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Infrastruktur hinkt Entwicklung hinterher
Infrastruktur hinkt Entwicklung hinterher
15.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Viel wird darüber gesprochen, die Menschen zum Umsteigen vom eigenen Auto auf Bus, Bahn oder Fahrrad zu bewegen, nicht nur um die Umwelt, sondern auch die Straßen selbst zu entlasten. Nur umzuschichten, würde die Verkehrsprobleme in der Region jedoch nicht lösen: Das ist eine zentrale Botschaft des Mobilitätskonzepts für Mittelbaden, für das nun ein Entwurf vorliegt. Denn: Die Infrastruktur muss ausgebaut werden, sonst springe man zu kurz, wie es Landkreis-Dezernent Claus Haberecht formuliert.



Am Dienstag stellte er dem Kreis-Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung den jetzt vorliegenden Entwurf des Konzepts vor, das die Wirtschaftsregion Mittelbaden beim Planungsbüro Modus Consult in Auftrag gegeben hatte.

Tenor: Die Bevölkerung wächst, wird immer mobiler, die Strecken zur Arbeit und zurück werden länger - doch die Infrastruktur hinkt der Entwicklung, in diesem Fall dem weiter zunehmenden Massenverkehr, mal wieder hinterher. Angesichts von Staus auf den Straßen, Engpässen im Bahnverkehr, Lärm und Umweltbelastungen soll das Mobilitätskonzept Wege aufzeigen, wie man "durch intelligente und flexible Nutzung" der verschiedenen Verkehrsträger ein "optimiertes, nachhaltiges" Angebot schafft. Eine Art Weißbuch soll es darstellen, das auf einer "gewissen Flughöhe" (Haberecht) die Gesamtsituation in den Blick nimmt und schließlich Argumentationshilfen schafft, mit denen man Land und Bund entgegentreten kann, wenn es um die Dringlichkeit von Ausbauprojekten sowie Fördergelder geht. Entsprechend gesamtheitlich wurde das Thema angegangen: Landkreis Rastatt, Stadt Baden-Baden, Verkehrsbehörden, ÖPNV-Vertreter und andere Mobilitätsanbieter, Radfahrer- und Fußgängerinitiativen, Bürger und auch Vertreter der Wirtschaft waren an der Konzepterstellung beteiligt, bestehende kommunale Konzepte wurden integriert. Das Papier versammelt nicht nur alle in Planungsphasen befindlichen und bereits bekannten Verkehrsprojekte der Region, sondern zeigt darüber hinaus weitere Handlungsfelder auf.

Haberecht verdeutlichte: Schon jetzt seien im Landkreis Rastatt täglich nahezu 150 000 Pendlerbewegungen vom und in den Raum Karlsruhe, Ortenaukreis, Calw/Freudenstadt und Elsass zu verzeichnen. Zu diesem "Binnenverkehr" kommen noch "mindestens 60 000 Fahrzeuge" im Transit auf der A 5. Zugleich wird in Mittelbaden ein Bevölkerungszuwachs von jetzt rund 284 000 auf 318 000 Menschen im Jahr 2035 prognostiziert, des Weiteren erwartet man einen Zuwachs von 121 000 auf 131 000 in der Region Beschäftigten. Und während entsprechend der Massenverkehr wächst, nehme auch der Güterverkehr um etwa 30 Prozent zu.

Wohin damit? Wenn man es Ernst meine mit dem Umstieg auf die Schiene, dann müsse das Netz ausgebaut werden. Das bestehende, auf dem aktuell beispielsweise rund 500 Züge täglich durch Rastatt fahren (220 im Güterverkehr, 200 im Nah- und 80 im Fernverkehr) und das nach Fertigstellung des Tunnels Kapazitäten für den Nahverkehr freimacht, reiche dafür nicht aus, so der Konzeptentwurf. Er sieht neben dem Ausbau des Rastatter Bahnhofs, der zur Drehscheibe des Nahverkehrs werden soll, Bedarf für ein drittes Gleis auf der Strecke Durmersheim - Karlsruhe und ein zweites Gleis zwischen Rastatt und dem Murgtal. Ebenfalls aufgeführt: Eine mögliche Schienenanbindung der Innenstadt Baden-Badens sowie des Baden-Airparks über Rastatt oder Baden-Baden mit Verlängerung bis Kehl.

Ein wesentlicher Punkt auf der Straße stellt neben den bereits in Planung befindlichen Vorhaben auch ein Autobahnanschluss Malsch/Muggensturm zu den dortigen Gewerbeflächen dar, gerade mit Blick auf den Schwerverkehr. Angesichts dieses bisher stets abgelehnten Vorhabens mahnte Bürgermeister Dietmar Späth in Richtung Bund an, nicht mehr in Verwaltungsvorschriften von vor 25 Jahren zu denken, wenn diese längst überholt seien. Vom Mobilitätskonzept erhofft sich der Landkreis gerade auch in solchen Fällen ein besseres Gehör. Auch auf dem Schiffsverkehr liegt ein Fokus: Der Rhein als Schiffstraße sei nur zu 40 Prozent ausgelastet. Für eine potenzielle Steigerung sei in diesem Zusammenhang eine weitere Anlegestelle zwischen Iffezheim und Rastatt zu prüfen.

Zu den generellen Zielen gehören: Reduzierung d es motorisierten Verkehrs, Verbesserung des ÖPNV, bessere Vernetzung, vollständige Barrierefreiheit bis 2022, "Konfliktbeseitigung" im Straßen- und Schienennetz, mehr Lkw-Stellplätze, Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur, Erhalt und Ausbau der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte, Förderung des Mobilitätsmanagements. Hier seien auch die Unternehmen gefragt. Allerdings müssen die Angebote auch angenommen werden. Der Landkreis etwa ist seit vielen Jahren der Online-Mitfahrzentrale angeschlossen. Aktuelle Nutzer: 24. Da ist viel Luft nach oben.

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