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Selbstanzeige erspart Stiefvater wohl die Gefängnisstrafe
Selbstanzeige erspart Stiefvater wohl die Gefängnisstrafe
19.10.2019 - 00:00 Uhr

Von Werner Frasch

 

Rastatt/Baden-Baden - Die Große Jugendschutzkammer des Landgerichts Baden-Baden hat gestern nach zweitägiger Verhandlung das Urteil wegen dreifachen sexuellen Missbrauchs eines siebenjährigen Mädchens in Rastatt Ende Juni 2017 durch seinen Stiefvater verkündet. Der 34-jährige Deutsche wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie zu einer Geldbuße von 6 000 Euro verurteilt.

 

Das Gericht stützte sich im Wesentlichen auf die Aussagen, die am ersten Prozesstag als Videoaufzeichnung in den Prozess eingeführt wurden, um dem Kind eine Vernehmung vor dem Gericht zu ersparen (wir berichteten).

Über die Glaubwürdigkeit dieser Schilderungen erstattete gestern eine Psychologin ihr Gutachten. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass die mit einem bemerkenswerten Wortschatz beschriebenen Vorgänge an jenem Sonntagmorgen auf der Couch des Wohnzimmers - während die Mutter noch geschlafen hatte - wahrheitsgemäß dargestellt worden seien.

Suggestive Fragen seien dem Kind auch von der Lehrerin - die schriftliche Aufzeichnungen gefertigt hatte - nicht gestellt worden, nachdem sie von dem Mädchen ins Vertrauen gezogen worden war. Die Psychologin fand keine Hinweise darauf, dass das Mädchen Vorfälle geschildert habe, die ihm "vorher eingeredet worden seien". Ein Motiv für eine Falschaussage habe das Kind zudem nicht gehabt, da es auch jetzt noch mit dem Stiefvater zusammenleben wolle und sich wegen der "ganzen Sache" selbst Vorwürfe mache.

Die Staatsanwältin hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren für angemessen gehalten. Dieser Forderung schloss sich auch die Vertreterin der Nebenklägerin an, für die der leibliche Vater vor Gericht erschienen war. Zudem stand die Forderung nach einem Schmerzensgeld für das geschädigte Kind im Raum, die laut der Anwältin unabhängig vom Strafprozess durch eine Zivilrechtsklage verfolgt werden soll.

Kind vertraut sich Klassenlehrerin an

Denn - so die Anwältin - das Kind sei bis heute in psychologischer Behandlung und es habe "ein Päckchen zu tragen auf dem Weg des Erwachsenwerdens."

Auch die Verteidigerin sprach von einer "schwierigen Einlassungssituation". Der Angeklagte habe zwar nur einen Teil der ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt, erinnere sich dagegen nicht an weitere Einzelheiten, da er zur Tatzeit "erhebliche psychische Probleme hatte" und bis heute sein Verhalten nicht verstehen könne. Auch wenn er das Mädchen "für den Rest seines Lebens geprägt" habe, sprächen "besondere Umstände für eine Bewährungsstrafe".

Als "gravierenden Strafmilderungsgrund" wertete das Gericht die Selbstanzeige des Verurteilten, obwohl er kein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. "Ich habe versucht, wieder etwas gut zu machen", begründete der Angeklagte diesen Schritt, zu dem er sich etwa ein halbes Jahr nach den Taten entschlossen hatte.

Erst danach wurde das Kind vom Jugendamt von der Schule abgeholt und in einem Heim in Obhut gegeben. Die sexuellen Übergriffe in der Wohnung, in der der Angeklagte damals mit der Mutter des Kindes lebte, waren indessen dem Jugendamt bereits wenige Tage nach der Tat bekannt geworden. Das Kind hatte sich seiner Klassenlehrerin anvertraut, die gemeinsam mit der Schulleiterin die Mutter und den Stiefvater mit den Vorwürfen konfrontierte und das Jugendamt informierte.

Warum eine polizeiliche Anzeige unterblieb und auch das Jugendamt bis zur Selbstanzeige nichts unternahm, blieb im Prozess offen.

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