http://www.initiative-wertvolle-zukunft.org/wvz2016/erbschaft/
Herrschaft -Glaube - Seelsorge
Stadtarchivar Winfried Wolf (rechts) und Christoph Rehm in der Ausstellung im Gernsbacher Alten Amtshof.  Foto: Gareus-Kugel
12.06.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (vgk) - Vor 775 Jahren wurde die St. Jakobskirche aus der Mutterpfarrei Rotenfels herausgelöst und zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Gleichwohl ist es ein Jubiläum, das von allen Pfarreien des Murgtals, egal ob katholisch oder evangelisch, von Hörden bis Forbach gefeiert werden kann. Sie alle haben die gleichen Wurzeln, dargelegt in einer sehenswerten Ausstellung "Herrschaft - Glaube - Seelsorge" im Alten Amtshof. Christoph Rehm und Stadtarchivar Winfried Wolf erarbeiteten dafür die Konzeption.

Die feierliche Ausstellungseröffnung war der Einstieg in die Festwoche. Sie dauert noch bis zum kommenden Sonntag an, geprägt von Orgelkonzerten, ökumenischen Gottesdiensten, einer Kirchenrallye von der Orgel bis zum Kirchturm sowie einem Badischen Abend. Auch das sonntägliche Patrozinium in der Herz-Jesu-Kirche war diesem besonderen Ereignis gewidmet.

Das Jubiläum steht unter dem Motto "Kirche - Floß der Zeit". Die Begrüßung der zahlreichen Gäste übernahm Pfarrer Ulrich Eger von der Jakobsgemeinde. Die Dankesworte sprach abschließend Dekan Pfarrer Josef Rösch von der Seelsorgeeinheit Liebfrauen.

775 Jahre Kirchengeschichte können nicht losgelöst von 800 Jahren Stadtgeschichte betrachtet werden, sagte Schirmherr und Altbürgermeister Dieter Knittel. Er machte zudem deutlich, dass die 775 Jahre kein statischer Zeitraum seien. Vielmehr spiegele die Zeit die alltäglichen Auseinandersetzungen mit den Herrschaftsstrukturen wider.

Positiv sei jedoch die Kultur des konfessionellen Miteinanders, entwickelt über die Jahrhunderte hinweg. Als Beispiele und als Zeichen stetiger Veränderung nannte Knittel unter anderem die von den Kirchengemeinden und von städtischer Seite unterstützte Bücherei sowie die Sozialstation.

"Wo kommen wir her, wo wollen wir hin, wo stehen wir heute? Das sind Fragen, die zu stellen für uns Menschen sinnvoll, ja notwendig sind. Was trennt, was verbindet uns?" Dies kommt im Fall der evangelischen und katholischen Christen als wichtiger Punkt hinzu. Einige Antworten darauf verspricht die Ausstellung, so Bürgermeister Julian Christ.

In einer Vitrine im Alten Amtshof gut und sicher untergebracht liegt das wohl älteste Zeugnis religiösen Lebens in Gernsbach. Das Notenblatt wird auf 1219 datiert. Es diente einmal der Reichentaler Dorfchronik als Einband. Vermutlich war das von der Zeit dunkel gegerbte Blatt einmal Teil eines Gebetbuches, das in einem der nahen Klöster Verwendung fand, gab Wolf auf Nachfrage Auskunft.

Auf Fahnen stehen sich in chronologischer Reihenfolge kirchliche Ereignisse gegenüber, eingebettet in den geschichtlichen Kontext. Zwei Heiligenfiguren und Barock-Engel, einst Teil der Liebfrauenkirche, sowie ein schön ausgearbeiteter Abendmahlskelch sind zu sehen. Die Gründungsakte der Pfarrei Gernsbach von 1243 ist lediglich in einer Kopie aus dem 18. Jahrhundert überliefert.

Kirchenspaltung, Reformation, Gegenreformation, Gleichberechtigung der beiden Konfessionen, festgeschrieben im Westfälischen Frieden, sowie die Auswirkungen auf den Alltag in Gernsbach und die Konzeption der Ausstellung beleuchtete Christoph Rehm bei seinem Vortrag. Er konnte anschaulich das Hin und Her der Konfessionen in Gernsbach darlegen, das oft recht seltsame Blüten trieb.

So forderte die Belegung des öffentlichen Raums mit Heiligenfiguren wie der Heiligen Anna am Alten Rathaus oder dem Nepomuk an der Brücke für reichlich Ärger unter den Protestanten. Unter anderem wurde dem Brückenheiligen deshalb der Kopf abgeschlagen. Im Alten Amtshof geben noch bis zum Sonntag ,17. Juni, täglich und vom 24. Juni bis zum 22. Juli jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr schriftliche Quellen, Volkskunst und Kunstwerke Einblicke in das religiöse Leben früherer Jahrhunderte.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung die hohen Mietkosten dämpfen, die viele Bürger besorgen. Fürchten Sie, sich in Zukunft Ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können?

Das ist schon der Fall.
Ja.
Nein.
Ich bin in keinem Mietverhältnis.


Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1