https://www.top-zusteller.de/
https://www.top-zusteller.de/
Staatswald wird filetiert und aufgeteilt
28.12.2018 - 06:43 Uhr
Von Stephan Juch

Murgtal - "Revierdienst braucht Kontinuität." Das sagt der Kreisforstamtsleiter im Landratsamt Rastatt, Thomas Nissen. Deshalb hat der oberste Förster des Landkreises vorgesorgt. Vorgesorgt für die nächste Forstreform, die zum Stichtag 1. Januar 2020 greifen soll. Nach 1998 (Forstreform) und 2005 (Verwaltungsreform mit Eingliederung der Forstverwaltung in die Landratsämter) steht also schon wieder eine Umstrukturierung in den Wäldern des Landes Baden-Württemberg an - und schon wieder soll damit gespart werden.

Mit der nun anstehenden Reform werden Teile der vor 13 Jahren vorgenommenen Änderungen wieder rückgängig gemacht. Schon damals hieß es, man könne durch die Synergieeffekte mindestens 20 Prozent Personal einsparen, erinnert sich Nissen. "Jetzt macht man das teilweise rückgängig und spart wieder?", wundert sich der Kreisforstamtsleiter. Er ist zurzeit damit beschäftigt, die von ihm geleitete Behörde auf die neue Situation vorzubereiten.

Die Umorganisation ist nicht einfach, weil viele Fragen offen sind. Zum Beispiel die, wo die 21 neu aufzubauenden Betriebsstellen für die künftigen Staatswaldreviere hinkommen. Der Landkreis Rastatt wird dabei wohl leer ausgehen, mutmaßt Nissen, obwohl "wir von der Reform besonders schwerwiegend betroffen sind". Das liegt an der Ausgliederung des Staatswalds - der im hiesigen Landkreis immerhin 24 Prozent der gesamten Waldfläche ausmacht.

Die Verwaltung und Bewirtschaftung der Waldflächen im Eigentum des Landes erfolgt ab 2020 nicht mehr durch die Kreisforstämter, sondern wird in eine neu zu gründende Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) übertragen. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Verwaltung mit einer Betriebszentrale in Tübingen und 21 neuen Betriebsstellen, die im Schnitt jeweils für circa 15 000 Hektar Staatswald zuständig sind. Der Staatswald im Landkreis Rastatt wird filetiert und wie folgt aufgeteilt:

5 400 Hektar auf den Gemarkungen Gaggenau und Gernsbach gehören künftig zum Betriebsteil Schwarzwald West.

1 000 Hektar auf Gemarkung Forbach (Forstrevier Hundsbach) kommen zum Betriebsteil Schwarzwald Mitte/ Nord.

800 Hektar Kuppenheimer Wald und Staatswald auf den Gemarkungen Bühl und Lichtenau werden in den Betriebsteil Mittleres Rheintal integriert.

Holzverkaufsstelle in Forbach bleibt

Die Sitze der neuen Betriebsteile sind noch nicht bekannt. Nissen geht davon aus, dass der Sitz im Mittleren Rheintal im Raum Offenburg, Schwarzwald Mitte-Nord in Freudenstadt und Schwarzwald West im Murg- oder Enztal (Bad Wildbad, Bad Herrenalb oder Forbach) angesiedelt wird. Die Entscheidung ist für Frühjahr 2019 vorgesehen. Von diesen Standorten hängt laut Nissen viel ab, zum Beispiel wenn es um den Personalübergang vom Landkreis zu den Staatswaldeinheiten geht.

Fakt ist, dass sich auch im Kreisforstamt Rastatt, in dem aktuell 39 Beamte und Angestellte sowie elf Waldarbeiter tätig sind, das Personal-Karussell munter drehen wird. Wie dessen Leiter im BT-Gespräch ankündigt, sollen von den 39 Beamten und Angestellten voraussichtlich elf an die Betriebsteile der AöR versetzt werden (ein entsprechendes Interessensbekundungsverfahren findet im Frühjahr 2019 statt). Und die Waldarbeiter, die im Landkreis Rastatt ausschließlich im Staatswald eingesetzt werden, wechseln allesamt zum 1. Januar 2020 zur AöR.

Für den Kommunal- und Privatwald bleibt die untere Forstbehörde des Landkreises wie bisher zuständig. Die forsttechnische Betriebsleitung bleibt beim Kreisforstamt, auch den Revierdienst übernimmt der Landkreis weiter für alle waldbesitzenden Städte und Gemeinden, sofern diese kein eigenes Forstpersonal beschäftigen. Die Holzverkaufsstelle in Forbach wird ihre Aufgabe für die Gemeinden im Landkreis weiter wahrnehmen. Allerdings werden die vom Landkreis erbrachten Dienstleistungen für die kommunalen Waldbesitzer deutlich teurer, weil die bisherige Landesförderung wegfällt, kündigt Nissen an.

Auf der anderen Seite erhalten die waldbesitzenden Städte und Gemeinden als Ausgleich für die erhöhten Anforderungen (zum Beispiel sachkundige Bewirtschaftung durch ausgebildetes Forstpersonal, planmäßige Waldbewirtschaftung ...) künftig den sogenannten Gemeinwohlausgleich in Höhe von mindestens zehn Euro je Hektar Waldfläche. Unberührt von der Reform bleiben die hoheitlichen Aufgaben im Wald, zu denen im Murgtal zum Beispiel die Naturpädagogik am Infozentrum Kaltenbronn gehört.

Auslöser der neuerlichen Forstreform ist der im Koalitionsvertrag festgehaltene Wunsch der Landesregierung, die Staatswaldbewirtschaftung wieder in eigener Zuständigkeit zu managen. Zusätzlich wird damit kartell- und beihilferechtlichen Bedenken Rechnung getragen. Nicht zuletzt erhofft sich das Land Baden-Württemberg im Forstbereich eine strukturelle Einsparung von 8,4 Millionen Euro, erklärt Nissen. Um das zu erreichen, wird das seit mehr als 150 Jahren existierende Einheitsforstamt, das für alle Waldbesitzarten zuständig ist, aufgegeben.

Reviere müssen



umstrukturiert werden

Das führt dazu, dass manche Landkreise gezwungen sind, ihre Reviere komplett umzustrukturieren, weil sie mehrere Waldbesitzarten vereinen. Damit die Ausgliederung im Landkreis Rastatt nicht alles durcheinanderwirbelt, hat Thomas Nissen vorgesorgt und die Reviere in Staats- und Gemeindewald aufgeteilt - auch um eine gewisse Kontinuität im Revierdienst gewährleisten zu können.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
Bergwacht rettet Jagdhund vor dem Absturz

19.12.2018
Bergwacht rettet Hund vor Absturz
Gaggenau (red ) - Es waren bange Minuten für "Andy vom Dachsfelsen" - am Ende ging alles gut aus: Ein Mitarbeiter der Bergwacht rettete den Parson-Russel-Terrier von einem Felsvorsprung am Eichelberg. Dorthin war das Tier während der Jagd abgerutscht (Foto: Landratsamt). »-Mehr
Umfrage

Am 14. November findet der Weltdiabetestag statt. Viele Bundesbürger unterschätzen laut einer aktuellen Umfrage das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Beschäftigen Sie sich mit der Krankheit?

Ja.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1