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Strafsache im Graubereich
Strafsache im Graubereich
04.07.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Die Strafsache, die gestern vor dem Amtsgericht Gernsbach verhandelt wurde, rückte einen Graubereich in den Mittelpunkt, der immer dann entstehen kann, wenn öffentlich-rechtliche Vorschriften nicht eingehalten werden und Vereine oder private Ordnungsdienste für die Sicherheit sorgen sollen.

So wie beim alljährlichen Fastnachtsumzug in Gernsbach. Dort wollte ein Anwohner am 3. Februar gegen 12.40 Uhr durch die gesperrte Färbertorstraße fahren, wurde von den Verantwortlichen aufgehalten, geriet mit ihnen in Streit und nutzte schließlich sein Fahrzeug dazu, ein Mitglied der Waldschädder "beiseitezuschieben". Dabei erlitt der 49-Jährige eine Prellung am Knie, was ein Attest bestätigte.

Der Angeklagte betonte, den Geschädigten "in keinster Weise" wissentlich angefahren zu haben: "Ich habe ihn bestimmt nicht berührt." Früher hätten ihn die Einsatzkräfte bei derlei Veranstaltungen stets durchgelassen, deshalb wollte er sich auch dieses Jahr wieder im Schritttempo an der Absperr-Bake oberhalb des Mühlgrabenwegs vorbeischleichen. Als er per Handzeichen dazu aufgefordert worden sei, stehen zu bleiben, hätten die Security-Leute "mit hoheitlichen Aufgaben argumentiert" und seien schnell "sehr barsch geworden".

Kurz darauf sei ein Hästräger der Waldschädder hinzugekommen, habe sich vor sein Fahrzeug gestellt und ihm das Stoppzeichen signalisiert. Als der Angeklagte trotzdem langsam weiter vorwärts fuhr, habe der Fastnachter heftig auf seine Motorhaube geschlagen und diese beschädigt (bis zu 2000 Euro Schaden). Danach sei die Polizei gekommen, habe den 72-Jährigen dazu aufgefordert, nicht durch die Absperrung zu fahren und den Bereich zu verlassen. Von einer Verletzung des Hästrägers habe er nichts mitbekommen: "Der lief ganz normal weg."

Veranstalter steht im Regen

Die zwei Security-Mitarbeiter schilderten den Vorgang anders. Ihnen zufolge sei der Angeklagte sofort sehr aufgebracht ("auf 180") gewesen, als man ihn darauf hinwies, dass der Altstadtbereich wegen des Narrenbaumstellens und des Umzugs ab 11 Uhr für den öffentlichen Verkehr gesperrt sei und es auch für Anlieger keine Ausnahmen gebe. Man habe ihn dazu aufgefordert, auf dem nahe gelegenen Färbertorplatz zu parken. "Es war schon gut was los, viele Hästräger auf dem Weg", erklärte der 28-Jährige Security-Mitarbeiter und verwies auf seine Verantwortlichkeit für die Sicherheit der Besucher. Sein Kollege bestätigte das. Er habe auch gesehen, wie das Fahrzeug des Angeklagten im Schritttempo vor das Knie des Geschädigten gefahren sei. Der Waldschädder selbst betonte: "Ich war total perplex, was da jetzt gerade passiert." Er sei durch die verbale Auseinandersetzung auf das Problem aufmerksam geworden und zur Hilfe geeilt, "weil die Situation drohte, zu eskalieren". Als er den Druck auf seinem Knie spürte, habe er versucht, sich am Fahrzeug festzuhalten - bewusst auf die Motorhaube geschlagen habe er nicht, versicherte er.

Verteidiger Mathias Albrecht räumte ein, dass die Situation eskaliert sei, obwohl sich die Verantwortlichen korrekt verhalten hätten. Aber man müsse sich die Frage stellen, wer was darf? Denn: "Weder Security, noch Veranstalter hatten das Recht, sich in den Weg zu stellen und ihn an der Weiterfahrt zu hindern." Das bestätigte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch: "Es ist ein Graubereich, in den die Ordner da eintauchen." Sie stünden diesbezüglich "im Regen. Der Veranstalter hat sich um alles zu kümmern, aber keine amtlichen Befugnisse", erklärte Koch: "Private dürfen öffentlich-rechtliche Vorschriften nicht durchsetzen."

Dennoch stehe fest, dass der Angeklagte nicht in den abgesperrten Bereich fahren durfte. Von daher handele es sich um versuchte Nötigung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Dafür verurteilte der Richter den 72-Jährigen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 30 Euro und einem Monat Fahrverbot. Hinzu kommen die Verfahrenskosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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