Mehr Wachstum für Rastatt

Mehr Wachstum für Rastatt

Von Daniel Melcher

Rastatt - Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch hat gestern Abend beim traditionellen Neujahrsempfang in der Badner Halle ein überaus positives Bild der Barockstadt gezeichnet. Das Bild einer Stadt im Aufwind, die sich gut entwickle und viele Vorhaben sowie Weichenstellungen erlebe - "an jeder Ecke", so der OB, sei zu spüren, dass Rastatt attraktiv sei. Probleme wie Vandalismus verband er mit der Aufforderung an die Bürger, die Stadt zu unterstützen. Sein Appell in Anlehnung an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Umgang miteinander: Mehr Achtung füreinander finden.

Zunächst hatte ein Film im städtischen Musentempel vor Augen geführt, was in Rastatt im zurückliegenden Jahr los war. Ein Top-Thema: Die Havarie in der Bahntunnelbaustelle. "Sieben Wochen kam niemand an Rastatt vorbei. Zumindest nicht mit der Bahn." Dem Debakel, in dessen Zuge Pütsch nochmals an die Belastung für die Niederbühler erinnerte und Ortsvorsteher Klaus Föry für dessen Krisenmanagement lobte, folgte zugleich die "beste Botschaft 2017": Der barrierefreie Umbau des Rastatter Bahnhofs. Jetzt heiße es: "Dranbleiben und konstruktiv Druck machen." Noch diesen Januar soll die Finanzierungsvereinbarung als wichtige Grundlage für die Planung vorliegen, ebenso die Antwort der Bahn auf die Vorschläge des Expertenkreises Inklusion zu kleineren Verbesserungen im Vorfeld.

Große Themen in Rastatt bleiben das Bauen und Wohnen. "Wir werden bald mehr als 50000 Einwohner haben und wollen weiter wachsen", betonte der OB. Das bedeute auch: Mehr Schulen, mehr Kindergärten, mehr Freizeit- und Sportflächen, mehr Begegnungsstätten. Dabei gehe es auch darum, die Sozialstruktur in der Stadt zu verbessern. Rastatt stelle 21 Prozent der Landkreisbevölkerung, beheimate aber 43 Prozent der Sozialhilfeempfänger. Dass man beim Thema Wohnen vorangekommen sei, liegt an Investoren, die in den vergangenen vier Jahren 1300 Wohneinheiten möglich gemacht hatten, weitere 300 seien derzeit in Planung. Des Weiteren bekräftigte der OB die mehrfach angezweifelte Meinung, wonach in Rastatt genügend bezahlbarer Wohnraum vorhanden sei. Kritikern entgegnete Pütsch, dass sie den "politischen Schlagabtausch" der vergangenen Wochen nicht im direkten Dialog geführt hätten. Zugleich appellierte er, den Blick hier nicht nur auf städtische Wohnungen zu richten und mahnte Eigentümer an, Wohnungen nicht leer stehen und Bauplätze nicht brach liegen zu lassen. An welchen weiteren Standorten zukünftig eine Anschlussunterbringung für Flüchtlinge sinnvoll sein könnte, soll spätestens im April dem Gemeinderat vorgeschlagen werden.

Auf der Liste der wegweisenden Projekte 2018 nannte der OB unter anderem das Kombibad - Pütsch will einen Knopf an die konkrete Planung am Standort Schwalbenrain machen. Die Analyse des Bürgerworkshops zum Thema wird am 22. Januar in der Badner Halle präsentiert. Und natürlich: Die Machbarkeitsstudie zur Mercedes-Benz-Erweiterung, bei der eine "gute Balance" zwischen wirtschaftlichem Interesse und Naturschutz gefunden werden müsse.

"Ein großes Dankeschön" richtete er an den scheidenden Bürgermeister Wolfgang Hartweg, der nach 28 Jahren in den Ruhestand geht, ohne offiziell verabschiedet werden zu wollen. Dieser habe vieles in Bewegung gesetzt, um Rastatt voranzubringen.

Ein paar Tropfen Sorgen mischte Pütsch dann doch noch in den Neujahrssekt. Zunächst den Vandalismus: Sollte die Polizeipräsenz nicht bald auf Dauer verstärkt werden können, werde man den städtischen Ordnungsdienst personell aufstocken müssen. Die Bürger forderte er auf, Auffälliges sofort zu melden, dafür soll es ab Ende des Monats einen "Mängelmelder" auf der städtischen Homepage geben. Und: Unverständlich sei es für ihn, wenn in der Stadt gehetzt, geschimpft, gepöbelt und attackiert werde, schließlich lebe man "immer noch in einer äußerst privilegierten, friedlichen, chancenreichen und sicheren Welt hier in Rastatt". Sein Appell: Miteinander statt übereinander reden und aufeinander zugehen.

Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von der Städtischen Musikschule. Zudem bekam das Klinikum Mittelbaden Gelegenheit, sich zu präsentieren, der medizinische Geschäftsführer Prof. Norbert Roeder brachte dazu das Rastatter Chefärzte-Team mit. Zentrale Botschaft: "Wir glauben fest an die Zukunft des Krankenhauses Rastatt" - und zwar auch weiterhin samt Geburtshilfe, wie Roeder betonte.

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