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Sahnehaube im Kfz-Himmel
Hans Ospelt mit seinem Mercedes 'Strich 8'. Der Langenbrander mit schwäbischen Wurzeln plant eine Ausfahrt zur Burg Hohenzollern.  Foto: Vogt
20.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Wenn Hans Ospelt die Garage öffnet, strahlt ein Leuchten auf seinem Gesicht, denn dort steht sein Schätzchen: Ein W 115 von Mercedes-Benz aus dem Jahr 1973, im Volksjargon "Strich 8" genannt. Ospelt, Langenbrander mit schwäbischen Wurzeln, hat sich lange umgesehen, bis er den Benz vor vier Jahren gekauft hat. Seither wird das Auto liebevoll gehegt, aber auch gefahren.

Spätestens bei jedem Tankstellenbesuch wird Ospelt klar, dass sein Auto etwas Besonderes ist. Nicht nur, dass er dem 95-PS-Motor auch immer noch ein Blei-Additiv spendieren muss, Neugierige fragen, ob sie einen genaueren Blick auf das Fahrzeug werfen dürfen.

"Das Auto ist immer noch eine große Baustelle", grinst Ospelt und wischt ein paar kaum sichtbare Staubflocken vom glänzenden Lack. "Wer einen Oldtimer hat, der weiß, dass das Schrauben nie aufhört." Aber genau das gehört für Ospelt eben dazu. Aufgewachsen in der Werkstatt des Vaters, hat sich für ihn seither das ganze Leben rund um Autos gedreht. Heute arbeitet der gelernte Kfz-Mechaniker bei Mercedes im Pkw-Werk in Rastatt. So war der "Strich 8" sozusagen die Sahnehaube im Kfz-Himmel des 51-Jährigen.

Er ist ein ganz besonderer Mercedes-Fan. Gut sichtbar ist das schon am Autoschlüssel, der an einem Stern hängt. Das Motiv zieht sich durch bis zum Wackeldackel auf der Hutablage, auch der trägt einen Stern am Halsband. Dass daneben der obligatorische Hut und die Klorolle im Häkelhütchen thront, das gehört einfach zum Look der 70er dazu. Ospelt ist die Freude anzumerken, wenn man diese Feinheiten anspricht.

Andere Spezialitäten seines Autos erkennen dagegen nur echte Kenner. Sein W 115, der im März 1973 erstmals zugelassen wurde, ist ein Übergangsauto. "Es gab zwei Typen. Meiner ist genau zwischen Typ 1 und 2 und müsste eigentlich W 114,5 heißen", erklärt er. Insider erkennen es daran, dass das weiße Lenkrad vom Typ 1 ist, aber ohne Lenkradschaltung. Der Automatikhebel ist bereits in der Mittelkonsole eingebaut, das gab es eigentlich erst ab Typ 2. Auch die "Schmetterlingsfenster" stammen vom Typ 1. Diese bunte Mischung zieht sich durch das ganze Auto, mit komplizierten Konsequenzen für den Fan. Geht etwas kaputt, muss Ospelt das Teil erst ausbauen, um festzustellen, ob er ein Ersatzteil von Typ 1 oder 2 suchen muss. Genau diese Herausforderungen reizen Ospelt, der schon als Jugendlicher lieber mit ölverschmierten Händen an Motoren herumgeschraubt hat, als mit seinem Bruder in die Disco zu gehen.

Mit seiner Frau Claudia teilt er heute die Leidenschaft für den "Strich 8er". Seit das Auto sozusagen zur Familie gehört, fährt das Ehepaar damit auch regelmäßig in Urlaub und war schon an der Côte d'Azur und in Italien. Dass unterwegs auch mal etwas kaputt geht oder die Urlauber erst einmal in eine Werkstatt abgeschleppt werden müssen, das sind unvergessliche Urlaubserinnerungen, die Gattin Claudia nicht abschrecken. "Sie besteht drauf, dass wir dieses Jahr wieder mit dem Oldie nach Italien fahren", erzählt Ospelt.

Eine Fahrt in dem Benz ist ein Zeitsprung: Der 95-PS-Motor röhrt, der Keilriemen quietscht ein wenig, aber die Dreigang-Automatik schaltet butterweich. In den bequemen, cognacfarbenen Sitzen ("keine Schalensitze, kein Seitenhalt, aber dafür wie Fernsehsessel") cruised man wie anno dazumal entspannt und mit einem gewissen Gefühl von Luxus. Das alles ohne Überwachungs- und Hilfsassistenten. Ospelt hat sich nur ein modernes Teil eingebaut. Hinter der alten Blende des 70er-Jahre-Autoradios verbirgt sich ein modernes Gerät inklusive Freisprecheinrichtung.

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Ospelt mit der Oldtimer-Szene. Eins ist ihm in der Zeit klar geworden: "Du musst dich vernetzen, der Austausch mit anderen Oldtimer-Fans macht nicht nur Spaß, sondern hilft auch, wenn man selbst mal Probleme mit dem Auto hat." Er will diese Verbindungen nicht unbedingt in einem Verein pflegen, seine persönliche Freiheit ist ihm wichtig, eine Konkurrenz zu bestehenden Vereinen und Verbindungen möchte er auch nicht aufbauen.

Trotzdem würde er sich über gemeinsame, unverbindliche Aktionen freuen. Mit Freunden plant er für Samstag, 21. Juli, eine gemütliche Oldtimer-Ausfahrt in seine alte Heimat, am Fuß der Burg Hohenzollern. "Wir wollen uns um 9 Uhr an der Festhalle in Langenbrand treffen und dann gemütlich über Freudenstadt in etwa zwei Stunden in Richtung Hohenzollern fahren."

Die genaue Route erkundet er noch mit einem Oldtimer-Fan und den Ehefrauen. Wer sich gerne an der Ausfahrt beteiligen oder einfach nur zum morgendlichen Treffen in Langenbrand mit seinem alten Auto kommen möchte, der sollte sich bis zum 14. Juli bei Hans Ospelt per E-Mail anmelden: ospelt@web.de. "Das wäre klasse, damit wir wissen, wie viele Autos dabei sind."

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