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Rastatt führt "Familienkarte plus" ein
Vergünstigungen und Gutscheinmarken sollen bei der Erfüllung von Kinderwünschen helfen.  Foto: dpa
19.07.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (dm) - Rastatt führt eine "Familienkarte plus" ein und gibt sich damit de facto einen Kinderpass, der jungen Menschen aus einkommensschwachen sowie kinderreichen Familien Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern soll. Als Ziel wird ferner definiert, eine Sozialregion Mittelbaden zu errichten, innerhalb derer Städte und Kommunen Kinderpässe gegenseitig anerkennen, damit die Zielgruppe Angebote im gesamten Raum nutzen kann.

Dass das Thema auf die Tagesordnung der städtischen Gremien kam, ist der SPD-Fraktion zu verdanken, wie Ratskollegen im Vorfeld des Beschlusses anerkannten. Auch wenn man sich über das Ziel an sich im Prinzip einig war, wurde leidenschaftlich debattiert: Ausgerechnet Kinderpass-Initiatorin Sybille Kirchner stimmte wie Fraktionskollege Michael Weck gegen die "Familienkarte plus", die ansonsten bei einer Enthaltung von Laura Bader (ebenfalls SPD) einmütig beschlossen wurde. Kirchner hatte für den Anschluss an das schon bestehende System des Karlsruher Passes gekämpft, in dem sich bereits mehrere Kommunen im Kampf gegen Kinderarmut zusammengeschlossen haben. Damit würde dieser Verbund weiter wachsen.

Der Stadt Rastatt jedoch ist das Verwaltungsverfahren für den Karlsruher Kinderpass "zu aufwendig und kostenintensiv", auch die Erreichbarkeit der Angebote in der Fächerstadt stelle sich für Kinder und Jugendliche aus Rastatt problematisch dar.

Entwickelt wurde daher die Idee, auf der im März beschlossenen Rastatter Familienkarte aufsetzend, eine Familienkarte plus einzuführen. Während Erstere an alle Familien ausgegeben wird, um Familienunternehmungen durch Vergünstigungen oder zusätzliche Leistungen in Einrichtungen, Handel, Gastronomie und Ähnlichem zu begünstigten, setzt die Plus-Variante auf eine weitere Zielrichtung. Sie soll, dem Ansinnen der SPD folgend, Bildung und Teilhabe sozial benachteiligter Familien fördern.

Der Kreis der Berechtigten gleicht demjenigen für den Landesfamilienpass, weshalb der Stadt kein personeller Mehraufwand entstehe, wie es hieß. Zu den ermäßigten Eintritten kommen dann Gutscheine in Höhe von 25 Euro pro Jahr und Kind dazu. Diese sollen von den Kindern im Übrigen auch allein genutzt werden können, nicht nur im Verbund mit der Familie. Dass Familien ab drei Kindern auch unabhängig von ihrer finanziellen Situation mit eingeschlossen sind, stieß bei Michael Weck (SPD) indes auf Missfallen.

Während Kirchner sich vorgestellt hatte, die Kräfte in der Technologieregion Karlsruhe zu bündeln, setzen Stadtverwaltung und Ratsmehrheit auf Mittelbaden. OB Hans Jürgen Pütsch sähe in einem hiesigen Sozialraum einen "Meilenstein". Erste Gespräche mit Vertretern der Städte Bühl und Gaggenau, die bereits Kinder- beziehungsweise Sozialpässe haben, seien geführt worden; man sei dort auf "grundsätzliche Offenheit" gestoßen. Auch Baden-Baden will man für die Idee gewinnen; gegebenenfalls, so hieß es weiter, könnte man auch mit einzelnen Karlsruher Einrichtungen (wie Zoo oder Naturkundemuseum) Vereinbarungen treffen.

Der Ansatz erhält durch Befragungen junger Leute offensichtlich Rückendeckung. Die Jugenddelegation hatte im Vorfeld im Stadtgebiet bei 66 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren nachgehört. Wie Nikolett Orosz als Jugendvertreterin berichtete, gaben davon 83 Prozent an, ihre Freizeit in Rastatt und Umgebung zu verbringen. Als Angebote, die in der Barockstadt am meisten genutzt werden, wurden im Übrigen genannt: Schloss-Galerie, Kino, Schwimmbäder.

Aktuell geht die Stadtverwaltung davon aus, dass rund 1200 Kinder/Jugendliche für eine Familienkarte plus berechtigt sein dürften. Angesichts der Zahlen sei das Thema Kinderarmut auch in Rastatt ein großes, wie Stadtrat Roland Walter (Grüne) feststellte. "Dem müssen wir uns noch anderweitig widmen."

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