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"Fellwechsel": Pelze aus heimischer Jagd
03.07.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (dpa/red) - Pelz tragen und Tierleid verhindern, geht das zusammen? Ja, sagen die Initiatoren eines bundesweiten Projekts namens "Fellwechsel" in Rastatt. Auf keinen Fall, sind Tierschützer überzeugt.

Über dem Metalltisch baumelt eine Druckluftpistole, die beim Fellabziehen helfen soll. Ein Wetzstab zum Messerschärfen und ein sogenanntes Gekrösemesser mit abgerundeter Spitze liegen bereit.

"Damit man ein Tier aufschneiden kann, ohne Organe wie Magen oder Darm zu verletzen", erklärt Frederik Daniels, Leiter der Abbalgstation in Rastatt, wo Tieren - vereinfacht gesagt - das Fell über die Ohren gezogen wird. Um Fell und Pelz geht es bei "Fellwechsel", einem Projekt zur Nutzung von Fell aus heimischer Jagd.

Jäger aus ganz Deutschland geben dafür seit Monaten erlegte Tiere in mehr als 260 Abgabestellen bundesweit gegen ein Entgelt ab. Von dort kommen die Kadaver von Stein- und Baummardern, Füchsen, Waschbären, Bisams und Nutrias tiefgefroren in die neu errichteten Raumcontainer beim Rastatter Klärwerk, die jetzt ihren Betrieb aufnimmt.

Die Felle sollen an deutsche Gerber und Kürschner geliefert werden, die daraus Kissen, Kragen, Jacken mit Fellfutter oder Taschen fertigen. "Es ist ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV), der das Projekt mit initiiert hat. "Fell aus heimischer Jagd wird bei uns verarbeitet - kein Fell aus Massentierhaltung, kein Tier aus Qualhaltung." Bisher landete das Fell erlegter Tiere meist im Müll.

Langfristig wollen die Betreiber rund hundert Tieren pro Tag das Fell über die Ohren ziehen und auf den Markt bringen. "Ab rund 7000 bis 10000 Fellen pro Jahr rechnet sich das", sagt Daniels.

Das Geld für die Fellwechsel GmbH, eine Tochtergesellschaft des Jagdverbands, soll aus Auktionen kommen, bei denen die Felle an Pelzhändler versteigert werden. Viel verspricht sich Daniels auch von eigener Vermarktung: "Fellwechsel"-Artikel sollen über den Online-Shop des DJV verkauft werden.

Ein Kunde der Abbalgstation ist die Blaser Jagdwaffen GmbH aus Isny im Allgäu. Sie verzichtet eigenen Angaben zufolge bewusst auf Importfelle und bietet im Herbst drei Jackenmodelle mit Pelz aus Rastatt an.

"Eine sinnvolle und nachhaltige Verwendung natürlicher Ressourcen ist uns ein Anliegen", sagt Blaser-Outfits-Chefin Simone Schmidt.

"Bislang wurden nur etwa zehn Prozent der Felle von Tieren aus der Jagd nachhaltig genutzt", sagt DJV-Sprecher Reinwald. "Diesen Anteil wollten wir deutlich steigern." Käufer von Pelzprodukten sollen dank "Fellwechsel" ein gutes oder zumindest besseres Gefühl haben als beim Erwerb von Billigpelzen.

Tierschützer haben wenig Verständnis. Der Deutsche Tierschutzbund stehe dem Vorhaben ablehnend gegenüber, sagt Sprecherin Lea Schmitz. Die Jagd an sich füge Tieren schon unnötiges Leid zu. Zudem seien sogenannte Ökopelze "letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere". Denn auch für diese Pelze müssten Tiere sterben. Außerdem würden etwa beim Gerben keinesfalls nur natürliche Stoffe eingesetzt.

Immerhin stammen in deutschen Wäldern erlegte Tiere aus freier Wildbahn und nicht aus Pelzfarmen in Ländern wie China oder Polen. Könnte "Fellwechsel" nicht helfen, den Verbrauch mit großem Tierleid erkaufter Pelze zu verringern? Der Deutsche Tierschutzbund bezweifelt das. Die meisten Kunden griffen weiter zu den günstigen Jacken mit Echtfellkragen oder Mützen mit Echtfellbommeln aus China und nicht zur teureren Jacke mit echtem Fuchsfell aus heimischen Gefilden, ist Sprecherin Schmitz überzeugt.

"Solange Verbraucher sich auf Billigware stürzen, hat Fell aus nachhaltiger Haltung keine Chance", sagt auch DJV-Verbandssprecher Reinwald. "Fellprodukte von ,Fellwechsel' werden keine Massenware werden."

www.fellwechsel.org

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