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Lautenbach lag früher mal am Äquator
06.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Der Beginn der Wanderung, zu der der Obst- und Gartenbauverein Lautenbach eingeladen hatte, gestaltete sich schon mal spektakulär. Trotz höchst sommerlicher Mittagstemperaturen am Freitag hatte Dr. Andreas Megerle allen Mitwanderern das Tragen mindestens knöchelhoher Schuhe zur Vorbedingung gemacht. Der Wanderführer aus Waldbronn gab Handschuhe aus, Schutzbrillen und schwere Metallhammer ebenso. Geologisches Wissen wurde nicht vorausgesetzt, Neugier jedoch schon.

"Unser Dorf einmal anders: Eine Reise in die Erdgeschichte" hatte der OGV einen seiner Höhepunkte im Jahresprogramm genannt. Und die Teilnehmer erfuhren während dieser geologischen Tour von Megerle, dem promovierten Geographen, Landschaftsexperten und früheren Wissenschaftler an der Uni Tübingen und im KIT Karlsruhe, Interessantes, Erstaunliches und kaum Vorstellbares. Zum Beispiel, dass da, wo wir unseren Schwarzwald wissen, ganz früher der Äquator verlief. Nicht, weil der Äquator gewandert wäre, sondern die Kontinentalmasse hat sich verschoben. Wie aber beweisen, was vor 350 Millionen Jahren war, damals im Karbonzeitalter, als die Steinkohle entstand, im Perm, als der Schachtelhalm baumhoch wuchs, im Trias, als bis zu sechs Meter lange Frösche ihr Auskommen hatten und auch hier Vulkane Lava spuckten, Granit und Basaltgesteine entstanden?

Ausschau halten nach auffälligen Steinen

Neben Fossilienfunden sind es die Steine, deren Einschlüsse und Schichten das beweisen. Davon gibt es ja viele rund um Lautenbach, teils zu Grus zerkleinert oder auch in beeindruckenden Größen, und alle auf den ersten Blick meistens irgendwie nur grau, manchmal auch moosbedeckt. Den Blick auf deren "innere Werte" zu schärfen, hatte sich Megerle zur Aufgabe gemacht, und schon bald hefteten sich die Augen aller 17 Teilnehmer fest auf den Waldboden. An der Illertkapelle begonnen, die Alte Weinstraße hinauf auf 600 Höhenmeter, über "Krumme Weg" und "Lange Wiese" und wieder hinab zum Stauweiher und dem ehemaligen Steinbruch am Illert-Rank nach auffälligen Steinen Ausschau zu halten, war die Aufgabe. Schon bald wurden die ersten fündig, und dann wurde es ernst.

Also Handschuhe anziehen, die Schutzbrille aufsetzen, einen steinigen Untergrund als Amboss wählen und zum Hammer greifen. "Wir müssen sehen, was im Inneren der Steine verborgen ist", so der Geologe. Manch kleiner, rötlicher Rundstein bricht ohne großen Kraftaufwand. Forbach-Granit, im geologischen Sinne ein "Jungspund", und auch Badischer Bausandstein, gut für Bauzwecke und besonders für Beschriftungen gut geeignet, waren während des Rundgangs zu bewundern. Eine Wanderin hatte einen Muschelkalk sauber gerieben, zu schade zum Zerstören.

Die beachtliche Sammlung überraschte sogar das geschulte Auge des Geologen: Steine mit Karbon- und Lavaeinschüben, ein Bergkristall, Magmareste im Granit, Steine mit Wellenriffel, graue Steine mit Achat-, Feldspatkristall- und Eiseneinschlüssen, die grauen Stein zu Tigersandstein veredelten.

Eine Besonderheit machte ebenfalls die Runde, ging von Hand zu Hand: ein Stein aus verkieseltem Holz, das durch Wind, Wasser und Sand geformt, zu Stein geworden, älter als die Wüste ist. Und später holte Megerle ein Fläschchen verdünnte Salzsäure aus seiner geräumigen Umhängetasche, scheuchte den neugierig heraneilenden mitgeführten Hund zur Seite und tropfte mit der Pipette ätzende Flüssigkeit auf einige ausgelegte Steinchen. Mit unterschiedlicher Reaktion.

Es schäumte sichtbar, aber nur auf einem der Steine. "Im Buntsandstein ist kein Kalk, im Wegschotter schon." Ein Grund auch dafür, wie verschieden sich die Vegetation am Weges- und Waldrand darstellt: hier Kiefern, da Heidelbeerbüsche oder Farne und Moose.

Erstaunlich, was man auf nur wenigen Kilometern Wegstrecke so alles finden und lernen kann. Zum Beispiel auch, dass, obwohl Gebirge immer mehr abgetragen werden, manche Sedimentgesteine sogar heute noch wachsen können, wenn sich kalkhaltiges Material in Verbindung mit Wasser und unter großem Druck schichtweise an bestehende Steine ablagert.

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