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Aus Rhein- wird Trinkwasser
05.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Friedrich

Iffezheim - Wer frisches Trinkwasser zum Durst löschen, Kochen oder Waschen benötigt, dreht in Mittelbaden einfach den Wasserhahn auf. Im Katastrophenfall aber kann das Trinkwasser verunreinigt und ungenießbar sein. Dann kommt die DRK-Fachgruppe Trinkwasser-Notversorgung zum Einsatz. Derzeit führt sie eine Großübung an der Staustufe Iffezheim durch, die noch bis zum morgigen Sonntag dauert.



Seit 2017 ist die Gruppe aktiv und baut ihre vom Bund übernommene, rund 120 000 Euro teure Anlage zweimal im Jahr auf. "Einen Noteinsatz für die komplette Anlage gab es bisher glücklicherweise noch nicht", berichtet Ralf Rothe vom Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dafür sind die Männer und Frauen gerüstet. Binnen vier bis fünf Stunden nach ihrem Eintreffen können sie aus fast jedem Gewässer kostbares Nass in Trinkwasserqualität gewinnen und an die Bevölkerung ausgeben, berichten sie. Die Anlage, die in Bühl stationiert ist, passt auf zwei Lkw und einen Anhänger. Dazu kommen noch einige Versorgungsfahrzeuge für die ehrenamtlichen Helfer. Sie alle haben eine achttägige Grundausbildung absolviert und können nun Wasser analysieren und so aufbereiten, dass es im Katastrophenfall an die Bürger verteilt werden kann. Pro Stunde bereitet die nun in Iffezheim aufgebaute Anlage 6 000 Liter Trinkwasser aus dem Rhein auf. Wenn man von einem Bedarf von rund 15 Litern pro Person und Tag ausgeht, können so im Ernstfall 5 000 Menschen versorgt werden.

Nach der Entnahme des Wassers aus einem Fluss, einem See oder einem Notbrunnen wird das kostbare Gut zunächst von Schwebstoffen befreit und chemisch untersucht. Dazu gibt es ein eigenes Laborzelt. "Im Ernstfall muss alles vor Ort passieren, damit wir Zeit sparen", erläutert Rothe. Die notwendigen Zusätze zum Erreichen von Trinkwasserqualität werden deshalb ebenfalls vor Ort angemischt und dem gereinigten Wasser zugegeben. Aktivkohlefilter und eine Chlorierungsanlage sorgen dafür, dass das Wasser "bedenkenlos" an die Bevölkerung abgegeben werden könnte. Zwischengelagert wird es in fünf jeweils 10 000 Liter fassenden Tanks und anschließend per Lkw an die Ausgabestelle gebracht. Denn diese liegen in der Regel nicht direkt am Einsatzort der DRK-Helfer. Deshalb ist neben der Aufbereitung vor allem die Logistik im Ernstfall eine große Herausforderung.

Entsprechend machten sich gestern auch Kreisbrandmeister Heiko Schäfer und der Aufsichtsratsvorsitzende des DRK-Kreisverbands, Gaggenaus Bürgermeister Michael Pfeiffer, ein Bild vor Ort. "Es ist gut zu wissen, mit wem man im Ernstfall in Kontakt steht und zu sehen, wie leistungsfähig die Trinkwasseraufbereitungsanlage ist", sagten sie.

Als konkreten Einsatzfall schildert Rothe ein Szenario, bei dem in einer Gemeinde das Trinkwasser über Tage und Wochen hinweg nicht mehr genießbar ist. Zudem würden die Helfer des DRK zum Einsatz kommen, wenn große Notunterkünfte dauerhaft mit Trinkwasser versorgt werden müssten. Wie schnell der Ernstfall eintreten kann, zeigte sich im Sommer 2018, als aufgrund der großen Hitze und Dürre viele Trinkwasserquellen von oft einsam gelegenen Höfen im Renchtal versiegten. Die DRK-Fachgruppe befüllte die Trinkwasserzisternen von 19 Aussiedlerhöfen mit insgesamt rund 395 000 Litern Wasser.

Die Anlage ist komplex. "Nur durch regelmäßiges Training in Theorie und Praxis sind wir bestens für den Ernstfall gerüstet", betont Rothe. Mit dem Verlauf der Übung an der Iffezheimer Staustufe zeigt er sich bisher sehr zufrieden.

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