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"Das ist immer wie ein bisschen Urlaub hier"
10.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - Die Anlage der Gartenfreunde Murgdamm gehört zu den kleinen Paradiesen in Rastatt. Es blüht und grünt nicht nur in den Gärten, dass es eine Wonne ist. Die Hauptwege vor den Gärten werden beidseitig von Blumenrabatten und Pflanzen gesäumt- "das ist eine Besonderheit, die es nur in dieser Anlage gibt", betont Vorsitzender Waldemar Schmidt. Nicht umsonst konnte sie über mehrere Jahre hinweg als stadtbeste Kleingartenanlage punkten. Direkt an der Murg gelegen, ist sie ein Refugium für 111 Pächter und ihre Familien. Und noch mehr: Das 1958 eingeweihte Vereinsheim, das oberhalb der Gärten auf einem ehemaligen Bunkergebäude entstand und heute besser als Gaststätte "Am Murgdamm" bekannt ist, ist ein beliebtes Ausflugsziel mit einer schönen Außenterrasse.

Die Anfänge der Murgdamm-Anlage an der Brufertstraße reichen bis zum Frühjahr 1954 zurück, als die ersten Parzellen abgesteckt wurden. Zunächst waren es 58 Gärten, 1955 wurde auf 65 erweitert, und 1959 kamen dann noch 16 Parzellen hinzu. 1974 erreichte sie ihre jetzige Größe, als ein Neuteil mit weiteren Schrebergärten im Norden der Altanlage entstand. Bei der Planung und dem Aufbau ging man damals völlig neue Wege, wie in der Festschrift "75 Jahre Gartenfreunde Rastatt" nachzulesen ist - beispielsweise bei der Anordnung und Gestaltung der Lauben und bei der Bepflanzung der Gärten in der sogenannten Ein-Drittel-Nutzung: ein Drittel Nutzfläche, ein Drittel Zierbepflanzung und ein Drittel Erholungsteil.

Die Nachfrage war damals sehr groß, und auch heute noch sind die Gärten sehr begehrt. "Es besteht eine Warteliste", berichtet Kassierer Hans-Jürgen Herrmann. Der 64-Jährige versucht, das Phänomen "Laubenpieper" zu erklären: Als er noch im Berufsleben stand, habe die Gartenarbeit für Stressabbau gesorgt. "Beim Unkrautzupfen vergisst man alles", weiß er. Auch jetzt noch ist seine Parzelle ein liebgewonnener Aufenthalts- und Erholungsort. Das bestätigt auch der 35-jährige Vorsitzende: "In keinem Neubaugebiet gibt es so viel Grün wie hier. Es macht zwar Arbeit, ist aber auch Entspannung. Meine Frau und meine Kinder sind oft mit dabei, sie wachsen hier quasi auf. Wenn man still ist, kann man die Bienen summen und die Vögel zwitschern hören". Kein Wunder, dass die meisten Hobbygärtner - oft sind es Ehepaare - ihre kleinen Oasen über Jahrzehnte hinweg hegen und pflegen und sich meist nur aus Altersgründen davon trennen. Die Pächter sind im Schnitt über 60 Jahre alt, informiert Schmidt. Auch Horst Witschel gehört seit 18 Jahren zu den Menschen, die viel Arbeit in den Garten investieren und den Aufenthalt dort genießen. Den Garten gepachtet hat ein Bekannter, beide Hobbygärtner sind 60 Jahre alt und bewirtschaften das gepflegte Areal gemeinsam, auf dem Trauben, Tomaten, Zucchini, Paprika, Äpfel und vieles mehr gedeihen. Zudem hat Witschel einen Teich mit Goldfischen angelegt und diesen mit einem schattenspendenden Sonnensegel geschützt. "Ich bin so oft wie möglich hier, ich fühle mich hier zu Hause", verdeutlicht der Rastatter. Auch ein Grillplatz und gemütliche Sitzgelegenheiten befinden sich im Erholungsteil des Gartens. In dieser schönen Idylle wurde schon so manches Fest gefeiert, erzählt er lachend. Und überhaupt: "Das ist immer wie ein bisschen Urlaub hier", bekräftigt Witschel, der die Lage so nah am Wasser schätzt - und den guten Kontakt mit den anderen Hobbygärtnern.

Überhaupt: Die Gemeinschaft und das gemeinsame Tun ist ein wichtiger Punkt für die Gartenfreunde. So werden sie als neuestes Projekt einen Lehrgarten für Kindergartenkinder und Schüler anlegen, da sie schon wiederholt Besuch hatten und um Führungen durch die Anlage gebeten wurden. In Gemeinschaftsleistung sowie mit Unterstützung der Stadt und Sponsoren vollbracht wurde auch der Bau des Vereinshauses, das seit Anfang der 1960er Jahre verpachtet ist. "Der Hang war total verwildert", erinnert sich Herrmann, Büsche und Sträucher wurden von den Mitgliedern gerodet und der Biergartenplatz dann von einer Firma angelegt. Später wurden noch das Vordach gebaut sowie Hausdach und Fassade erneuert.

Seit 1997 ist Beata Sender die Wirtin. "Sie ist wie ein Sechser im Lotto", lobt Herrmann das erfolgreiche Wirken der Gastronomin. Denn die 54-Jährige hat es mit Fleiß, Schnitzeln, Wurstsalat und Co. geschafft, das Vereinslokal zu einem Treffpunkt für Stammgäste, Spaziergänger und Radfahrer zu etablieren. Aber auch Gruppen kommen dort regelmäßig zusammen, zudem werden in dem Lokal immer wieder gerne Geburtstage und dergleichen gefeiert. Sie habe es schwer gehabt und sich in den ersten Jahren regelrecht durchkämpfen müssen, blickt Beata Sender zurück. In der Anfangszeit habe sie alles alleine gemacht - gekocht, Speisen und Getränke serviert - nur unterstützt von ihrem Lebensgefährten. Heute wäre das undenkbar und würde auch gar nicht mehr gehen, denn das Lokal ist nicht nur an Wochenenden gut besucht und ein Platz auf der Terrasse bei schönem Wetter und herrlichem Ausblick auf die Murg immer heiß begehrt. Einige Aushilfskräfte gehen ihr inzwischen an stark frequentierten Tagen zur Hand. Die ersten zehn Jahre habe sie gar keinen Urlaub gemacht, erzählt Sender, die gelernte Buchbinderin ist und vor dem "Murgdamm" schon ein Lokal im Dörfel betrieb.

Probleme mit Hochwasser hatten die Gartenfreunde bisher nicht. Allerdings: "Wenn es sehr viel regnet, dann bleibt bei uns vorne das Wasser stehen. Das war schon immer ein Problem, damit müssen wir halt leben", informiert Herrmann. Aus der Ruhe bringen kann das die Gartenfreunde aber nicht.

Warum auch, wenn sonst alles stimmt und man sich an solch schönem Ort eine Auszeit gönnen kann. Einen stimmungsvollen Sonnenuntergang von der Terrasse aus zu genießen - das weckt immer wieder Lust auf mehr.

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