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Ziel: Weniger Händler - mehr Niveau
Edith Grimm (rechts) und Patrizia Fritz beim Ausmessen der Standorte für die Krämerstände. Foto: Feuerer
11.09.2018 - 00:00 Uhr
Gaggenau (red) - Der Abwärtstrend bei der Zahl der Krämerstände setzt sich fort. Nur noch 100 von ihnen wird es bei der nächsten Herbstmesse geben. Das ist ein Fünftel weniger als im Vorjahr, damals waren es noch rund 125. 2017 war bereits die Konrad-Adenauer-Straße nicht mehr mit Ständen bestückt worden. Nun werden erstmals auch in der Amalienbergstraße keine Händler aufschlagen. Sie werden die Lücken im übrigen Marktbereich besetzen.

"Die Welt befindet sich in einem rasanten Wandel", gibt Judith Feuerer zu bedenken. Sie ist Pressesprecherin der Stadtverwaltung. Dies zeige sich auch bei der Gaggenauer Herbstmesse, die als Jahr- und Viehmarkt vor mehr als 120 Jahren ihre Wurzeln hat. "Die Zeiten, in denen Frauen dort ihre Küchenschürze für den Alltag und ihren Faltenrock für den Sonntag oder Wachstuchdecken erwarben, sind längst vorbei. Socken und Mützen, die früher fast ausschließlich auf dem Krämermarkt gekauft wurden, gibt es heutzutage als Aktionsware selbst im Discounter", weiß Feuerer.

Auch Edith Grimm, die seit nahezu vier Jahren Marktmeisterin ist, kann sich an die Bedeutung der Herbstmesse zu ihrer Kindheit erinnern. "Das war ein wichtiger Traditionstermin, auf den man das ganze Jahr über hingefiebert hat. Zumeist war der Herbstmessen-Sonntag auch verbunden mit dem Einkauf von beispielsweise Schuhen für den Winter."

Heutzutage lockt die Messe zwar immer noch zahlreiche Besucher aus der ganzen Region an, aber es hat sich eine Verschiebung ergeben: "Der heutige Marktbesucher will vor allem Spaß haben, Unterhaltung geboten bekommen, mit Freunden essen und trinken. Der Bummel über den Krämermarkt gehört dazu - dient aber längst nicht mehr dazu, wichtige Utensilien für Zuhause zu erwerben", konstatiert Edith Grimm. Die Folge: Die Zahl der Krämer geht seit Jahren kontinuierlich zurück. "Das liegt zum einen daran, dass es für die Krämer immer schwieriger wird, Nachfolger für ihre Stände zu bekommen, und natürlich vor allem am deutlich zurückgehenden Umsatz."

Der "Rundkurs" ist Geschichte

Ein Blick in die Statistik unterstreicht ihre Aussagen. Noch 2008 hatte die Stadt Mühe, unter den zahlreichen Bewerbern für Krämerstände eine Auswahl zu treffen und musste alljährlich viele Absagen erteilen. 500 bis 600 Bewerbungen waren in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends noch die Regel. Rund 170 bis 180 Stände wurden letztendlich aufgeschlagen und sorgten für einen facettenreichen und abwechslungsreichen Markt.

In diesem Jahr gingen bei Edith Grimm gerade einmal noch 140 Bewerbungen ein. Das Ordnungsamt musste deshalb die Reißleine ziehen und ein neues Konzept entwickeln. "Es ist uns alles andere als leicht gefallen, den Markt nun kleiner zu konzipieren", betont Grimm. Denn auch sie hing an dem beliebten Rundkurs von der Eckenerstraße, Jahnstraße über die Konrad-Adenauer-Straße zur Amalienbergstraße. "Das war ein schöner durchgehender Rundlauf, den wir eigentlich nicht aufgeben wollten".

Doch angesichts klaffender Lücken zwischen den Ständen musste sich die Marktmeisterin den Tatsachen stellen und eine neue Lösung erarbeiten. Das heißt, dass in diesem Jahr erstmals in der Amalienbergstraße keine Händler aufschlagen werden. Die dortigen Händler werden die Lücken im übrigen Marktbereich besetzen. "Natürlich hätten wir diese Lücken auch mit Kleiderhändlern besetzen können", erklärt Grimm.

Aber "es geht nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität". Und so erwarte die Besucher nun ein zwar etwas kleinerer Markt mit rund 100 Ständen, aber dafür auch ein "feiner Markt" mit klassischer Krämer-Bestückung. Mehr als die Hälfte der Markthändler sind treue Stammbeschicker, die schon seit Jahrzehnten nach Gaggenau kommen. "Diese Händler wollen wir unbedingt halten und unterstützen", verweist Grimm auf den wohl größten Konkurrenten, den Internethandel.

Wer achtsam durch den Markt geht, werde schnell merken, dass die Atmosphäre, die er auf dem Krämermarkt geboten bekommt, beim Onlinekauf nicht gegeben sei. "Ebenso nicht die persönliche Beratung und auch nicht die Witzeleien der Marktbeschicker, die gerade doch einen echten Jahrmarkt ausmachen."

Auch das Sortiment ist weiterhin typisch Herbstmesse: Nähbedarf, Staubsaugerbeutel, Regenschirme, Tischdecken, Seifen, Naturprodukte - aber auch Dekoratives wie Bilder, Kunsthandwerk und floristische Arrangements werden geboten. Regionale Spezialitäten wie Leckereien aus Wild, Meerrettich aus Urloffen, Imkereiprodukte, Schnäpse und Liköre runden die Palette ab.

Die viertägige Herbstmesse beginnt am Freitag, 21. September, um 17 Uhr mit dem "Warm-up". Mehrere Bands treten dabei auf. Am 23. September ist verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

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