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Vom Wander-Kino zur Institution in Ottenau
Zwei Ottenauer Kinogenerationen: Ines, Ellen, Klaus und Jens Merkel (von links).  Foto: Rohwer
05.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Ottenau hat in diesem Jahr gleich zwei besondere Anlässe zu feiern: Zum einen begeht der Gaggenauer Stadtteil sein 775-Jahr-Jubiläum, zum anderen feiert das Ottenauer Merkur-Film-Center in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Die Geschwister Ines und Jens Merkel führen das Familienunternehmen mittlerweile in dritter Generation.

Der Ursprung des Ottenauer Kinos liegt im brandenburgischen Müncheberg, östlich von Berlin. Dorthin hatte es den Ottenauer Wendelin Merkel beruflich verschlagen. Er war europaweit als Techniker für die damalige Firma Telefunken tätig und versah Sportveranstaltungen in Stadien mit Lautsprecher-Anlagen. 1938 übernahm er in Müncheberg zusammen mit seiner Frau Waltraud ein Kleinstadt-Kino mit 400 Sitzplätzen, in dem er bis 1944 Filme vorführte.

Nach Kriegsende kehrte er 1949 mit seiner Frau in die Heimatgemeinde Ottenau zurück. Dort zeigte er zunächst Filme im damaligen Saal der Gastwirtschaft "Strauss". Dann gründeten Wendelin und Waltraud Merkel einen Wander-Kino-Betrieb. Mit Opel P4 und Anhänger, auf dem die Leinwand, Lautsprecher und der Projektor transportiert wurden, war das Paar regelmäßig zu Gast in Festhallen, Gaststätten und Kursälen des Murgtals. Während Wendelin sich auf die Filmvorführung konzentrierte, kümmerte sich seine Frau um die Einnahmen. Die Eintrittspreise betrugen zwischen 20 und 50 Pfennig. Bis nach Hundsbach führte sie ihre Arbeit. Mit dabei waren stets ihre Kinder Regina, Monika und Klaus.

"Zur damaligen Zeit war das für viele etwas Besonderes, denn Fernsehen gab es noch nicht", sagt Jens Merkel. Bis 1957 betrieb Wendelin Merkel sein Wander-Kino. Während der letzten Jahre befand sich das heutige Kinogebäude bereits im Bau. Dessen Planung stammte von dem Karlsruher Architekten Robert Lautenschläger. Am 11. September 1958 wurde das Merkur Filmtheater in Ottenau, das über 400 Sitzplätze verfügte, eröffnet. Am 1. Juli 1975 übernahm Sohn Klaus Merkel zusammen mit seiner Frau Ellen die Leitung des elterlichen Unternehmens. Ein Jahr später erhielt das Gebäude seine markante Optik im "Augen-Design". Im Rahmen von aufwendigen Umbaumaßnahmen wurde der Vorführsaal 1979 unterteilt in den Saal "Smoky" mit 135 Plätzen und in den Saal "Movie" mit 72 Plätzen. Das Kino erhielt seinen heutigen Namen Merkur-Film-Center.

"Durch die Unterteilung konnten zwei Filme parallel gezeigt werden. Neu war auch der Service-Charakter. Man konnte sich an die neu gestaltete Bar setzen, ein Bier trinken und dabei den Film ansehen. Außerdem durfte in beiden Sälen geraucht werden", betont Ines Merkel: "Zur damaligen Zeit war das Ottenauer Kino das einzige seiner Art weit und breit. Aus einem Umkreis von mehr als 40 Kilometern kamen die Gäste. Damals liefen im Merkur-Film-Center hauptsächlich Mainstream und Actionfilme."

1989 wurde das "Movie" mit neuer Bestuhlung und einer Service-Theke versehen. 1991 wurde das "Smoky" renoviert, beide Kinos erhielten neue Tonanlagen. Auf das 2005 in Kraft getretene Rauchverbot in Kinosälen reagierten viele Kinobesucher sauer. Um dem Besucherrückgang entgegenzuwirken, überdachte Klaus Merkel das Filmprogramm. Er wollte seinen Gästen keine seichte Unterhaltung mehr bieten, sondern anspruchsvolle Filme und Dokumentationen. Sein Konzept ging auf. Seit 2007 wird das Ottenauer Merkur-Film-Center regelmäßig von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg für sein kulturell herausragendes Jahresfilmprogramm ausgezeichnet. Auch Ines und Jens Merkel, die das Unternehmen seit 2016 mit viel Leidenschaft und Herzblut führen, sind von diesem Konzept überzeugt - als Gegengewicht zum breiten Angebot der Konkurrenz.

Im Rahmen des Ortsjubiläums öffnet das Kino am 9. September von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt seine Türen. In Dauerschleife werden abwechselnd ein Kurzfilm und eine Diashow über Ottenau präsentiert. In der darauffolgenden Woche wird bis Freitag, 14. September, die Eröffnung des damaligen "Merkur Filmtheaters" mit verschiedenen Angeboten zelebriert.

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