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"Gut für die Beine und den Kopf"
'Gut für die Beine und den Kopf'
06.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Rastatt - Die synchronen Schritte auf dem Parkettboden hinterlassen ein schlurfendes Geräusch. Unterbrochen vom kollektiven Aufstampfen wirbeln rund 20 Personen unterschiedlichsten Alters zur schnellen Country-Musik durch die Förcher Festhalle - die meisten mit den Händen in den Taschen ihrer Jeans. Alle stehen in Linie, tanzen neben- und hintereinander. Der Line- Dance-Verein "Förcher Rehbock Dancers" trifft sich zum gemeinsamen Tanz.

45 aktive Mitglieder im Alter von 13 bis 77 zählt der Verein, der sich erst im Februar 2018 gegründet hat, nachdem die Tänzer rund zweieinhalb Jahre lang als Teil eines Mehrsparten-Sportvereins agierten. Ihr Zuwachs ist seither enorm: Mehr als verdoppelt habe sich die Anzahl der Mit-Tänzer seit der Vereinsgründung. "Alle zwei, drei Wochen kommt ein neuer Interessent", bringt der Vorsitzende Uwe Gassert die Beliebtheit der Line-Dance-Truppe auf den Punkt. "Wir haben da offenbar einen Zeitgeist getroffen", schätzt er, der sich selbst als "bekennender Tanzmuffel" outet.

Doch mit dem Line Dance sei das anders, erklärt er: "Ich mag das Tanzen ohne Zwang. Es geht um den Spaß und nicht darum, sich zu verausgaben. Line Dance ist sehr gesellig, gleichzeitig tanzt aber jeder für sich allein." Darin liege auch der Grund für die Beliebtheit, schätzt die zweite Vorsitzende der "Förcher Rehbock Dancers", Anja Loose: "Auch alleinstehende Tänzer machen bei uns mit, denn man braucht beim Line Dance keinen Tanzpartner."

Getanzt wird aber nicht etwa frei nach Lust und Laune, sondern in bestimmten Schrittfolgen, die während drei Trainingseinheiten pro Woche einstudiert werden. Jedes Lied hat eine eigene Choreografie. Diese sich zu merken - auch über längere Zeiträume hinweg - sei die eigentliche Kunst, erzählen Loose und Gassert, und unterscheidet den Line Dance vom amerikanischen Volkstanz Square Dance, bei dem ein Ansager (der sogenannte Caller) die Schrittfolgen während des Tanzens vorgibt.

"Line Dance ist nicht nur gut für die Beine, sondern auch für den Kopf. Es soll auch Demenz vorbeugen", sagt Loose deshalb. Und tatsächlich sind die Bewegungsabläufe der einzelnen Tänze komplex und bei hunderten einstudierter Choreografien gewiss nicht leicht zu merken. "Etwas Neues lernen ist Teil davon. Das ist der Unterschied zu Standardtänzen: Einen Walzer etwa, den lerne ich und danach geht es nur noch darum, mich zu verbessern", erklärt Gassert. Rund 70 Schrittfolgen und Drehungen gibt es; etwa 80 000 Choreografien sind im Internet auf zwei Datenbänken verschriftlicht, wie Gassert erzählt.

Eine weitere Besonderheit ist die choreografische Abstimmung mit anderen Gruppen aus der Region: Damit bei Tanzpartys möglichst viele Personen mittanzen können, werden Tänze, ihre Schrittfolgen und Musiktitel teilweise abgesprochen. "Auf einer Veranstaltung in Bretten, bei der ich kürzlich war, konnte ich bei etwa 70 von 100 Liedern mittanzen. Wir haben da eine sehr, sehr große Schnittmenge", beschreibt Gassert die Kooperation auf dem Tanzboden.

Während des Trainingsbesuchs stellen sich die Tänzer in einem Abstand von rund einem Meter in Reihen auf. Das Trainer-Paar Andrea und Claus Neumüller erklären von der Bühne aus zunächst ohne Musik anhand kryptsch klingender Bezeichnungen wie Jazzbox, Cross oder Toe Strut, was zu tun ist. Als die Musik startet, laufen die Tänzer kollektiv nach vorne und nach hinten, wirbeln seitwärts und im Kreis herum. Nachdem sie eine Viertel Drehung auf das Parkett gelegt haben, geht die Choreografie wieder von vorne los.

Die "Rehbock Dancers", die ihren Namen aus der Eigenbezeichnung der Förcher Bevölkerung ableiten, tanzen zu Countrymusik, aber auch zu Ed Sheeran-Hits oder zu Filmmusik. Manche tragen Cowboy-Stiefel - schließlich entwickelte sich Line Dance in den 60er-Jahren in den USA als Tanzsport, wie Gassert erklärt. Doch weitere Western-Accessoires sucht man an diesem Tag in Förch vergebens. Auf Tanzpartys hingegen wird es laut Gassert dann "ganz schön cowboy-mäßig".

Während des Trainings freuen sich die Tänzer sichtlich, wenn eine Choreografie reibungslos für alle lief. Geht etwas schief, ist das aber kein Problem. Schließlich geht es den "Förcher Rehbock Dancers" um den Spaß - in erster Linie.

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