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Immer mehr Schulbegleitung nötig
Immer mehr Schulbegleitung nötig
24.10.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (sl) - Autismus wäre vor einigen Jahren noch eine exotische Diagnose gewesen. Heute brauchen immer mehr Kinder mit einer solchen Erkrankung ständige Schulbegleitung - viele sogar schon ab der ersten Klasse. Klaus Kaiser, Sachbereichsleiter der Sozialen Dienste am Landratsamt Rastatt sagt: "Das ist schon gewaltig." Der Bedarf an Schulbegleitung in der Region sei in fünf Jahren um 123 Prozent gestiegen.

2013 beanspruchten gut 20 Kinder im Landkreis Schulbegleitung, dieses Jahr sind es fast 50. Meistens erhalten die Kinder begleitend eine Autismustherapie.

Doch Klaus Kaiser hatte in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses auch erfreulichere Zahlen dabei. Wie schon in den Vorjahren ist 2018 der Bedarf an Erziehungs- und Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche im Landkreis Rastatt zwar weiter gewachsen. Die Steigerung entspricht zur Jahresmitte 5,4 Prozent auf 585 Fälle. Doch der Hilfebedarf von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA), der in den Vorjahren noch die Statistik verhagelt hatte, nimmt deutlich ab. Inzwischen seien rund 90 Prozent volljährig. Kaiser: "Die jungen Menschen sind auf einem guten Weg in die Selbstständigkeit, etliche sind in Ausbildung." Nur noch die Hälfte werde stationär betreut. Hatte der Landkreis beispielsweise im Mai 2016 noch 146 Flüchtlinge unter 18 Jahren in seiner Obhut, sind es diesen Monat noch 15.

Dass diese Entwicklung ganz konkrete Auswirkungen hat, zeigen auch die Zahlen der sogenannten Hilfetage: Rechnet man die UMA heraus, zeigt sich eine Steigerung um 5,2 Prozent (Vorjahr: 7,7 Prozent) auf 103218 Hilfetage. Mit UMA kommt man zwar auf 128527 Hilfetage, die Steigerung beträgt aber nur noch 2,6 Prozent (Vorjahr: 14,7 Prozent). Im Durchschnitt kostet jeder Hilfetag den Landkreis 68,80 Euro. Die Kosten für individuelle Hilfen für junge Menschen und ihre Familien schätzte Kaiser in diesem Jahr auf rund 16 Millionen Euro.

Zu den erfreulichen Ergebnissen der Statistik zählt auch, dass rechnerisch "nur" 18,38 Inanspruchnahmen von Hilfen je 1000 Jugendliche im Landkreis Rastatt vorkommen. Landesweit sind es nur im Landkreis Ravensburg weniger, in allen anderen Land- und Stadtreisen zum Teil deutlich mehr. Spitzenreiter mit fast 60 Fällen ist Mannheim. Der Stadtkreis Baden-Baden steht mit etwa 35 Inanspruchnahmen je 1000 Jugendlichen im hinteren Mittelfeld. Dass Rastatt hier so gut abschneidet, liegt laut Klaus Kaiser an der "personell sehr gut ausgestatteten psychologischen Beratungsstelle und den psychologischen Diensten". Hier zahle sich frühzeitige Präventionsarbeit aus, sagte Landrat Jürgen Bäuerle. Für die Zukunft prognostizierte Kaiser trotz zurückgehender UMA weiter steigende Hilfebedarfe, und zwar rein zahlenmäßig wie auch qualitativ. Und das bei gleichzeitigem Fachkräftemangel, der im Landkreis zwar noch nicht dramatisch sei, aber spürbar.

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