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Der Baum als Grabstätte
Der Baum als Grabstätte
07.05.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - Die Stadt Rastatt wird nach einem Beschluss des Gemeinderats (bei sechs Gegenstimmen und sechs Enthaltungen) in diesem Jahr auf dem Waldfriedhof ein Baumgräberfeld anlegen. Fragen und Antworten zu der neuen Bestattungsform.

Was ist der Anlass für das neue Angebot?

Die Nachfrage nach pflegefreien Gräbern steigt nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung stetig an. Deshalb wurden in Rastatt im Jahr 2010 gärtnerbetreute Grabstätten eingeführt. Im vergangenen Jahr fiel in Rastatt bei 532 Bestattungen die Wahl auf 141 pflegefreie Gräber - eine Steigerung um 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zunehmend wird die Verwaltung darauf angesprochen, naturnahe Bestattungen an Bäumen zu ermöglichen. Der Wunsch nach pflegefreien Gräbern beruht hauptsächlich auf einem Wandel in der Gesellschaft (Ehepaare ohne Kinder, Anstieg der Single-Haushalte, häufiger Arbeits- und Wohnwortwechsel). Häufig erschwert die Distanz der Angehörigen zum Beisetzungsort die Pflege von Gräbern. Die deutliche Differenz in Rastatt zwischen den beurkundeten Sterbefällen (im Jahr 2018: 653) und den in Rastatt beigesetzten Personen (532) legt aus Sicht der Verwaltung den Schluss nahe, dass andere Angebote, etwa der Friedwald in Rheinau, bevorzugt werden. Darauf deutet auch ein Schreiben evangelischer und katholischer Pfarrer an Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch hin, die um die Anlage eines Baumhains bitten, da eine seelsorgerische Begleitung in Friedwäldern aufgrund langer Anfahrtswege nicht möglich sei.

Wie sieht der Baumhain aus?

Die Verwaltung sieht die Überplanung des Feldes 4 A auf dem Waldfriedhof vor. In einem ersten Ausbauschritt sollen auf 1 333 Quadratmetern 33 Bäume gepflanzt werden, um einen Waldcharakter zu erzeugen. Kosten: rund 25 000 Euro. Damit stünden 255 Urnenreihen beziehungsweise Urnenwahlgräber unter den Bäumen zur Beisetzung zur Verfügung.

Die Kennzeichnung der Grabstätten erfolgt durch Namenstafeln, die in den Rindenmulchbereich unter dem Baum gesetzt werden. Auch Erdbestattungen sind möglich, können jedoch zum Schutz der Wurzeln nicht direkt unter den Bäumen erfolgen.

Warum war der Baumhain im Gemeinderat umstritten?

Strittig war die Frage, ob die Stadt Rastatt den Baumhain angeht oder die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner. Am Ende folgte der Gemeinderat mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung, dass die Genossenschaft in einem anderen Feld des Waldfriedhofs die von ihr präsentierte Planung "Naturnahes Gräberfeld inklusive Baumbestattung" umsetzen darf. Während die Stadt bewusst ein schlichtes Konzept "ohne viel Schnickschnack" (OB Hans Jürgen Pütsch) verfolgt, wollen die badischen Friedhofsgärtner ein abwechslungsreiches Landschaftsmodell mit Gehölzrandstreifen, bunter Blumenwiese und einem Baumhain, was insgesamt kostspieliger ist als die städtische Variante. Während die Stadt zusätzlich zur jeweiligen Grabgebühr im Baumhain noch 680 Euro für den Pflegeaufwand auf 20 Jahre verlangt, läge diese Summe bei der Genossenschaft bei 1 200 bis 1 500 Euro. Die Badischen Friedhofsgärtner haben bereits signalisiert, dass sie das Angebot ablehnen, weil es sich zusätzlich zum konkurrierenden Angebot der Stadt nicht lohnen dürfte. Durch den günstigen Pflegeaufwand hofft die Stadtverwaltung, den Abwanderungen (etwa zugunsten eines Friedwalds) entgegenzuwirken und zugleich anonymen Bestattungen vorzubeugen, die derzeit noch häufig aus Kostengründen gewählt werden.

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