"Diese Dimension ist für uns neu"
13.06.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt/Kuppenheim/Muggensturm (ema/hli) - Bei dem am Montagnachmittag einsetzenden heftigen Unwetter im Raum Rastatt waren Rettungskräfte bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags im Dauereinsatz. Nach Angaben von Kreisbrandmeister Heiko Schäfer lagen die Schwerpunkte in Rastatt, Kuppenheim und Muggensturm. Die Gesamtzahl der Einsatzstellen im Landkreis dürfte bei rund 500 liegen, so die erste Bilanz. Laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) sind im Bereich Rastatt innerhalb weniger Stunden fast 67 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. "Diese Dimension war für uns neu", urteilt der Kreisbrandmeister.

Durch den sintflutartigen Regen kam es ab Montagnachmittag zu Überflutungen von Straßen, Kellern, Tiefgaragen und weiteren Einrichtungen. Kleinere Wasserläufe traten über die Ufer und sorgten ebenfalls für Überflutungen. Durch die Wassermassen kam der Verkehr teilweise zum Erliegen - in Rastatt vor allem in der Rauentaler Straße, im Berliner Ring, in der Jahnallee und im Bereich der Finkenstraße.

Aufgrund der immensen Zahl an Einsatzstellen hatten die Gemeindefeuerwehren vereinzelt Überlandhilfe aus den benachbarten Kommunen sowie das Technische Hilfswerk (THW) Rastatt angefordert. Bei keinem der Einsätze waren Verletzte zu beklagen.

Allein in Rastatt wurden rund 300 Notfälle gemeldet. Alle Feuerwehr-Abteilungen waren ab 16 Uhr mit rund 100 Kräften und 20 Fahrzeugen im Einsatz. In der Unterführung in der Rauentaler Straße standen mehrere Autos bis zum Dach im Wasser. Eines davon, ein Maserati, konnte wegen des blockierenden Automatikgetriebes zunächst nicht geborgen werden. Die jeweiligen Fahrer konnten sich selbstständig aus ihren Autos befreien.

Zahlreiche Keller, die bis zu 70 Zentimeter unter Wasser standen, mussten ausgepumpt werden. Teilweise schwammen Öltanks durch die Wassermassen. Eine übergelaufene Regentonne auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses im Josef-von-Eichendorff-Weg in Rastatt war die Ursache dafür, dass mehrere Wohnungen unter Wasser standen. Die Regenmenge verteilte sich auf der Veranda und stieg so weit auf, dass sie in die Öffnung einer Abluftanlage floss. Das Wasser wurde durch das Abluftsystem verteilt und sorgte für fünf nasse Wohnungen. In der Gleiwitzer Straße kam es zu einem Kellerbrand. Eine Tiefgarage in der Wallstraße, die 1,70 Meter unter Wasser stand, musste von zwei Seiten abgepumpt werden.

"Die Schäden sind gewaltig", sagte Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler gestern Morgen, nachdem über die ganze Nacht mehr als 100 Einsatzkräfte an 90 Stellen unterwegs waren. "Selbst erfahrene Feuerwehrleute haben so etwas noch nie erlebt", sagte der Verwaltungschef. Als Hausherr musste Mußler sogar im Rathaus erleben, wie förmlich "Sturzbäche" ins Obergeschoss des Gebäudes hineinbrachen. Der Bürgermeister spricht von einer "Fehlkonstruktion im Wasserablauf"; mehrere Ämter sind lahmgelegt. Auch das Cuppamare ist betroffen; es bleibt bis einschließlich Freitag geschlossen (siehe "Zum Thema").

Wie schon am vergangenen Samstag traf das Unwetter erneut Muggensturm. Und wieder stand die Hauptstraße kniehoch unter Wasser, Anwohner mussten sich um vollgelaufene Keller kümmern. Besonders schlimm traf es die Albert-Schweitzer-Schule, die von rund 100 Werkrealschülern und 200 Grundschülern besucht wird. "Das Wasser ist durch das Dach ins Gebäude eingedrungen", berichtete Muggensturms Hauptamtsleiter Claus Gerstner. Von dort lief das Wasser bis in den Keller, wo auch der Serverraum untergebracht ist. Rektor Johannes Hermann sprach von Wasser, das die Treppenhäuser hinabgelaufen sei und abgehängten Decken, die "herunter kamen". Aus diesem Grund entschied man sich dafür, dass die Schule gestern geschlossen blieb. Heute sollte sie - je nach Wetterlage - wieder geöffnet werden. Bereits am Samstag sowie auch am Montag hatten viele Eltern in der Schule mit angepackt, zeigte sich Rektor Hermann dankbar.

Am späten Montagabend musste die Feuerwehr Bietigheim zu einem überfluteten Asphaltwerk an der B3 ausrücken. Dieses stand ein Meter unter Wasser, und es drohten Teile der Betriebsanlagen (Kraftstofftanks, Trafostationen) überflutet zu werden beziehungsweise aufzuschwimmen. Wegen der Wassermengen war auch hier die Unterstützung umliegender Gemeindefeuerwehren (unter anderem Karlsruhe) erforderlich. Bis 3.30 Uhr dauerte der Einsatz.

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