"Wir schwänzen nicht, wir kämpfen"

'Wir schwänzen nicht, wir kämpfen'

Rastatt (fuv) - "Hopp, hopp, hopp, Kohle-Stopp", schallt es aus rund 20 Schüler-Kehlen. Eine ältere Frau verlässt das Landratsamt in Rastatt, lächelt und reckt ihren Regenschirm zustimmend in die Höhe. Demo in Rastatt. Dem weltweiten Jugendprotest "Fridays for Future" gegen die Ursachen des Klimawandels schlossen sich nun auch Schülerinnen und Schüler aus Rastatt an.

17 Pennäler hatten sich vor dem Eingang des Landratsamts mit ihren Plakaten postiert. "Wir gehen hier in Rastatt und der Umgebung zur Schule, und im Landratsamt werden Entscheidungen für den Landkreis getroffen", antwortet Theresa Gottwald auf die Frage, weshalb die jungen Leute ausgerechnet vor der Kreisbehörde unter den Augen einer Polizeistreife demonstrieren.

Theresa besucht die elfte Klasse der Anne-Frank-Schule und hat die Protestkundgebung organisiert. Für die 17-Jährige ist es wichtig, dass nicht nur in großen Städten wie Karlsruhe oder Stuttgart demonstriert wird. Auch in kleineren Orten sollten die jungen Menschen auf die Straße gehen. Je mehr Demos, desto größer die Wirkung, glaubt Theresa.

Sie stand bereits vergangene Woche nach dem Unterricht alleine vor dem Landratsamt. Nun hat sie also Mitstreiter gefunden, die wie viele andere an diesem denkwürdigen Tag dem Unterricht fernbleiben, um die Verantwortlichen auf der Welt endlich zum Handeln zu zwingen. "Es gibt keinen Planet B", steht auf einem der Plakate. Andere rufen dazu auf, Flugbenzin zu besteuern oder weisen darauf hin, dass Lebensmittel kein Müll seien. Wie die Jugendlichen das mit dem Schulschwänzen sehen, steht auf einem anderen Schild: "Lieber Fehlstunden statt Klimawandel. Wir schwänzen nicht, wir kämpfen."

Während die Schüler ihrer Sorge um die eigene Zukunft Ausdruck verleihen, wird im Foyer des Landratsamts die Ausstellung "Nachhaltiges Wirtschaften und Leben" aufgebaut. Ein Zimmerer kommt zu den jungen Leuten, diskutiert mit ihnen, nimmt sie schließlich mit ins Gebäude und erläutert an seinem Stand regenerative Dämmstoffe - Solidarität zwischen den Generationen. Da muss die Polizei doch mal gucken, sieht aber schnell, dass die Schüler im Landratsamt willkommen sind.

Matthias Friedmann von der Energieagentur Mittelbaden und der Kompetenzstelle Energieeffizienz Mittlerer Oberrhein (KEFF) und Projektingenieur Kevin Schad, die die Ausstellung organisieren, unterstützen die Besucher in ihrem Anliegen, freuen sich über das Engagement für die Erde. Der Demo-Trupp bezieht dann wieder seinen Standort vor dem Haupteingang. Man merkt den Schülerinnen und Schülern an, dass sie stolz sind, an dem Protest teilzunehmen und dass sie besorgt sind um ihre Zukunft. Um so bedauerlicher für Theresa Gottwald, dass nicht mehr Jugendliche gekommen sind. Sie hatte im Vorfeld die Homepage von "Fridays for Future" kontaktiert und gebeten, dass dort auf die Rastatter Kundgebung hingewiesen werden solle. Aber das habe nicht geklappt.

Wie denn die Schulleitungen reagiert hätten, möchte der Reporter wissen. Die einen Schüler wurden für drei Stunden freigestellt, anderen wurden eventuelle Konsequenzen angekündigt. Aber das nehmen die Demonstranten in Kauf, versichern sie.

Dann verlässt wieder ein Besucher das Landratsamt und wird von einem weiteren "Hopp, hopp, hopp, Kohle-Stopp" begleitet.

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