Digitale Jugend schätzt Begegnungen
Bei der Messe darf auch schweres Gerät ausprobiert werden.  Foto: fuv/av
14.06.2018 - 06:25 Uhr
Rastatt (mak) - Der "Messe-Klassiker" in der Barockstadt, die Ausbildungsmesse Mittelbaden, erfreut sich auch nach fast zwei Jahrzehnten einer anhaltend hohen Nachfrage, wie Ulrich Kistner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rastatt-Gernsbach, beim Pressegespräch verdeutlichte. Zur 19. Auflage am Freitag, 13. Juli, 8 bis 16 Uhr, haben sich 62 Betriebe aus der Region angemeldet. Aufgrund des Platzmangels habe man 25 Firmen absagen müssen, so Kistner.

Die hohe Nachfrage nach Standplätzen spiegele den wachsenden Fachkräftemangel in der Region wider, führte Claus-Peter Hönig vom Rastatter AOK-Kundencenter weiter aus. Die AOK Mittlerer Oberrhein ist neben der Sparkasse Veranstalter der Messe. Hönig ist von Anfang dabei und kann sich noch gut an die Jahre erinnern, in denen nach Unternehmen gesucht wurde, die sich beteiligen. Mittlerweile hat sich die Lage genau umgekehrt. "Wir haben im laufenden Jahr noch über 600 freie Ausbildungsplätze in der Region", verdeutlicht Hönig. Die wirtschaftsstarke Region weise viele attraktive Ausbildungsplätze auf, bei der Messe in der Badner Halle werden mehr als 160 Berufsbilder präsentiert. 42 Firmen bieten zudem Praktika an. Die Firmen, die keinen Standplatz für die Messe bekommen haben, können ihre Ausbildungsplätze am Stand der Jobbörse bewerben, erklärte Hönig. Er habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass die zunehmend von digitalen Medien geprägten Jugendlichen die direkte Begegnung bei der Messe schätzten.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Ausbildungsmesse sei "der Schulterschluss mit den Schulen", hob Kistner hervor. Vormittags kommen die Siebt- bis Neuntklässler im Klassenverband, nachmittags häufig dann ein zweites Mal mit den Eltern. Der Besuch der Messe sei eine schulische Veranstaltung, die einzelnen Schulen strengten sich im Hinblick auf die Berufsbildung an. "Aufgrund des demografischen Wandels habe ich vor einigen Jahren damit gerechnet, dass die Besucherzahlen nach unten gehen, doch sie bleiben stabil bei etwa 2000", berichtet Kistner. Die Sparkasse halte eigens einen Ausbildungsplatz frei, um im Rahmen der Messe auch "Spätzündern" eine Chance zu geben.

Harald Röcker, Geschäftsführer der AOK Mittlerer Oberrhein, betonte: "Das Internet ist eine Möglichkeit, sich zu informieren. Aber die jungen Leute wollen auch sehen und erleben, was der Beruf mit sich bringt."

Auch die bei der Messe vermittelten Praktika seien wichtig für die Berufsentscheidung. Die duale Ausbildung sei ein Erfolgskonzept, um das Deutschland von vielen Ländern beneidet werde.

Das Handwerk habe nach wie vor goldenen Boden, unterstrichen Röcker und Kistner. Viele Handwerksbetriebe suchten dringend Auszubildende, man müsse sich überlegen, wie man künftig einzelne Berufsbilder mehr in den Vordergrund stellen könnte. "Eine handwerkliche Ausbildung hängt aber auch von der Akzeptanz seitens der Eltern ab", gab Röcker zu bedenken, der auf die "hervorragenden Weiterbildungsmöglichkeiten" im Handwerk hinwies.

www.ausbildungsmessemittelbaden.de

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