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"Aufgeben ist noch keine Option"
19.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Steinmauern - Die Kindergruppe gibt es seit drei Jahren nicht mehr, und die Erwachsenen haben zuletzt bei den Heimattagen in Karlsruhe getanzt. Das war 2017. Der 1981 gegründete Verein für Volkstanz und Heimatpflege Steinmauern sucht seit Jahren händeringend nach weiteren Mitstreitern, um seine Zukunft zu sichern. Auch wenn diverse Anstrengungen in der Vergangenheit nicht den erhofften Erfolg brachten, lassen sich die Idealisten nicht unterkriegen: "Aufgeben ist noch keine Option", gibt sich der Vorsitzende Günter Köppel kämpferisch.

Nach der Sommerpause sollen im Herbst daher weitere Aktionen starten: Der Verein will erneut mit Infoständen auf dem Wochenmarkt in Rastatt werben und Kontakt mit dem Haus "Sonnenschein" und der örtlichen Seniorengemeinschaft aufnehmen. Es schwebt Köppel vor, künftig Seniorentanz anzubieten, "damit wieder etwas Bewegung reinkommt". Außerdem hat Schriftführerin Petra Dettweiler ein offenes Tanzen im Freien angeregt, damit große und kleine Interessierte einmal ganz unverbindlich "hineinschnuppern" können. Die Idee ist gut. Denn der Verein will weg von seinem verstaubten Image - "wir sind doch für viele die ewig Gestrigen", meint die Schriftführerin. Der Verein will vielmehr zeigen, dass auch er mit der Zeit geht und nach vorne gerichtet ist. "Bunt in Tradition und Zukunft" ist daher der Slogan auf seinem Flyer.

Der Verein zählt rund 100 Mitglieder im Alter von 28 bis 81 Jahren, davon sind etwa zehn aktiv, das ist sogleich der harte Kern, der die Gemeinschaft aufrechterhält. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 60 Jahren, Nachwuchs fehlt vollkommen. Die Kindertanzgruppe existiert nicht mehr. "Wenn die Kinder auf eine weiterführende Schule gegangen sind, dann hatten sie keine Zeit mehr am Nachmittag und waren weg", berichtet Martha Köppel, die geschulte Übungsleiterin und für "alle Arbeiten im Hintergrund zuständig" ist. Ehrenamtlich, versteht sich. Und die 62-Jährige räumt gleich mit einem Vorurteil auf: "Wir machen auch ganz moderne Kindertänze wie im Kindergarten", stellt sie heraus.

"Mit Tradition haben viele nichts mehr am Hut", sieht Schriftführerin Dettweiler einen Grund für das mangelnde Interesse, einer Volkstanzgruppe beizutreten. "Volkstanz ist alt und aus der Mode", bekräftigt Martha Köppel. Heutzutage seien Zumba und Line Dance angesagt. Dabei müsse man auch bei der Folklore Schrittfolgen lernen. "Tanzen ist grundsätzlich gut für Kopf, Körper und Herz", unterstreicht Günter Köppel, der seinerzeit ein "Hobby zu zweit" suchte und im Folkloretanz eine wunderbare Freizeitbetätigung fand. Seither sind er und seine Frau noch eines der letzten drei verbliebenen erwachsenen Tanzpaare des Steinmauerner Vereins.

Diese werden vor allem noch für Seniorenveranstaltungen angefragt, doch wenn nicht mindestens zwei Paare Zeit am Nachmittag haben, hat dies wenig Sinn. Dabei ist der Verein in anderen Bereichen sehr rege, lädt immer am Ostermontag zum Ostereiersuchen "mit einem echten Hasen" ein, bietet alle Jahre wieder eine Ferienfreizeit im Hof der Köppels an (in diesem Jahr wurden Brettspiele aus Holz hergestellt), stellt zusammen mit Feuerwehr und Musikverein den Maibaum und veranstaltet im Juni das große Johannisfeuer zur Sommersonnenwende - ein äußert beliebtes Event, wobei die Flammen mehrere Meter hochschlagen. Traditionell entzünden dabei die Kinder das Feuer mit Fackeln, mit rund 90 waren es besonders viele in diesem Jahr. 2018 hat der Verein ein Schulprojekt begleitet "Vom Korn zum Brot", dabei wurde mit Schülern ein Getreidefeld angebaut und bis zur Ernte begleitet. In der Flößerstraße wurde 2017 das "Haus der Überraschungen" initiiert. In dem Gewächshaus können nützliche Dinge wie Spielsachen, Bücher oder Geschirr unter dem Motto "Weitergeben statt wegwerfen" hineingelegt und von anderen, die diese Dinge gebrauchen können, kostenlos geholt werden. Auch Werbeflyer liegen dort aus. Das Projekt läuft bis heute sehr gut, berichtet Köppel. Neue Mitglieder gebracht hat es aber nicht. Ebenso wie die Stammtische, die vor drei Jahren initiiert wurden. Die Mitglieder blieben dabei unter sich. Auch Fusionsgedanken wurden schon vor langer Zeit gehegt: Allerdings schliefen Kontakte mit einer anderen Trachtengruppe wieder ein. Gleichwohl machen die Aktiven weiter, lassen sich nicht unterkriegen und hoffen, dass sie ihre Tanzgruppen wieder beleben können. Im September sind sie mit ihren Trachten beim Vogtsbauernhof zu Gast, außerdem haben sie einen Stand beim Lindenstraßenfest in Steinmauern und beim Adventsmarkt.

"Wir sind mit unseren Trachten gern gesehene Farbtupfer", weiß Günter Köppel, wenn es um Brauchtum und Tradition geht wie beispielsweise bei Prozessionen oder beim Erntedank. Bei Letzterem ist zudem die 1,20 Meter große handgebundene Erntekrone "der absolute Hingucker", schwärmt Martha Köppel. "Was aber wäre, wenn wir nicht mehr dabei sind?", fragt ihr Mann.

"Brauchtum und Gemeinschaft sind seit jeher Zeichen einer funktionierenden und liebevollen Zivilisation. Dies gilt es zu pflegen und zu erhalten, damit auch unsere Kinder behütet leben können", heißt es auf der Homepage des Vereins. Und weiter: "Unsere Tracht prägt das kirchliche und weltliche Leben in unserem Dorf im Jahreskreis.". Die Trachten sind alle handgearbeitet und werden vom Verein gestellt. Der Jahresmitgliedsbeitrag kostet zwölf Euro für Erwachsene (Kinder zahlen die Hälfte). Wer Lust hat, kann einmal unverbindlich vorbeikommen, wenn die Übungsstunden wieder beginnen, ermuntert der 64-jährige Vorsitzende, der seit 25 Jahren den Verein lenkt und nicht aufgeben wird, bevor der Fortbestand gesichert ist.

Eine weitere Idee hat er noch: Vielleicht wäre eine Fusion mit dem Förderverein Flößereimuseum möglich, denkt er laut nach. Dort ist Köppel Kassierer.

Kontakt: E-Mail:

guenter.koeppel@web.de.

www.volkstanz-

steinmauern.de

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