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"Es geht um die nächsten 30 Jahre hier"
Der Stern dreht sich über dem Rastatter Westen. Die Pläne zur Erweiterung des Mercedes-Benz-Werks sorgen für Diskussionsstoff.  Foto: Melcher
05.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Der Zeitplan ist ambitioniert, aber bei Daimler glaubt man weiter daran, dass es klappen kann: Baureife für die Erweiterung des Mercedes-Benz-Werks Rastatt 2020, Inbetriebnahme 2022. Dies sagte der Standortverantwortliche Thomas Geier interessierten Bürgern bei einer Veranstaltung im Werk. Zuletzt hatten sich in der Öffentlichkeit nach Vorstellung der von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie kritische Stimmen, offene Fragen und Forderungen gehäuft.

Nach der Bürgerinfo im Juli boten das Unternehmen und die Stadtverwaltung nun schon zum zweiten Mal für Interessierte einen Vortrag zur Werksentwicklung samt Besichtigung einer Montagehalle und einer Zuliefererfirma an - doch trotz des in den vergangenen Wochen greifbaren Diskussionsbedarfs blieben am Montag einige der 30 Plätze frei.

Wie berichtet, hatten Verkehrsfragen, die ins Haus stehende Verlegung von Schützen und Kleingärtnern sowie damit zusammenhängende Ängste zuletzt eine Rolle gespielt, im Ried werden Unterschriften gesammelt, im Gemeinderat zeichnet sich ab, dass am 17. September, anders als von der Stadtverwaltung geplant, noch keine Entscheidungen zum weiteren Vorgehen getroffen werden. Die offiziellen Verfahren - Flächennutzungs- und Bebauungsplan - kommen ja erst noch, nachdem die Stadt bei der Machbarkeitsstudie unter Beteiligung des Unternehmens, von Naturschutzverbänden, Behörden und Betroffenen hatte ausloten lassen, welche Standorte möglich wären, welche Auswirkungen das Mammutprojekt hat. Noch ist nichts entschieden, wurde am Montag nochmals betont. Zugleich aber sagte Werkleiter Geier: Es gehe letztlich darum, den Standort Rastatt für die Zukunft zu sichern. "Es geht um die nächsten 30 Jahre hier."

Rastatt, Leadwerk für die Kompaktfahrzeuge von Benz - 2017 liefen hier 330000 Fahrzeuge vom Band -, wird nun auch Kompetenzzentrum für die Produktion elektrischer Kompaktwagen, "mindestens einer" soll hier produziert werden. Deshalb braucht man mehr Platz, also soll der Industriepark mit den Zuliefererfirmen (derzeit 16) vor die Tore des Werks - in den Süden auf der anderen Seite der Ottersdorfer Straße (Landschaftsschutzgebiet) und in den Südosten (Kleingartenanlage).

Mehr Varianzen, mehr Raumbedarf

Warum aber kann der Industriepark nicht andernorts entstehen, zum Beispiel auf dem Merzeau-Gelände im Süden der Kernstadt? Weil, so argumentieren die Autobauer, die erforderliche Vernetzung der Produktionsabläufe dann nicht mehr möglich wäre. Beispiel: Wenn eine Karosse fertig ist, wird beim Zulieferer Adient der Bau der Sitze für genau dieses Fahrzeug begonnen, diese kommen dann per Förderbänder unter der Hallendecke genau zum vorgesehenen Zeitpunkt in die Montage. So brauche man keine Verkehrsfläche auf dem Boden, beim aktuellen Vorhaben wäre eine Hallenbrücke über die Ottersdorfer Straße denkbar. Würde die Produktion woanders stattfinden, müssten täglich 160 Lkw zusätzlich hin und zurück fahren, hieß es am Montag. "Irrsinn", findet Geier.

Warum nicht mehr Verdichtung direkt auf dem bestehenden Gelände? Es wird verdichtet, so der "Kompromiss" in der Machbarkeitsstudie, und zwar so, dass draußen weniger Fläche als von Daimler zunächst gewünscht verbraucht wird. Aber das habe seine Grenzen: Die Produktionsgebäude, die auf Pfählen gründen, können nicht aufgestockt werden, so Geier. Der Raumbedarf aber wachse auch, weil die Zahl der Varianzen, die man bei der Autoproduktion heutzutage anbiete, enorm wachse - aufgrund variabler Kundenwünsche gleiche kaum noch ein Wagen haargenau dem anderen. Einige Flächen dürften zudem nicht verbaut werden, weil dies Luftströme in die Stadt kappen würde.

Warum aber geht's nun in den Süden und nicht nur, wie vor vielen Jahren planungsrechtlich abgesichert, ausschließlich in den Südosten (Kleingartenanlage)? Weil, so Geier, größere Produktionsstätten dort aufgrund der Anordnung der Hallen auf dem Werksgelände (Produktion im Westen) größere Kreuzungsverkehre entstehen ließen, die man vermeiden will.

Mit Daimler selbst plus Zulieferern sind rund 10000 Menschen am Standort beschäftigt. Was den Verkehr angeht - das Münchfeld und das Ried klagen über enorme Belastung - , will man durch Lenkungsmaßnahmen neue Wege generieren, denkt laut Werksleitung an Sammelpunkte für einen Elektrobusverkehr (etwa im Elsass und am Bahnhof) und an Anreize über die Errichtung von Fahrradständern innerhalb statt vor dem Werksgelände (Diebstahlsschutz). Dass ein Parkplatz und Sammelpunkt auf dem Merzeau-Areal Akzeptanz finden würde, glaubt Geier indes nicht - Mitarbeiter müssten dafür ja eh schon mit dem eigenen Auto bis kurz vors Werk fahren.

Trotz der bevorstehenden Erweiterung verwies der Werkleiter auf Beiträge zu Naturschutz und Nachhaltigkeit. So sollen alle Benzwerke in Deutschland ab 2022 CO2-neutral produzieren und elektrische Energie nur noch aus regenerativen Quellen beziehen. In Rastatt wiederum verzeichne man "den niedrigsten Energieverbrauch pro Fahrzeug aller Benzwerke weltweit".

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