Erholung, Erlebnis, Entlastung

Mit Elan dabei: Teilnehmer der Stadtranderholung des Diakonischen Werks Rastatt/Baden-Baden.  Foto: Friedrich

Von Stephan Friedrich

Rastatt - Sechs Wochen Sommerferien: Was alle Schulkinder freut, war und ist für Eltern ein Problem. Denn kaum einer kann in den Sommermonaten sechs Wochen Urlaub am Stück nehmen. "Dies war nur einer der Gründe, warum wir 1977 die Rastatter Stadtranderholung ins Leben gerufen haben", erinnert sich der damalige Leiter des Diakonischen Werks Rastatt und Baden-Baden, Volker Zipf. Ein anderer Grund ist heute so aktuell wie vor 40 Jahren: Kindern aus Familien mit kleinem Geldbeutel soll in den Sommerferien ein abwechslungsreiches Erlebnisprogramm geboten werden.

Insgesamt fünf Wochen dauern die beiden Stadtranderholungen auch in diesem Jahr. Gestern waren Eltern, Freunde und Verwandte eingeladen, die Kinder zu besuchen. Geboten wurde ein rund 90-minütiges Programm, das einen bunten Querschnitt dessen zeigte, was die Kinder in den vergangenen beiden Wochen erlebt hatten. Eine Modenschau war da ebenso zu sehen wie verschiedene Tänze oder ein kleines Theaterstück. Präsentiert wurden Sequenzen aus den 70er, 80er, 90er und den 2000er Jahren.

Die 60 Kinder waren mit viel Spaß, aber auch etwas Wehmut dabei. Nur noch eine Woche, dann ist die erste Stadtranderholung des Jahres zu Ende. "Es macht super viel Spaß, und ich habe schon einige neue Freunde gefunden", berichtet der siebenjährige Lucas, der zum ersten Mal dabei ist. Nebenan erzählen Paolo und Yannick (beide zehn), zwei der vielen "Wiederholungstäter", dass sie bereits viel gebastelt haben und auch das Fußballspielen nicht zu kurz gekommen sei. "Bei schönem Wetter waren wir schwimmen", ergänzt die elfjährige Henriette.

Zunächst mit Zelten der in Rastatt stationierten französischen Streitkräfte wurde die Stadtranderholung 1977 einst am Wintersdorfer Sämannsee gestartet. Seit vielen Jahren ist man im "Freizeitparadies" in Plittersdorf zu Gast. Die langjährige organisatorische Leiterin der Stadtranderholung, Petra Wilhelmi, kann dazu so manche Anekdote erzählen: "Früher sind wir zum Eingangsbereich mit drei Groschen in der Hand gelaufen, um zu telefonieren. Das ist heute natürlich ganz anders", sagt sie schmunzelnd. Von den meisten Teilnehmern im Alter zwischen sieben und elf Jahren wird das Mobiltelefon während der Tage in Plittersdorf jedoch kaum vermisst. "Die Kinder haben den ganzen Tag ein buntes Programm: Da denkt man kaum ans eigene Handy".

Geschlafen wird zu Hause, und so geht es jeden Morgen traditionell mit einem gemeinsamen Frühstück los. Dann stehen verschiedene Bastelangebote wie das Herstellen von eigener Seife, Batiken von T-Shirts oder das Malen von Mandalas auf dem Programm. Nach dem gemeinsamen Mittagessen und dem nicht immer beliebten Küchendienst darf je nach Wetter in oder am Wasser gespielt werden. "Dazu ist der Standort direkt am See ideal", freut sich der Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Otto Tepper.

Petra Wilhelmi kann derweil über eine große Konstante bei der Stadtranderholung berichten: "Viele Kinder kommen jedes Jahr und sind sehr traurig, wenn sie mit elf Jahren die Altershöchstgrenze erreicht haben und das letzte Mal dabei sind." Veränderungen sieht Wilhelmi vor allem dann, wenn es für die Kinder gemeinsam mit ihren Betreuern ins Wasser geht. "Vor 30 Jahren konnte fast jedes Kind schwimmen. Heute ist mehr als jeder dritter Teilnehmer als Nichtschwimmer registriert", stellt sie erschreckt fest.

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