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Sie küssten und sie schlugen sich
26.03.2019 - 06:30 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Zwei nachgebaute Montgolfieren, also Vorläufer der heutigen Heißluftballons aus dem 18. Jahrhundert, werden das optische Glanzlicht sein, wenn die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) am Sonntag, 7. April, ihr landesweites Themenjahr "Ziemlich gute Freunde - Frankreich und der deutsche Südwesten" in und vor der Rastatter Residenz eröffnen.



Zwar beteiligen sich insgesamt 14 Schlösser, Burgen und Klöster in Baden-Württemberg an dem rund 200 Veranstaltungen umfassenden Programm, doch wie der Geschäftsführer der SSG, Michael Hörrmann, gestern bei der Vorstellung in Rastatt unterstrich: "Nicht zufällig veranstalten wir die Eröffnung gerade in Rastatt." Der Untertitel zum Themenjahr "Mit Schwert, Charme und Esprit" weist schon hin auf die wechselvollen Beziehungen der beiden Nachbarn über viele Jahrhunderte europäischer Geschichte hinweg. Man könnte auch sagen: Sie küssten und sie schlugen sich.

Gerade Rastatt ist in dieser temperamentvollen Beziehung immer wieder ein Kristallisationspunkt, wie Hörrmann klarmacht: Rastatt wäre keine Barockstadt, sähe ganz anders aus, wenn der französische Sonnenkönig die älteren Schlösser der Markgrafen von Baden nicht zerstört hätte. Als Feind und Vorbild fungierte der westliche Nachbar für die kleinen Territorialstaaten im Süden Deutschlands, und die Grenze zwischen den beiden Machtsphären wurde erst spät klar gezogen, wie Dr. Karin Ehlers als inhaltlich zuständige Leiterin des konservatorischen Bereichs bei den SSG in Erinnerung ruft.

"Wir sind hier am Originalschauplatz, an dem deutsch-französische Geschichte stattgefunden hat", betont Ehlers nicht nur mit Blick auf das Rastatter Friedenskabinett, wo 1714 der Rastatter Frieden zwischen Frankreich und dem römisch-deutschen Kaiserhaus unterzeichnet wird. Rastatt ist später Ort des Gesandtenmords an den Diplomaten des revolutionären Frankreichs, und auch Napoleon hat hier seine Duftmarken hinterlassen. Die badischen Markgrafen beförderte er zu Großherzögen und verheiratet seine Adoptivtochter Stephanie mit einem von ihnen. Im Wehrgeschichtlichen Museum kann man heute Napoleons Totenmaske besichtigen. Im wenige Meter weiter gelegenen Ahnensaal saßen nach dem Zweiten Weltkrieg französische Juristen über deutsche Kriegsverbrecher zu Gericht.

"Ein Schloss, eine Burg oder ein Kloster erzählen immer zwei Geschichten", erläutert Hörrmann, "eine lokale und eine europäische." Das dichte Netz von Fäden, das die europäischen Regionen seit Jahrhunderten verknüpft, sei hier unübersehbar. Kaum irgendwo sonst könne man deutlich machen, "dass uns mehr verbindet, als uns trennt". Den Faden aufnehmen sollen nun am 7. April Finanzministerin Edith Sitzmann und die französische Generalkonsulin Catherine Veber. Sie eröffnen das Themenjahr für ganz Baden-Württemberg im Rastatter Ahnensaal.

Dem Festakt für geladene Gäste folgt von 13 bis 17 Uhr ein familienfreundliches Programm mit freiem Rundgang durch die Prunkräume, Kinder können die Montgolfieren malen, und im berühmten Friedenskabinett gibt es eine szenische Aufführung zum Rastatter Frieden. Um 14 Uhr sorgen Vocalensemble Rastatt und das Orchester Les Favorites für einen hochkarätigen musikalischen Akzent, um 15 Uhr startet eine Sonderführung "Der Goldene Mann und der Sonnenkönig".

Die Leiterin der Rastatter Schlossverwaltung, Magda Ritter, kündigt ein umfangreiches Jahresprogramm zum deutsch-französischen Beziehungsgeflecht an. Sonderführungen nehmen verschiedene Aspekte der Historie in den Blick, informativ aber meist auch mit einem Augenzwinkern. Es geht zum Beispiel um Pariser Schuhe und badische Füße, die Macht der Mätressen und den langen Schatten von Versailles. Genießerabende in Schloss Favorite laden zu kulinarischen und anekdotenreichen Erlebnissen ein.

Mit ihren Themenjahren haben die Staatlichen Schlösser und Gärten vor fünf Jahren begonnen, neue Wege in der Vermittlung des historischen Erbes und im Kulturtourismus zu gehen. Die Zahlen geben ihnen Recht. Nicht nur das Besucherinteresse ist laut Michael Hörrmann seit 2009 um 30 Prozent gestiegen, die Einnahmen wuchsen im selben Zeitraum um 52 Prozent. Die Erlöse aus Eintritten und Führungsentgelten seien sogar um 77 Prozent in die Höhe geklettert. "Darauf sind wir besonders stolz", schwärmt Hörrmann. Sei man damit doch die erfolgreichste Schlösserverwaltung in ganz Deutschland.

Lustige Filme

verdichten Geschichte

Herzblut steckt auch in der grafischen Umsetzung des Themenjahrs, berichtet Frank Krawczyk, Leiter des Bereichs Kommunikation bei den SSG. Man sieht es den witzig gestalteten Infoblättern und Plakaten an. Einen Überblick über die vielfältigen Angebote auch in den anderen Schlössern, Burgen und Klöstern Baden-Württembergs bietet die sogenannte Landingpage zum Themenjahr, die ab sofort online ist. Dort sind auch kurze You-Tube-Videos abrufbar, die auf amüsante Art Schlaglichter auf die deutsch-französische Geschichte werfen.

www.ziemlich-gute-freunde.de

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