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Leben mit Behinderung: Hilfen zur Eingliederung
Mit den Leistungen der Eingliederungshilfe sollen die durch die Behinderung entstehenden Nachteile und finanziellen Aufwendungen ausgeglichen werden.  Foto: dpa
24.08.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (sl) - Zu den Aufgaben des Kreissozialamts gehört auch die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Sie haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf die erforderliche Hilfe, betont der Leiter des Kreissozialamts Jürgen Ernst. Mit den Leistungen der Eingliederungshilfe sollen die durch die Behinderung entstehenden Nachteile und finanziellen Aufwendungen ausgeglichen werden. Aber wie sieht das im Einzelfall aus? An drei Fallbeispielen erklärt die Sachbereichsleiterin für den Bereich Eingliederungshilfen, Patricia Huschka, die Möglichkeiten.

Hintergrund

Der heute siebenjährige Max (alle Namen geändert) ist ein frühgeborenes Zwillingskind. Kurz nach der Geburt wurde eine Hirnschädigung diagnostiziert. Er ist schwer sehbehindert und geistig stark eingeschränkt. Max leidet zudem an Epilepsie. Er ist nicht in der Lage, sich selbstständig fortzubewegen, zu laufen oder sich an- oder auszuziehen. Max braucht rund um die Uhr bei allen Verrichtungen Hilfe. Er kommuniziert über Laute, Mimik und Gestik, über Körperkontakt, wird aber nie wirklich sprechen, lesen oder schreiben können. Für die Eltern war die Pflege und Versorgung eine enorme Belastung, berichtet Huschka. Das führte langfristig zu einer familiären Krise. Die Eltern traten dann von sich aus mit dem Wunsch einer stationären Unterbringung ihres Sohnes an die Eingliederungshilfe heran. Das Fallmanagement, das im gesetzlichen Auftrag die Hilfe plant, führte daraufhin Gespräche mit dem Schulkindergarten für Mehrfachbehinderte, den Max besuchte, prüfte ärztliche Stellungnahmen, welche Art von Hilfe für Max notwendig ist. Ergebnis: Eine stationäre Unterbringung erwies sich als bedarfsgerecht. Daraufhin suchte das Fallmanagement nach einem geeigneten Platz für Max und fand auch einen. Max habe sich trotz der massiven Behinderung zu einem grundsätzlich fröhlichen Kind entwickelt, er werde täglich gefördert und lernt gerade Krabbeln. Die Kosten seinen mit rund 7500 Euro pro Monat zwar im Vergleich zu anderen Fällen hoch, eine geeignetere Pflegeform gebe es für Max aber nicht. Die Hilfe wird dauerhaft erforderlich sein.

Im zweiten Fallbeispiel stellt Patricia Huschka eine junge Frau mit Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und der Persönlichkeitsstörung Borderline vor. Die heute 21-jährige Anna J. entwickelte schon mit zehn Jahren eine Magersucht. Nach der Trennung der Eltern wuchs sie bei der Mutter auf, die selbst an Multipler Sklerose erkrankt ist. Das belastete zusätzlich, zumal Anna J. schon im Jugendalter viel Verantwortung tragen musste. Ihre psychische Instabilität führte immer wieder zu Klinikaufenthalten.

Mit 18 zog sie in eine eigene Wohnung, ihre psychische Verfassung verschlechterte sich weiter. Es gab einen Selbsttötungsversuch mit anschließendem Klinikaufenthalt. Das Krankenhaus wandte sich ans Fallmanagement und attestierte eine seelische Behinderung. Anna J. brauchte Unterstützung beim Wohnen und beim Bewältigen der Alltagsanforderungen. Zunächst versuchte es die Eingliederungshilfe mit einer Form von begleitetem Wohnen in Familien. Dabei wohnen Betroffene bei Gastfamilien, die die Betreuung, begleitet durch einen Fachdienst, übernehmen. Anfangs klappte das, doch die erheblichen Entwicklungseinschränkungen von Anna J. machten eine engmaschigere Betreuung notwendig. Das Fallmanagement fand eine geeignete auf junge Frauen mit Essstörung spezialisierte Einrichtung, wo Anna J. nun seit zwei Jahren lebt und sich stabilisierte. Mittlerweile ist ein Umzug in eine eigene Wohnung oder WG mit ambulanter Begleitung geplant. Die mit monatlich rund 5400 Euro auch kostenintensive Hilfe ist nach Meinung des Fallmanagements aber nicht dauerhaft notwendig.

Älter werdende Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigen die Eingliederungshilfe zunehmend, so Huschka. Martin P. ist 47 Jahre und geistig behindert. Er lebt bei seinen Eltern. Seit 25 Jahren arbeitet er bei der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (MfbW). Die Eltern kümmern sich intensiv. Nun sehen sie aber, dass sie aufgrund ihres eigenen Alters ihren Sohn langfristig nicht mehr versorgen können, und haben sich an die Eingliederungshilfe gewandt. Martin P. verfügt über kleinere Grundfertigkeiten im Alltag, braucht aber auch Anleitung - insbesondere in ungewohnter Umgebung oder neuen Situationen. Er könnte aber in eine ambulant betreute Wohnform umziehen. Vorbereitet wird er darauf durch ein ambulantes Verselbstständigungstraining (ATV). Durch praktische Übungen werden Alltagskenntnisse und Eigenständigkeit gefördert. Das Programm dauert ein Jahr. Die Teilnehmer wohnen währenddessen noch zu Hause. Die Eltern von Martin P. beziehen ihren Sohn jetzt in die Haushaltsführung ein. Er kocht zweimal die Woche und putzt sein Zimmer selbst. Ohne die Maßnahme müsste Martin P. wohl in ein Wohnheim. Im Vergleich dazu sind die Kosten für das ATV mit 220 Euro im Monat günstig.

Ob im Einzelfall Eingliederungshilfe für behinderte Menschen gewährt werden kann, richtet sich auch nach den wirtschaftlichen Voraussetzungen des Antragstellers. Unter Umständen kommen für die Kosten auch eigenes Einkommen und Vermögen zum Einsatz.

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