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Nach dem Beben: Hoffen auf die Touristen
17.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Ronja Schrimpf

Lombok/Gaggenau - Die schweren Erdbeben auf der indonesischen Insel Lombok haben auch in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Mehr als 400 Todesopfer sind zu beklagen, mindestens 150000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Yvonne Florian-Braun aus Oberweier weilt derzeit in Indonesien. Sie zeichnet ein differenziertes Bild von der Lage dort.

"Der Norden ist sehr stark von den Erdbeben betroffen. Dort gab es die meisten Toten und Verletzten und viele traumatisierte Familien", berichtet die Frau aus Oberweier in einem schriftlichen Interview mit dem BT. "Aber der recht unentdeckte Nordosten mit den Secret-Gilis, der Süden und der Südwesten mit den Gilis sind komplett unbeschadet."

Seit drei Wochen ist die 46-Jährige inzwischen auf Lombok und besucht hier die "Kinderoase", ein Kinderhilfsprojekt bei Jagaraga im Westen, nahe der Hauptstadt Mataram.

Das erste Beben am 29. Juli empfand sie als nicht allzu stark. Erst das zweite Beben am 5. August verursachte auch Schäden in Lomboks Hauptstadt Mataram, die sie selbst miterlebte: "Vor den Beben und den Nachbeben hatte ich keine Angst, lediglich Respekt. Natürlich war eine gewisse Anspannung da, besonders bei Nacht. Aber ich habe mich immer sehr sicher gefühlt. Der einzige Moment, als ich wirklich Angst hatte, war nach dem zweiten Erdbeben am Sonntag. Ich stand am Islamic Center vor der großen Moschee in Mataram und machte Fotos, als plötzlich die Erde so sehr anfing zu beben. Ich wusste nicht, wohin. Aber man soll stehen bleiben und schauen, ob Gefahr besteht, dass etwas einstürzen könnte, bevor man sich in Sicherheit bringt."

Für Angst habe zu diesem Zeitpunkt vor allem eine Tsunamiwarnung gesorgt. Diese galt jedoch, wie sich bald herausstellte, nur für den Norden Lomboks und wurde bald wieder aufgehoben. Große Teile des Nordens von Lombok bis Senggigi und einige Gebäude in Mataram seien durch die Beben schwer beschädigt worden.

Der Rest der Insel jedoch sei sicher und die Infrastruktur sehr gut. "Gerade jetzt in der Hauptsaison braucht der Süden Lomboks die Touristen", erläutert Florian-Braun. Denn wenn die Spendenaktionen für die Erdbebenopfer auslaufen werden, blieben den Bewohnern der Insel allein ihre eigenen Einnahmen aus dem Tourismus.

Schon nach dem ersten Beben registrierte Florian-Braun Berichte über eine völlige Zerstörung Lomboks statt einer aus ihrer Sicht differenzierten Schilderung der tatsächlichen Lage auf der indonesischen Insel. "An mich kommen Fragen wie: ,Wie kannst du nur auf einer Insel Urlaub machen, auf der es so viele Tote und Verletzte gibt? Bring dich in Sicherheit!'", berichtet Florian-Braun, "aber meine Familie und ich selbst haben abgewägt, uns viele Gedanken gemacht, mit den Leuten vor Ort gesprochen und entschieden, hierzubleiben."

Seit den Erdbeben habe es zahlreiche Stornierungen von Urlaubern gegeben. Besonders die Familien in Lombok, die Opfer der Erdbeben sind, seien aber auf ihre Arbeitsplätze im Tourismus angewiesen, um verletzte Angehörige zu versorgen oder ihre Häuser wiederaufzubauen. "Lombok sollte nicht im Schatten stehen und schon gar nicht in den Medien als komplett zerstört gezeigt werden", wünscht sich die Gaggenauerin. Dabei bezieht sie sich auch auf die Empfehlung des Auswärtigen Amtes, das lediglich von Reisen in den Norden und auf die Gili-Inseln abrate, jedoch nicht von Reisen in den Süden Lomboks.

"Lombok ist eine so wundervolle Insel mit liebenswerten Menschen", erzählt Florian-Braun, "Meine Familie und ich fühlen uns auf Lombok sehr wohl und gut aufgehoben - und wir werden auch nächstes Jahr wieder hierher zurückkommen."

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