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"Unstillbare Sehnsucht nach Stille"
'Unstillbare Sehnsucht nach Stille'
24.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gaggenau - Prosa, Musik und Lyrik verbanden sich am Freitagabend im Kammermusiksaal der Schule für Musik und darstellende Kunst zu einem harmonischen Ganzen.

Unter dem Motto "Literatur & Musik" las Wolfgang Tzschaschel aus seinem Debüt-Roman "Tannbacher Idyll", wobei die gespielten Werke und vorgetragenen Gedichte mehr als nur einen Rahmen bildeten.

Die gemeinsam mit der Buchhandlung "Bücherwurm" organisierte Veranstaltung stellte für die Gaggenauer Musikschule eine Premiere dar. Die Idee dazu hatte der Flötist und Fachbereichsleiter Jochen Baier, der sich vor den rund 30 Zuhörern, die den Weg ins Dachgeschoss des Schulhauses gefunden hatten, als "sehr literaturaffin" bekannte. Er kennt Tzschaschel als Konzertkritiker des BT, als Amateur-Oboist, der immer noch Unterricht an der Musikschule nimmt, und als Mitglied im hauseigenen Sinfonieorchester.

Barbara Gutmann, die moderierte und rezitierte, sprach in ihrer Einführung von der "unstillbaren Sehnsucht nach Stille", die den befreundeten und auch familiär verbundenen Autor gemeinsam mit seiner Liebe zur Musik und zur Sprache präge.

Der Wunsch nach Stille - oder negativ gewendet der Abwesenheit von Lärm - charakterisiert auch den Protagonisten des Romans, den Berufsmusiker Klaus Gronius. Dessen Instrument, das "Dicke Schwein", wie dieser den Kontrabass halb ehrfürchtig, halb zornig tituliert, stand an diesem Abend als ironisches Zitat in Gestalt eines Kontrabasskastens prominent platziert im Raum.

Der Roman behandelt einen Ausschnitt aus Gronius' Leben, der unvermittelt einsetzt und fast ebenso überraschend schließt. Es ist eine Geschichte, die um Musik und Stille, um Liebe und Lärm kreist und am Ende Hoffnung hinter- oder offenlässt.

Keine Helden, aber Helden des Alltags

Tzschaschel zeichnet seine vornehmlich bildungsbürgerlichen Figuren mit feinen Strichen und bei aller Sympathie auch mit feinem Spott. Ihr Handeln ist komisch oder vielmehr zutiefst menschlich, es sind keine Helden, aber vielleicht gerade deswegen Helden des Alltags.

Das ist gleichermaßen amüsant und erhellend zu lesen und war es am Freitagabend noch mehr zu hören. Nach kurz etwas zögerlichem Beginn gewann die Stimme von Wolfgang Tzschaschel schnell an Farbe und melodischem Reichtum. Die feinsinnige Sprache und die in ihr enthaltene Ironie erhielten so ungemein bildhafte Konturen, sehr zum Vergnügen des Publikums, aus dem bei der Lesung öfters Kichern zu hören war.

Für den musikalischen Teil des Abends zeichneten Jochen Baier (Flöte), seine Musikschulkolleginnen Daniela Filipova (Klavier) und Gudrun Rademacher (Akkordeon) sowie Baiers Schülerin Lisa Kahles (Flöte) verantwortlich. Musik und Literatur wechselten sich dabei nicht nur ab, sie fanden zueinander. Die Empfindsamkeit der Sprache spiegelte sich in der Auswahl und vor allem der Interpretation der Kompositionen zwischen Barock und Romantik, von Bach und Scarlatti über Mozart und Schubert beziehungsweise Theobald Böhm bis zu Reger.

Höhepunkte waren die von Rademacher mitfühlend dargebotenen Stücke "Bange Frage" und "Versöhnung" aus Regers "Aus der Jugendzeit" sowie ganz am Ende das Schubertsche "Ständchen", das Filipova und Baier in der Bearbeitung von Böhm hinreißend intonierten.

Für die Lyrik sorgte Barbara Gutmann. Auch ihre Auswahl an Gedichten spiegelten Themen und Stimmung des Abends treffend wider - neben Musik, Liebe und Naturempfindung gab es Heiterkeit, Ironie und einen Schuss Wehmut. So bleibt zu wünschen, dass das Format "Literatur & Musik" in der Musikschule bei Gelegenheit eine Fortsetzung erfährt, in welcher Zusammensetzung auch immer.

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