, klären, wer die Garderoben vor Ort einrichtet, viele Kisten mit Material für die einzelnen Spielstätten packen, Schichtpläne für die Helfer erstellen, darauf achten, dass manche Künstlerklamotten, die zwischen den Vorstellungen gewaschen werden, nicht in den Trockner dürfen, eine Skype-Schaltung zur Vorbesprechung für die Fachtagung im Rahmen des Festivals einrichten und, und, und - und wo bitte soll das fünf Meter lange, zwei Meter hohe und zwei Meter breite Nilpferd des Teatro Pavana "übernachten", das von Donnerstag bis Samstag vom Marktplatz aus die Stadt erkundet? In einer Garage der Pfarrei findet die Konstruktion Platz.

Viel Detailarbeit ist gefragt. In der Badner Halle, die das Festivalbüro beheimatet sowie Verteil- und Schaltzentrale ist, finden derzeit daher jeden Vormittag einstündige Teamsitzungen statt, in der Bahr und von Wild mit der organisatorischen Festivalleiterin Christina Hernold, dem technischen Leiter Martin Koch, Frank Schober und Daniel Rollko (städtischer Eigenbetrieb Kultur & Veranstaltungen) anstehende Aufgaben besprechen.

Am 1. Mai haben die beiden Bremerinnen Logis in Rastatt bezogen, seither läuft der Endspurt. Auch wenn der zum großen Teil nun das Abarbeiten umfasst, nachdem das "Sahnestück" - eben die Programmzusammenstellung - gegessen ist: "Das macht schon Spaß, jetzt alle auf Betriebstemperatur zu bringen", sagen die Festivalmacherinnen - und stellen eine "wunderbare Stimmung" fest. Auch die Zusammenarbeit mit dem Förderverein laufe nach den jüngsten Irritationen (wieder) im Sinne des Festivals.

Jedenfalls: "Der Adrenalinspiegel steigt" - und dieses Mal hilft Bahr und von Wild bei der Zusammensetzung des großen Puzzles ihre Erfahrung aus dem Jahr 2016, in dem sie als Nachfolgerinnen von Charlie Bick zum ersten Mal das tête-à-tête konzipiert hatten. Das heißt: Schon bei der Ideensammlung für dieses Jahr hatten sie die möglichen Spielorte genau im Kopf. Stelzenläufer, die Weite brauchen - da bietet sich der Schlosspark an. Eine Gruppe, die einen Ort mit "industriellem Charme" sucht (Collectif Agonie du Palmier) - warum nicht die Franz-Brauerei? Deren Gelände wird nun erstmals als Stätte fürs Straßentheater genutzt. "Wir sind auch durch die Stadt gelaufen, um uns die Sonnenstände anzuschauen", berichten die künstlerischen Festivalleiterinnen. Wann steht sie wie? Es geht darum, dass weder Künstler noch Besucher direkt in die gleißende Feuerkugel schauen müssen.

Haben die Festivalmacherinnen eigentlich eigene Favoriten? Ja, und da sind neben spektakulären Abendshows durchaus leisere Momente im Tagesprogramm dabei, etwa die drei Künstlerinnen von "Cie Mesdemoiselles", die poetische Artistik mit den Zyklen des Lebens - Geburt, Leben und Tod - verbinden. Oder die interaktiven Stücke, bei denen das Publikum zum Mitmachen aufgefordert ist. Ebenfalls neu: Nachdem Murg- und Schlosspark 2016 so gut als Spielorte angenommen worden sind, wird es dort nun neben dem Markt- und Paradeplatz auch gastronomische Angebote geben.

Wenn das Festival dann läuft, werden allein hinter den Kulissen mehr als 150 Menschen dafür im Einsatz sein. Nach den jüngsten Aufrufen hat man inzwischen auch genügend freiwillige Helfer beisammen, berichten Bahr und von Wild. Dann müssen viele Rädchen ineinander greifen - und von der ganzen Arbeit im Hintergrund soll wieder kaum etwas zu sehen sein. Fürs Publikum unbeschwert sollen teils preisgekrönte Theater-, Tanz- und Zirkusproduktionen, darunter auch Premieren, ablaufen, große und kleine, laute und poetische Momente kreiert werden.

Und wenn am 3. Juni der letzte Vorhang gefallen ist? Dann ist nach dem tête-à-tête wieder vor dem tête-à-tête. Noch im Juni fahren Kathrin Bahr und Julia von Wild zu einem Festival nach Frankreich, um sich Gruppen für 2020 in Rastatt anzuschauen.

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