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Zwischen Küche und Konzertsaal
09.01.2019 - 06:32 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Es blüht, doch manchmal ein bisschen arg im Verborgenen - das Kammermusikprogramm, das der Kulturring Gaggenau seinem Publikum offeriert. Denn immer wieder gelingt es Thomas Maisch, herausragende Akteure für ein Gastspiel zu gewinnen: sei es das Vision String Quartet 2015 oder im kommenden März das Van Baerle Trio aus den Niederlanden. Das Programm würde sich durchaus auch in einer Großstadt sehen und hören lassen können. Als Fachreferent ist Thomas Maisch seit 2012 verantwortlich für dessen Gestaltung - und längst nicht nur das.

Ein schönes Konzert fängt Monate, nicht selten auch Jahre vorher an und ist nach dem letzten Applaus noch lange nicht zu Ende. In manchen Wochen sind es drei, gar vier Konzerte, die sich Thomas Maisch anhört. Meistens auf Festivals im In- und nahen Ausland, ganz selten auch mal auf Youtube. Ohne Telefonnummern und E-Mail-Adressen geht es nicht. Über die Jahre hinweg hat er unzählige Visitenkärtchen gesammelt; wertvoll sind auch die Kontakte seiner Frau Pia, die als Berufsmusikerin arbeitet.

Das Programm für 2019 ist festgezurrt, Maischs Blick richtet sicht bereits auf 2020 und darüber hinaus. Dabei muss sich ein kleiner Veranstalter wie der Kulturring nicht nur nach dem Kalender der Akteure und Festivals orientieren: Festivitäten im Murgtal, Schulferien, wichtige Fußball-Länderspiele versucht er zu berücksichtigen. Denn jede Terminkollision kann sich in der Besucherzahl niederschlagen.

Als "Referent" heißt es auch anpacken - und dies oft im Alleingang: Zum Beispiel beim Stühle auf- und abbauen nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor. "Toll wären vernünftige Musikerstühle", sagt Thomas Maisch. Dann müsste er nicht mehr von daheim die passenden Sitzgelegenheiten in die Hallen karren. Und schon sind wir bei dem pekuniären (materiellen) Aspekt der Kulturarbeit. Im Kulturring ist man froh, dass ihm mittlerweile die Gemeinnützigkeit anerkannt wurde. Das wird, so hofft Maisch, dem Verein die Akquise von Spenden erleichtern. Vielleicht lässt sich so ein Wunsch realisieren, den Maisch schon geraume Zeit mit sich trägt:

Wer verleiht

dem Flügel Flügel?

"Der tolle Flügel in der Jahnhalle, der Steinway D, das ist eine echte Perle, mit der man auch Profis begeistern kann", gibt er zu bedenken, "aber es ist schade, dass es derzeit keine praktikable und kostengünstige Möglichkeit gibt, den Flügel von der Bühne in den Saal zu bringen." Ideen wären bereits vorhanden.

Ließen sie sich realisieren, dann könnte auch in der Jahnhalle "Kammer"-Musik in einer privateren Atmosphäre ausgerichtet werden - und würden sich die Zuhörer nicht so arg in den weiten Stuhlreihen verlieren wie vor wenigen Wochen beim Konzert von Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Maria Kuen.

Zwar ist Applaus "das Brot der Künstler", doch eine angenehme Atmosphäre trägt ebenso entscheidend zum Konzerterlebnis von Publikum und Akteuren bei. Nicht nur Thomas Maisch hofft deshalb, dass die schon seit langem anstehende Neugestaltung des Jahnhallen-Foyers künftig gerade Kammer-Konzerten einen angemessenen Rahmen zu bieten imstande sein wird.

Von Applaus und Ambiente allein wird ein Künstler aber noch nicht satt. Auch darum kümmert sich der Referent für Kammermusik. Wenn er im Saal alle Lichter ausgeknipst hat, bittet er die Akteure zu einem gemeinsamen Abendessen - entweder zu Hause oder in einer netten Lokalität. Dies sei Teil der Wertschätzung, die man den Künstlern gerne entgegenbringe, zumal nicht wenige von ihnen Feinschmecker sind.

Das "leibliche Wohl" muss allerdings schon gewährleistet sein, bevor der Instrumentenkoffer geöffnet wird. "Musiker haben immer Hunger", weiß Thomas Maisch augenzwinkernd; das Catering vor dem Konzert ist allerdings weit weniger spektakulär als das, was aus der Pop-Branche in die Klatschblätter dringt: Bananen werden gerne gegessen. Wenn die Musiker früh anreisen und vielleicht noch im Saal gemeinsam proben, dann freuen sie sich auch über Brötchen, Käse und Wurst - "viele Musiker sind allerdings auch Vegetarier." Getränke sind ebenfalls wichtig: Grüner Tee, Kaffee, stilles Wasser und Säfte reicht Thomas Maisch.

"Manchmal übernachten Künstler bei uns zu Hause", erzählt er, "wir kochen dann auch bei längeren Aufenthalten für die Musiker." Und an das gemeinsame Spargelschälen im Mai 2014 im Hause Maisch erinnert sich Cellist Maximilan Hornung heute noch gerne.

Schwierig, schwierig ist es geworden, für die Gäste eine Unterkunft im Murgtal zu organisieren. Der "Ochsen" in Bad Rotenfels ist nicht mehr; immerhin im "Sternen" in Staufenberg finde man eine adäquate Unterkunft, weiß Thomas Maisch. Er hofft, dass das neue "Parkhouse" von Daniel Kleinmann (das ehemalige Gästehaus Erhardt) im Kurpark bald ebenfalls zur Verfügung stehen wird.

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