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In der Markgrafschaft einmalige Geschichte
Ausschnitt aus einem Stich um 1800: Die St. Jakobskirche und die Liebfrauenkirche beherrschen die erhöht liegenden ursprünglichen Siedlungskerne der Stadt.Repro: Zorn
16.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Cornelia Zorn

Gernsbach - In diesem Jahr feiern die Gernsbacher Kirchengemeinden 775 Jahre Pfarrei Gernsbach. Das BT nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, im Rahmen der Aktion "BT öffnet Türen" speziell die Bauten und Kunstschätze der Gernsbacher St. Jakobskirche und der Liebfrauenkirche vorzustellen, an denen sich die hoch komplizierte und einmalige Kirchengeschichte der Stadt besonders anschaulich dokumentieren lässt. Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden und findet am 30. August statt.

"War diese Kirche schon immer katholisch?" Die scheinbar banale Frage, gestellt am Portal der Liebfrauenkirche, erregt meist ein Schmunzeln bei den Teilnehmern der Erlebnis-Stadtführung des Gernsbacher Historienstadels. Dabei ist sie gar nicht so einfach zu beantworten. Es gab Zeiten, da war diese Kirche nicht katholisch.

Auch die St. Jakobskirche war nicht immer evangelisch. Und doch blicken beide Konfessionen in diesem Jahr gemeinsam auf 775 Jahre Kirchengeschichte zurück. Bei der Gründung der Pfarrei Gernsbach im Jahr 1243 lag die Reformation noch in weiter Ferne. Die abendländische Christenheit war noch in einer Kirche vereinigt.

Der aus dem Griechischen stammende Begriff "katholisch" bedeutete ursprünglich "gemäß dem Ganzen", also sinngemäß die Gesamtheit der Christen umfassend. Allerdings verengte sich dieser Begriff bald zu "römisch-katholisch", hob also Rom und den Papst als besondere Merkmale der Kirche hervor. Der Lebenswandel der Päpste und der Zustand der von ihnen regierten Kirche erregte im Spätmittelalter aber vielerorts den Unwillen der Gläubigen, so auch in Gernsbach.

Mal zur einen, mal zur anderen Konfession

Die Bevölkerung folgte geschlossen den Lehren des Reformators Martin Luther. Die Pfarrkirche St. Jakob wurde den Lutheranern übergeben. Die Stadtherren jedoch, die Grafen von Eberstein und die Markgrafen von Baden, wechselten mehrfach die Konfession. Die Bevölkerung war entsprechenden Repressalien ausgesetzt. Die Liebfrauenkirche und die St. Jakobskirche dienten bis 1640 mal der einen, mal der anderen Konfession. Entsprechend konfessionsübergreifend sind ihre Kunstdenkmäler. In der katholischen Kirche findet sich das Grabmal einer nach Zwingli reformierten Adligen, in der evangelischen Kirche etwas so typisch Katholisches wie ein Tabernakel.

Nach dem Aussterben der Ebersteiner 1661 und dem Eintritt des Fürstbischofs von Speyer in die Herrschaft wurde die evangelische Bevölkerung dann von zwei katholischen Herren regiert. Das führte, in der Markgrafschaft Baden einmalig, zu schweren Auseinandersetzungen, aber auch zur frühen Einübung eines gewaltfreien Nebeneinanders, ja sogar eines frühen Miteinanders der Konfessionen.

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