Von der Schönheit und Hintergründigkeit der Welt
Prof. Rudolf Engel aus Baden-Baden während seiner Laudatio im Künstlerhaus Wolf.  Foto: Gutmann
09.05.2018 - 00:00 Uhr
Gaggenau (gut) - "Ich hielt zum ersten Mal einen echten ,Birg' in den Händen - und schon hatte ich die Laudatio ,am Hals'", so launig begann die Rede des in Baden-Baden lebenden Bildhauers Professor Rudolf Engel am Sonntag bei der Vernissage für die Ausstellung mit Werken von Otto Birg - durch seine Begeisterung über das Ölbild, das er in der Galerie von Peter Sommerfeld, "zufällig" entdeckte.

Dieser hat als Vorsitzender des Kunstvereins Zeitkunst die Ausstellung initiiert, die 51 der schönsten Werke des überregional bekannten Malers in Bad Rotenfels präsentiert. Die Initiative ging von Sohn Andrej Birg aus, der den Nachlass von rund zweitausend Werken des seit 1961 in Gernsbach lebenden Künstlers verwaltet.

Viele "echte Birg" bewundern konnten die Besucher, die sich in dem kleinen Galerie-Raum im Künstlerhaus Wolf einfanden. So empfing die Besucher gleich eine expressive Farbigkeit beim Betreten des Galerieraumes, in dem die Bilder verschiedener Techniken dicht an dicht gehängt sind. Das ist indes kein unangenehmer Eindruck, so konnte man doch während der klugen, philosophierenden Werkeinführung Rudolf Engels die Augen schweifen lassen und die Bilderläuterungen verstehen.

1924 im südosteuropäischen Banat geboren, konnte Otto Birg nach etlichen "Lern- und Studienstationen von 1948 bis 1954 bei Karl Hubbuch und Erich Heckel an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studieren", führte Engel aus. "Sein künstlerischer Werdegang ist wesentlich unter dem Einfluss dieser beiden Malergrößen und somit epochal mitten in der damaligen Zeitströmung im Deutschland der Nachkriegszeit." Der gänzlich eigenständige Malstil weist Birg dennoch unverkennbar als Meisterschüler der Malklasse seines Förderers Erich Heckel aus, Maler und Grafiker des Expressionismus, der zu den Mitbegründern der Künstlergruppe "Brücke" zählte.

"Als Südeuropäer geboren, scheint der Maler vor allem in die lichterfüllte mediterrane Landschaft verliebt, vornehmlich in die dalmatinische Küsten- und Inselregion", so Engel.

Zur Werkdeutung wählte er das Bild "Paradies", das auf dem Plakat zur Vernissage abgebildet ist. Man wird zum Betreten des Paradiesgartens durch ein Tor herbeigewinkt: dominiert wird das Bild von zwei üppig weiß-rosa blühenden Apfelbäumen. "Was allerdings stutzig macht, ist vielleicht exemplarisch für das Gesamtwerk." Denn die Stämme und Äste der Bäume erscheinen geradezu symbolistisch in einem tiefen Indigoblau, was Engel als eine "gewollte Dualität" sieht: "Das Zusammenweben von real existierender Wirklichkeit mit der in Farbe getauchten Sehnsucht nach einem längst verloren gegangenen Paradies."

Von der Schönheit und Hintergründigkeit der Welt, von denen die Vielfalt der Exponate zeugen, konnten sich die Besucher gefangen nehmen lassen. Birgs überregionaler Erfolg ist durch eine lange Liste von Ausstellungen im In- und Ausland gekennzeichnet, begonnen 1952 in Baden-Baden.

Der 2015 in Gernsbach verstorbene Maler verfügt über ein umfangreiches Spektrum auch an graphischen und malerischen Bildtechniken, die seine Zeichnungen, Aquarelle und Holzschnitte auszeichnet. Sein Sohn hatte zudem eine große Mappe an Holzdrucken verschiedener Werketappen des Vaters ausgelegt, in der nach Lust und Laune gestöbert und gekauft werden konnte.

Als "Hausherr" der kleinen Galerie hatte Klaus Adam zur Begrüßung einen kurzen Abriss zur Geschichte des Hauses Wolf gegeben, das seit Generationen in Familienbesitz ist, und das er zur künstlerischen Begegnungsstätte und Galerie 2013 umgewidmet hat.

Auch Peter Sommerfeld begrüßte die Besucher des Vereins Zeitkunst. Dessen zweite Vorsitzende, die russische Konzertsängerin Ulianah Nesterova, hat als Leiterin des Zentrums für Stimmbildung und Gesangskunst mit ihren Solisten ein umfangreiches musikalisches Rahmenprogramm gestaltet.

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