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Ein neues Leben beginnt - mit Teilzeitausbildung
Petra Stark will Kfz-Mechatronikerin werden und hat ihren Praktikumsbetrieb bei Kraftfahrzeugmechanikermeister Harald Riedinger in Kuppenheim gefunden. Foto: S.Wenzke
17.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt/Kuppenheim - Für Petra Stark war es ein großer Traum. Sie wollte endlich einen Beruf erlernen, eigenes Geld verdienen, um sich und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen und eine Zukunft zu haben. Was in den vergangenen Jahren für die alleinerziehende Mutter, die seit Jahren von Hartz IV lebt, schier unerfüllbar schien, ist nun in greifbare Nähe gerückt: Im September beginnt die Rastatterin eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin. "Ab jetzt beginnt ein neues Leben", zeigt sich die 26-Jährige hochmotiviert und dankbar zugleich für die Chance, die ihr geboten wird. Das Besondere daran: Es ist eine Ausbildung in Teilzeit.

Die Rastatterin hat bereits ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche und beginnt am 10. September in der Carl-Benz-Schule in Gaggenau. Auch ihren Praktikumsbetrieb hat sie bereits mit Riedinger Kfz-Technik in Kuppenheim gefunden. Offizieller Start ist am 1. September. Der Weg dorthin führte über ein Kooperationsprojekt von "IN VIA" - das ist der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit in der Erzdiözese Freiburg. Das Projekt heißt "AB jetzt! III" und unterstützt Frauen ohne Berufsausbildung aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden, die alleinerziehend sind oder wegen der Pflege von Angehörigen nur in Teilzeit arbeiten können, bei der Vorbereitung auf eine Teilzeitausbildung. Mit den Frauen werden berufliche und persönliche Perspektiven erarbeitet. Auch Petra Stark hat die für Teilnehmerinnen kostenlose Vorbereitungszeit erfolgreich genutzt. "Das Spektrum reicht von der Organisation der Kinderbetreuung bis hin zur Suche eines Praktikums- und Ausbildungsplatzes und somit allen damit verbundenen Vorbereitungen auf das Berufsleben", erläutert Projektmitarbeiterin und Sozialpädagogin Franziska Gassenschmidt und ergänzt: "Die Aufnahme einer Ausbildung ist für die Teilnehmerinnen ein wichtiger Schritt zu finanzieller Unabhängigkeit und einer selbstbestimmten Zukunft".

Gefallen an einem technischen Beruf

Petra Starks Leben ist bisher nicht so gradlinig verlaufen. Hauptschulabschluss, ein Jahr Berufsvorbereitung. Trotz vieler Bewerbungen fand die junge Frau aber keine Ausbildungsstelle. Einzelhandelskauffrau wollte sie werden. Dies gelang erst 2012, da war sie bereits Mutter einer anderthalbjährigen Tochter. Nach einem Jahr brach sie die Ausbildung ab, weil alles zu viel wurde und sie ihre Tochter, die tagsüber in der Kita untergebracht war, "fast nicht mehr sah". 2013 wurde sie erneut schwanger, blieb nach der Geburt ihrer zweiten Tochter bis 2017 in Elternzeit. Im November 2017 wurde sie durch das Jobcenter auf "IN VIA" aufmerksam, kam zu dem Projekt "AB jetzt! III", bei dem sie seit zehn Monaten ist, und fand bei der Berufsorientierung Gefallen an einem technischen Beruf: Kfz-Mechatroniker. "Ich habe schon früher immer gerne geschraubt", erinnert sie sich lachend. Das durfte sie dann während ihres Schnupperpraktikums bei Kraftfahrzeugmechanikermeister Harald Riedinger in Kuppenheim, der die Aspirantin auf Herz und Nieren prüfte und sie auch Arbeiten verrichten ließ, bei denen man sich die Finger so richtig schmutzig machen muss, erzählt er schmunzelnd. Insgesamt zeigte sich der Ausbilder zufrieden mit der Leistung seines künftigen Azubis.

Im ersten Jahr muss Petra Stark nun zunächst die Schulbank drücken, einmal in der Woche und in den Ferien ist sie im Praktikumsbetrieb. Die Teilzeitausbildung dauert, wenn alles gut läuft, insgesamt 2,5 Jahre, die Ausbildungszeit im Betrieb selbst (ab dem zweiten Jahr) ist reduziert und wird zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche betragen. Die Berufsschulzeit muss aber regulär in Vollzeit abgeleistet werden. Für Petra Stark ist die Teilzeitausbildung ideal, da sie ihr noch Zeit lässt, sich um ihre sieben und vier Jahre alte Töchter zu kümmern. Außerdem freut sie sich auf das vielfältige Aufgabenspektrum in Kuppenheim: Der Betrieb in der Neufeldstraße ist zwar räumlich klein, biete aber mit Kfz-Reparaturen aller Art, von der Restaurierung von Oldtimern bis hin zu modernen Fahrzeugen mit Fahrassistent, ein breites Spektrum, betont Riedinger. Außerdem kann der 53-Jährige auf jahrelange Erfahrung im Slalom-, Berg- und Rundstreckenmotorsport verweisen und hat zudem für Sportbootreparaturen am Bootsrumpf eine eigene Technik entwickelt. Er würde seine Werkstatt gerne erweitern und sucht daher ein passendes Baugrundstück in Kuppenheim und Umgebung oder Sandweier, erzählt er beiläufig.

Noch freie Plätze im neuen Kurs

Erziehende und Pflegende haben seit 2005 die Möglichkeit, eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren, vielen potenziellen Interessentinnen dürfte dieses Ausbildungsmodell jedoch noch unbekannt sein. Das Programm "Ab Jetzt!", bereits in der dritten Förderperiode, wird durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt und soll Teilzeitausbildung bekannter machen, heißt es im Jahresbericht 2017 von "IN VIA". In der zweiten Förderperiode von 2015 bis 2017 hatten fünf Projektverbündete mit insgesamt 26 Standorten rund 750 Ausbildungsinteressierte beraten. "IN VIA" Freiburg, so heißt es weiter, war an den Standorten Baden-Baden und Waldshut erneut erfolgreich dabei. Der nächste Vorbereitungskurs in Baden-Baden startet nach den Sommerferien. Es gibt noch freie Plätze. Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt ist der Bezug von Leistungen nach SGB II.

Kontakt: Franziska Gassenschmidt, IN VIA Puella, Projekt "AB jetzt! III", Luisenstraße 14, 76530 Baden-Baden, (0 7221) 3025815.

www.invia-freiburg.de

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