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"Anderssein selbst erfahren"
Rollstuhl-Basketball macht Spaß, stellen die mit Eifer spielenden Schüler erstaunt fest. Hegmann
29.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Hans-Peter Hegmann

Gaggenau - Mit den Klassenkameraden zusammen während einer Sportstunde im Rollstuhl sitzen und dabei Spaß haben? Das konnten sich bis am Dienstag die Schüler der dritten und vierten Klasse der Eichelberg-Grundschule Bad Rotenfels auch nicht vorstellen.

Nachdem sie eineinhalb Stunden mit Anleitungen des ehemaligen Nationalspielers im Rollstuhl-Basketball, Marcus Hopp, durch die Turnhalle gekurvt waren, gab es keinen Zweifel mehr: Basketballspielen im Rollstuhl macht sogar jede Menge Spaß - und selbst Kinder in diesem Alter stellen dabei fest, dass man auch als eingeschränkt mobiler Mensch nicht ausgeschlossen sein muss. Angeregt und organisiert wurde die vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) angebotene Aktion "Behindertensport macht Schule" von der Lehrerin Katja Walter im Rahmen des vielfältigen sportlichen Angebots an der Grund- und Hauptschule. Das Ziel ist, Kindern und Jugendlichen die Bedingungen, unter denen die Menschen mit Behinderung tagtäglich leben müssen, nahezubringen und gleichzeitig die Hemmschwelle für Interaktionen abzubauen.

Obwohl der Heidelberger Hopp wegen des Verkehrs auf der B462 leicht genervt mit einiger Verspätung in der Schule eintraf, war er bei seiner Vorstellung schon wieder bester Laune. Er erklärte den Kindern zunächst, dass er das nicht aus Spaß mache.

Er sei wegen eines Verkehrsunfalls mit den Folgen einer inkompletten Querschnittslähmung auf dieses Fortbewegungsmittel angewiesen. Dabei klingt es für Außenstehende fast etwas sarkastisch, wenn er ergänzt, dass er aber noch sehr viel Glück gehabt habe. Er bezieht es darauf, dass es behinderte Menschen gebe, die nicht einmal mehr den Oberkörper und die Arme bewegen können. Zwar sei das Sitzen im Rollstuhl eine Herausforderung, aber man könne sie bewältigen.

Wie, das führt der Rollstuhlfahrer mit Welt- und Europameister-Titel danach ganz lässig vor. Eine Turnmatte dient als Gehweg. Er kippt seinen Rollstuhl leicht nach hinten, balanciert locker auf den beiden großen Rädern und fährt mit den vorderen Rädern über die Matte, wo er sie wieder absenkt. Allerdings könne man mit diesem Stuhl nicht unbedingt Sport betreiben. Dafür stehen in der Halle zehn extra konstruierte Rollis zur Verfügung. Hopp erklärt die Vorteile wie extreme Wendigkeit, hohe Kippstabilität und Schutz gegen Verletzungsgefahren beim hektischen Spiel.

Endlich dürfen sich die ersten Kinder selbst in einen der Rollstühle mit den schrägen Rädern setzen. Sie stellen aber auch recht schnell fest, dass es nicht ganz so einfach ist. Hopp gelingt es jedoch schnell, mit Fahrübungen den Umgang zu vermitteln. Vorwärts- und rückwärtsfahren, weite Kurven in beiden Richtungen oder Drehen auf der Stelle wird erklärt und gemeinsam geübt. Die roten Basketballbälle kommen dazu, und Hopp erklärt noch ein paar spezielle Techniken, wie man den Ball aus dem Sitzen mit Hilfe des Rades aufnimmt. Die ersten beiden Mannschaften erhalten farbige Leibchen und versuchen sich im Körbewerfen aus den Sitzen. Der eigene Ehrgeiz und das Anfeuerungsgeschrei von außen lassen die Kinder recht schnell vergessen, dass sie ja gar nicht auf den eigenen Beinen durch die Halle rennen.

Der neunjährige Dionis meint hinterher: "Ich glaube jetzt, dass man auch Spaß haben kann, wenn man im Rollstuhl sitzen muss." Der Fachmann, der diese Situation immer wieder erlebt, ergänzt: "Hier haben die Schüler Gelegenheit, das Anderssein am eigenen Leib zu erfahren, praktisch und mit Spaß und ohne lange Vorträge. Sport ist ein ideales Transportmittel, um den Umgang mit Behinderten ohne Ängste oder Vorbehalte selbst zu erleben", ist Marcus Hopp überzeugt.

Als er die Klassen beim Abschied auffordert, im Alltag aufmerksamer zu werden auf Menschen, die in der Fortbewegung eingeschränkt sind, ist es mucksmäuschenstill in der Halle. "Damit meine ich auch Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollator oder Stock", gibt er den Kindern mit auf den Weg.

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