Mit der Klugheit eines Elefanten

Mit der Klugheit eines Elefanten

Rastatt (ema) - Über Gunter Kaufmann ist in der Öffentlichkeit verständlicherweise schon viel bekannt geworden. Doch dass der Elefant sein Lieblingstier ist, dieses Geheimnis lüftete gestern Abend sein langjähriger Wegbegleiter Emil Dister. Dem früheren Chef des Rastatter Auen-Instituts fiel in der Badner Halle die Aufgabe zu, den neuen Ehrenbürger Rastatts zu würdigen.

Und so kam Dister am Ende seiner Laudatio auf besagtes Tier zu sprechen, das im Hause Kaufmann in vielen Erscheinungsformen zu finden sei und gewisse Ähnlichkeit mit dem Ehrenbürger habe: "Er hat die Ohren immer auf Empfang gestellt, ist gelassen, klug, empfindsam, aber auch bahnbrechend, wenn er sich einmal in Bewegung setzt." Eine derart launige Betrachtung passt zu einem, der "selbst die heikelsten Situationen durch eine humorvolle Brille" sieht, wie Dister dem Geehrten bescheinigte.

Beim Aufzählen der vielfältigen Funktionen und Verdienste des "echten Rastatters" hatte Dister einiges zu tun - angefangen mit dem politischen Engagement des 74-Jährigen für die SPD. "Soziale Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich war und ist ihm immer ein großes Anliegen", sagte Dister. Als weitere entscheidende Konstante nannte er den Einsatz für die Umwelt und die Regionalentwicklung. Kaufmann sei "wesentlicher Architekt" des Rastatter Kompromisses in der 1980er-Jahren bei der Ansiedlung des Benz-Werks gewesen: "Seine Offenheit, seine Unvoreingenommenheit, seine optimistische Ausstrahlung ließen immer wieder Auswege in verfahrenen Situationen finden." Über 30 Jahre später sei Kaufmann bei der geplanten Fabrikerweiterung erneut ein "unverzichtbarer Gesprächspartner". Fast schon in eigener Sache dankbar zeigte sich Dister, dass Kaufmann als Landtagsabgeordneter bei der Landesregierung und beim KIT für die Erhaltung des Auen-Instituts in Rastatt gekämpft habe.

Für Dister sprichwörtlich ein Rätsel bleibt es, wie der Ehrenbürger noch Zeit für seine Leidenschaft für die Rastatter Geschichte findet. Seit 2010 ist Kaufmann Vorsitzender des Fördervereins der Erinnerungsstätte im Rastatter Schloss. Wer Ortshistorie mit "Hochgenuss" erleben wolle, müsse mit Kaufmann durch die Stadt gehen, meinte Dister.

Zuvor hatte OB Hans Jürgen Pütsch den neuen Ehrenbürger, der 46 Jahre lang Stadtrat war, als "großen Sohn unserer Stadt" und "Sozialdemokraten durch und durch" bezeichnet. Kaufmann habe im Sinne Willy Brandts mehr Demokratie gewagt und dabei viel Sachverstand und Weitblick walten lassen.

Der Geehrte, dem die Gäste des Neujahrsempfangs stehend applaudierten, rief in seinen Dankesworten dazu auf, sich für seine Heimatstadt zu engagieren und damit auch das historische Erbe Rastatts als Teil der Demokratiegeschichte zu pflegen.

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