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"Eine große Chance wurde vertan"
'Eine große Chance wurde vertan'
23.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Mehr als eineinhalb Jahre intensive Arbeit, ein umfangreicher, notariell beurkundeter Verschmelzungsvertrag, eine 46-seitige Satzung und eine Schiedsordnung: Alles für die Katz! Die Enttäuschung war den Verantwortlichen des Kreisverbands Rastatt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) anzumerken, als im Bürgerhaus von Lautenbach die angestrebte Fusion mit dem Kreisverband Bühl/Achern zum neuen Kreisverband Mittelbaden jäh zerplatzte (wir berichteten).

Vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung hatten Kreisvorsitzender Michael Pfeiffer und der Gernsbacher Ortsvereinsvorsitzende Volker Hildenbrand als Gastgeber sowie die Geschäftsführerin des DRK-Landesverbands Baden, Birgit Wiloth-Sacherer, noch einmal kräftig die Werbetrommel für einen Zusammenschluss der beiden Kreisverbände gerührt. Alle sprachen von einer historischen Versammlung und appellierten, dass es nicht um das Wohl und Wehe einzelner Ortsvereine gehe, sondern darum, einen schlagkräftigen, zukunftsfähigen Kreisverband zu gründen. Pfeiffer bat um Solidarität: Man müsse sich die Frage stellen, "von welcher Lösung die DRK-Gemeinschaft am meisten profitiert" - und diese Lösung könne nur Verschmelzung lauten.

Das bestätigte Birgit Wiloth-Sacherer: "Der Zusammenschluss stärkt die Rotkreuzarbeit hier vor Ort. Ein großer, starker Kreisverband ist zum Wohl der Bevölkerung, der wir die bestmögliche, aber auch eine einheitliche Versorgung anbieten möchten. Die Zusammenarbeit mit Behörden wie dem Landratsamt, aber auch mit den anderen Hilfsorganisationen, ist dann leichter und aus einem Guss. Und: Die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der Verschmelzung ergeben, nützen vor allem unserem Ehrenamt."

Letzteres sehen nicht wenige DRKler mittelfristig in Gefahr - vor allem, was die kleineren Ortsvereine anbelangt. "Ihnen können wir nicht helfen", sagte ein konsternierter Kreisvorsitzender Pfeiffer nach dem für ihn und seine Mitstreiter so enttäuschenden Wahlausgang: "Das bedeutet, dass wir weiter mit dem Rücken zur Wand stehen." Dennoch rief der Gaggenauer Bürgermeister dazu auf, auch in Zukunft zusammenzuarbeiten.

Ortsverein Gernsbach feiert 150-Jähriges

Dieser Ruf galt wohl insbesondere dem mächtigen Ortsverein Rastatt, der mit seinen 36 Delegierten einen Großteil der 65 Nein-Stimmen stellte. Im Vorfeld der Abstimmung galten in DRK-Kreisen zudem die Delegierten der Ortsvereine Iffezheim und Plittersdorf als mögliche Gegner der Kreis-Verschmelzung. Die geheime Abstimmung brachte letztlich die Gewissheit: Von den 192 anwesenden Delegierten hätten 144 für die Fusion stimmen müssen, es waren nur 126. Bei der gleichzeitigen Kreisversammlung von Bühl/Achern in Greffern sah es ganz anders aus: Dort stimmten 95 Prozent für die Fusion.

Tief enttäuscht zeigte sich nach der Versammlung auch Hildenbrand. Vordergründig sei sein Ortsverein Gernsbach, der mit nunmehr 150 Jahren zu den ältesten überhaupt in ganz Deutschland gehört, zwar nicht betroffen. "Aber für die Zukunft sehe ich ganz große Schwierigkeiten" - vor allem, was die Finanzen und das Ehrenamt anbelangten. Nicht zuletzt wäre es durch einen großen Kreisverband Mittelbaden möglich geworden, in Rastatt eine Servicestelle Ehrenamt einzurichten, mehr Geld in die Weiterqualifikation zu investieren und die ehrenamtliche Arbeit durch hauptberufliche Kräfte besser zu begleiten.

Das unterstrich die Landesgeschäftsführerin und verwies auf große Herausforderungen für die Ortsvereine bei Themen wie Digitalisierung, Arbeitsschutz, Qualitätsmanagement oder Datenschutz. "Wir haben uns für die Menschen hier einzusetzen, für Verletzte, Beschädigte, für Menschen in Not! Und das ist gemeinsam leichter, als wenn jeder alleine seine Interessen und Ziele verfolgt", betonte Wiloth-Sacherer.

Das sahen offenbar einige Delegierte anders. Nachdem das Abstimmungsergebnis verkündet worden war, gab es in den Reihen des Ortsvereins Rastatt verhaltenes Klopfen auf den Tischen. Die große Mehrheit jedoch war geschockt. "Die Enttäuschung ist groß, dass für eine zukunftsfähige Rot-Kreuz-Arbeit in der Raumschaft kein ausreichendes Quorum erreicht wurde", bilanzierte die Geschäftsführerin des DRK-Landesverbands Baden: "Eine große Chance wurde vertan."

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