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Doppel-Lösung für Werkserweiterung
20.07.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - Für die Erweiterung des Rastatter Benz-Werks liegt eine Doppellösung auf dem Tisch: Nach einem Jahr intensiven Austauschs zwischen Vertretern von Stadt, Daimler und Naturschutzverbänden haben sich die Beteiligten darauf verständigt, die Fabrik sowohl im Süden (Rastatter Bruch, Ottersdorfer Straße) als auch im Südosten (entlang der Oberwaldstraße) zu erweitern. Fragen und Antworten zum Kompromissvorschlag.

Wie sieht die Expansion im Detail aus?

Daimler kann für die Auslagerung seiner Zulieferer auf eine Fläche von rund zwölf Hektar auf der anderen Seite der Ottersdorfer Straße zurückgreifen. Dort soll ein Investor den neuen Industriepark errichten. Der Rastatter Bruch mit 30 Hektar war vor allem aus logistischen Gründen die Wunschlösung des Konzerns; Daimler muss also deutliche Abstriche machen. Ergänzend will man Flächen im Südosten nutzen. Dabei geht es um die Stadtgärtnerei (rund 2,6 Hektar) sowie die Kleingartenanlage Oberwald und Flächen weiterer Direktpächter (rund 5,3 Hektar).

Wer müsste weichen?

Im Süden müsste die Schützengesellschaft mit dem Restaurant Schützenliesl und dem Schützenhaus weichen. Möglicherweise problematisch: Der Verein ist Eigentümer. Eine Enteignung ist nicht möglich. Außerdem muss eine Hochspannungsleitung verlegt werden. Landwirte würden Flächen verlieren. Im Südosten stünden Stadtgärtnerei und Kleingartenanlage Oberwald der Expansion im Weg.

Wohin könnten die Betroffenen ausweichen?

Für den Schützenverein wird noch keine Alternative genannt. Bei einem neuen Standort müssten die Lärmemissionen durch das Schützenhaus berücksichtigt werden. Für die Kleingärtner im Oberwald liegt seit 2003 ein Alternativvorschlag in der Schublade. Damals verständigten sich Stadt und Daimler auf einen raumordnerischen Vertrag für eine Expansion (30 Hektar). Die seit dem Jahr 1951 bestehende Kleingartenanlage Oberwald mit ihren 126 Parzellen sollte dann an den Stadtrand, auf eine 4,5 Hektar große Fläche nördlich der Augusta-Sibylla-Schule, verlagert werden. Aus städtischer Sicht ist aber noch offen, ob die Anlage 1:1 verlagert wird oder es an einem besseren Standort vielleicht eine zweite Anlage geben wird. Stadtplaner Markus Reck-Kehl ist ist ohnehin daran gelegen, die "wilde" Kleingärtnerei aufzuarbeiten und mehr Ordnung zu schaffen. Für die Stadtgärtnerei ist das Bauhofareal in der Plittersdorfer Straße im Gespräch.

Was bringt Daimler ein?

Der Konzern will nachverdichten, unter anderem auf den Parkplätzen, die durch Parkhäuser ersetzt werden sollen. Außerdem verspricht Werkleiter Thomas Geier, sich mit dem Betriebsrat für ein Mobilitätskonzept einzusetzen. Im Gespräch sind Ausbau des Fahrradverkehrs, der Elektroladestationen, der Organisation von Mitfahrgelegenheiten, Anpassung des ÖPNV an die Schichten, Pendelverkehr zwischen Bahnhof und Werk.

Wie sehen die ökologischen Belange aus?

Im Rastatter Bruch wird ein Teil des Landschaftsschutzgebiets zum Naturschutzgebiet aufgewertet. Die von Daimler gewünschte Straße zwischen L75 (ehemals B36) und Ottersdorfer Straße parallel zur Bahnlinie ist vom Tisch. Andererseits muss ein Wäldchen zwischen Werk und Ottersdorfer Straße geopfert werden. Als Ausgleich für die Eingriffe gibt es erste Überlegungen für Maßnahmen im Rastatter Bruch, am Riedkanal sowie in den Rheinauen. "Es ist unerlässlich, dass es für das Maßnahmenkonzept eine rechtlich verbindliche Garantie gibt", bekräftigen die Naturschutzverbände ihren Willen, notfalls juristisch nachzufassen.

Wie bewerten die Beteiligten den Entwurf?

OB Hans Jürgen Pütsch bezeichnet den "konstruktiv geführten Dialog" als "großen Glanzpunkt" der Machbarkeitsstudie. Werkleiter Thomas Geier meint, es sei "nicht das Idealmodell herausgekommen", wohl aber "eine gute Lösung". BUND, NABU und Landesnaturschutzverband sprechen von einer "tragfähigen Lösung", da der Flächenverbrauch gegenüber den Daimler-Wünschen deutlich reduziert werde und die Straßenanbindung durch das Rastatter Bruch verhindert wurde. Der Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, Gerd Hager, spricht von einem Beispiel, "das weit über die Region hinaus ein Signal gibt".

Was wird für die Verkehrsinfrastruktur getan?

Der Transport auf der Schiene soll ausgebaut werden. "Die Planungen laufen", sagt Werkleiter Geier zum Thema Gleisanschluss im Presswerk Kuppenheim, das die Rastatter Fabrik beliefert. Auf den Straßen sollen Knotenpunkte optimiert werden, das gilt vor allem für die Kreuzungen Oberwaldstraße/Kehler Straße sowie Oberwaldstraße/Ottersdorfer Straße. Offen ist noch, wie die Erweiterungsfläche im Süden angebunden wird. Geier könnte sich vorstellen, dass die Ottersdorfer Straße überbaut oder tiefergelegt wird. Gespräche mit dem zuständigen Landkreis wurden aufgenommen.

Wie geht es weiter?

Daimler hat sich zum Ziel gesetzt, Ende 2020 auf erschließungsreife Flächen zuzugreifen. Thomas Geier deutet aber an, dass man möglicherweise länger auf dem jetzigen Werksgelände zurechtkomme. Am kurzfristigsten wäre das städtische Gärtnereigelände nutzbar. Gestern wurden Gemeinderat und Ortschaftsrat Ottersdorf über den Entwurf der Machbarkeitsstudie informiert. Am 24. Juli, 19 Uhr, findet in der Reithalle eine Bürgerinformationsveranstaltung statt. Am 17. September entscheidet der Gemeinderat. Dann beginnt das Bebauungsplanverfahren.

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